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Digitale Revolution : Was kann der Großkonzern vom Start-up lernen?

  • -Aktualisiert am

Bäte: Wie viele Menschen spielen in Deutschland Lotto – bei einer Gewinnchance von eins zu 140 Millionen? Da können Sie sich ausrechnen, dass es viel sinnvoller wäre, wenn Sie die zehn Euro nehmen und in einen Wagniskapital-Fonds packen. Das meine ich ganz ernst. Die Leute werfen die Kohle raus, aber nicht rational. Wir würden gerne spürbar mehr als heute in Unternehmen wie Rocket Internet investieren. Allerdings müssten wir dafür sehr viel mehr Risikokapital bereithalten, weil es angeblich zu riskant ist. Da kommt gleich das Aufsichtsrecht und ermahnt uns: Deckt eure Verbindlichkeiten mit langfristigen, festverzinslichen Anlagen. Kauf mal schön weiter Staatsanleihen! Aber zu negativen Zinsen macht das doch keinen Sinn. Dabei sind wir ideal geeignet, Oliver und anderen Start-up-Unternehmern Geld zu geben. Wir haben 650 Milliarden Euro Versicherungsgelder. Es ist ein Witz: Allianz ist der größte institutionelle Investor hierzulande, und wir können nicht so viel Geld in Olivers Firma stecken, wie wir sollten. Wenigstens können wir Menschen und Knowhow mit ihm austauschen. Das institutionalisieren wir gerade. Unser Thema ist es, Ideen zwischen Jakarta und Augsburg umzusetzen, und zwar nicht im Zehnjahresrhythmus, sondern in kleinen Zyklen von zehn Monaten.

Samwer: Schnelligkeit ist unser Wettbewerbsvorteil. Dafür haben wir weder 100 Jahre Erfahrung noch 60 Milliarden Euro Börsenwert.

Bäte: Der Börsenwert sinkt gerade.

Samwer: Ja, vielleicht ein bisschen. Aber da ist schon noch genug da bei euch.

Bäte: Aber es stört mich, wenn es weniger wird.

Samwer: Seit dem Börsengang ist unser Kurs sowohl um 50 Prozent gestiegen als auch gefallen. Dennoch bin ich überzeugt von dem, was wir tun. Für eine Abrechnung ist es zu früh. Wie viele Internetunternehmen haben es denn in den letzten Jahren geschafft? Wenn ich nach Deutschland schaue, sehe ich Rocket und Zalando, beide von uns. Und dann kommt lange nichts.

Bäte: Das ist eine echt deutsche Krankheit. Wenn der Kurs mal deutlich runtergeht, schreien alle auf, ohne genauer auf die Ursachen zu schauen. Ich könnte hier bei der Allianz auch gemütlich sitzen und einfach wie bisher die Versicherungen verkaufen und Synergien nutzen. Das läuft eine Zeitlang. Wenn dann aber in zehn Jahren klar wird, es gibt das klassische Versicherungsgeschäft so nicht mehr wie heute, wer hat denn da die Umstellung verbockt? Das wäre dann der Bäte, so ein Volltrottel! Der ist dann aber vielleicht im Ruhestand und ist abgesichert.

Samwer: Es gibt genug Beispiele, wo Manager das so machen.

Bäte: Wir müssen hier gegen den Strom agieren. Es gibt genug Aktionäre, die sagen: Zahlen Sie schön alle Gewinne aus als Dividende, und fragen: warum denn ins Internet investieren? Sei doch alles so unsicher, wie lange dauert es, bis selbst Amazon Geld verdient?

Samwer: Ich könnte es mir auch bequemer machen, dann gäbe es zu Hause weniger Beschwerden. Aber wir wollen die sein, die es zumindest versucht haben. Ob dann am Ende da steht, er hat’s versucht und gewonnen oder ist gescheitert, das kann man erst hinterher sagen. Immerhin haben wir bei null angefangen und beschäftigen heute über 300.00 Mitarbeiter in mehr als 110 Ländern. Berlin hätte nie so viele Start-ups ohne uns, so viele Arbeitsplätze.

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