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Digitale Revolution : Was kann der Großkonzern vom Start-up lernen?

  • -Aktualisiert am

Alle Konzernchefs fahren heute ins Silicon Valley und imitieren die Startup-Kultur. Wie lächerlich finden Sie das, Herr Samwer?

Samwer: Gar nicht. Je häufiger ein CEO sich mit Gründern austauscht, desto besser. Dafür muss er nicht 14 Tage durch Kalifornien fahren. Er kann auch nach Berlin kommen oder nach München. Wenn ich ein Veränderer sein will, dann bringt der Blick aufs Valley, auf Visionäre wie Elon Musk, total viel. Ich selbst schaue mir immer die Briefe von Jeff Bezos an seine Aktionäre an, dann fange ich an zu träumen. Gerade an so Tagen, an denen wir wieder runtergemacht werden, lese ich einen Artikel von ihm und denke: Egal, wir schreiten voran! Bezos schreibt da einfach rein: Es kommen noch jahrelang Verluste, das meiste, was wir versuchen, wird nicht klappen. Stellen Sie sich mal vor, ich würde so einen Brief schreiben ...

Bäte: Hier erwarten alle, dass wir ständig unsere Ziele übertreffen. Aus unserer Industrie werden auch schwierigere Nachrichten kommen, die Börsenkurse werden leiden. Wollten wir das verhindern, könnten wir auf die falsche Idee kommen, Tausende Leute rauszu-schmeißen, wie viele Unternehmen es immer gemacht haben, weil das kurzfristig den Aktienkurs hochtreibt. Oder wir könnten aufhören zu investieren, dann hieße es: Die Allianz überzeugt mit einem Kostensenkungsprogramm. Das machen wir nicht, weil es sich später rächt. Wenn man das Geschäftsmodell verändert, muss man das aushalten. Wir müssen die Latte so hoch legen, damit es richtig vorwärtsgeht. Marginale Fortschritte reichen heute nicht mehr.

Samwer: So viel, wie du vorhast, brauchst du einen vernünftigen Aufsichtsrat, der das alles mit Geduld mitträgt.

Bäte: Das tut er. Unsere Mitarbeiter sind gut, aber die Kultur muss sich ändern. Es darf auch mal was schiefgehen, ohne dass einem der Kopf abgerissen wird. Diese Kultur zu ändern ist mühselige Überzeugungsarbeit und Analyse: Warum dauert bei uns 100 Wochen, was Rocket in 100 Tagen schafft? Dazu müssen wir tradierte Arbeitsabläufe beschleunigen, das ist ungemein schwierig. Entscheidend ist, ob es uns gelingt, das mittlere Management mitzunehmen. Diese Mitarbeiter sehen ihre Existenz bedroht. Denen ist das Erneuerungsprogramm egal, solange die keine Antwort auf die Frage haben: Gibt es mich, meinen Job morgen noch? Wenn die Mitarbeiter nicht mitmachen, haben wir ein Problem.

Samwer: Du musst 100.000 Mitarbeiter mitnehmen, das ist deine Herausforderung. Meine ist: Da gibt es ein Unternehmen mit 100.000 Mitarbeitern, wie komme ich dagegen an? Es gibt genug Beispiele von Großkonzernen, die sich auch in der neuen Welt behaupten.

Apple, IBM haben ihr Geschäftsmodell radikal geändert und sind heute größer denn je. Das merkt gerade auch die deutsche Autoindustrie.

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