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Digitale Revolution : Was kann der Großkonzern vom Start-up lernen?

  • -Aktualisiert am

Bäte: Auch in der Autoversicherung wird sich alles ändern. Heute versichern wir das Objekt Auto. Künftig wird der Fahrer zum Risikoobjekt, egal welches Auto er gerade fährt. Und wenn die selbstfahrenden Autos kommen, wer versichert das System? Stell dir eine Massenkarambolage von gefahrenen, selbstfahrenden und teilselbstfahrenden Autos vor. Wer ist schuld? Der Fahrer, der Hersteller, der Betreiber der Anlage? Tesla hatte seinen ersten tödlichen Unfall. Mit einem Opfer kann das Unternehmen umgehen. Was aber ist, wenn ein Hacker 5000 Autos aufeinandercrashen lässt und 3000 Menschen tot sind? Das sind Szenarien, mit denen wir es in Zukunft zu tun bekommen könnten. Da wird die Allianz eine wichtige Rolle spielen.

Nähern sich Großindustrie und groß gewordene Start-ups irgendwann an? Wann kriegt Rocket Internet seine Dienstwagenordnung?

Samwer: Bei Rocket haben wir das Stadium noch nicht erreicht, aber bei Zalando arbeiten sie bereits daran. Unsere Sorge ist: Wie bekommen wir es hin, dass das Unternehmen eine Generation hält? 30 Jahre und länger? Wie sehen da die Leadership-Teams aus? Ich will schließlich, dass das Unternehmen auch noch besteht, wenn ich 70 bin.

Sie denken dynastisch?

Samwer: Das Unternehmen soll zum Zeitpunkt meines Abdankens besser dastehen als heute. Das reicht. Ansonsten halte ich es mit dem sehr schlauen Menschen Bill Gates, der seinen Kindern kaum etwas vererbt. Kinder müssen sich selbst beweisen. Das ist bei Dynastien anders.

Wollen Sie Ihr Vermögen wie Bill Gates eines Tages einer Stiftung spenden?

Samwer: Ich bin jetzt 43 Jahre alt, primär bin ich noch mit dem Aufbau beschäftigt. Am Ende wollen wir über die unternehmerische Leistung hinaus etwas Gutes getan haben.

Wie lange wollen Sie arbeiten?

Samwer: Bis 70 auf jeden Fall. Das macht so viel Spaß. Ich habe den Beruf gefunden, der mich intrinsisch Tag für Tag zu 98 Prozent motiviert. Und das, obwohl jeden Tag rechts und links Steine geworfen werden, ich selbst jeden Tag Fehler mache.

Bäte: Auf 98 Prozent komme ich nicht immer. Aber ich habe Spaß an meinem Job, weil wir an Lösungen für komplexe Aufgaben in sich ändernden Märkten arbeiten.

Herr Samwer, würden Sie gerne mal mit Herrn Bäte tauschen?

Samwer: Das wäre spannend. Auch wenn ich nicht weiß, was deine Leute dann denken würden, Oliver. Zumindest an Turnschuhe beim Chef hast du sie ja schon gewöhnt.

Bäte: Aber meine haben Schnürsenkel, im Gegensatz zu deinen.

Samwer: Ohne ist es viel praktischer. Am Flughafen musst du ja ständig die Schuhe ausziehen, wieder anziehen. Aber zurück zum Tausch: 48 Stunden ginge das, das Experiment würde nicht weh tun. Ein 126 Jahre altes Unternehmen in eine veränderte Welt zu führen, das ist spannend. Nur 100.000 Mitarbeiter bin ich nicht gewohnt, das hat eine andere Komplexität als meine Arbeit.

Bäte: Du hast einen ganz anderen Freiheitsgrad im eigenen Unternehmen. Bei dir wird nicht jedes Wort auf die Waagschale gelegt. Wenn ich einmal kritisch gucke, wird gleich interpretiert, was ich gemeint habe könnte. Da beneide ich dich als Unternehmer.

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