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Digitale Revolution : Was kann der Großkonzern vom Start-up lernen?

  • -Aktualisiert am

Und das reicht? Kann das auf Dauer gutgehen?

Samwer: Damit wären wir beim Thema Disruption. In Deutschland werde ich immer gefragt: Wie kann denn ein Tesla Autos bauen? Der hat doch gar keine 100 Jahre Autoerfahrung. Stimmt, aber der holt sich halt jemand Gutes von Toyota oder BMW. Um Toyota zu kopieren, brauchen Sie nicht 100.000 Toyota-Mitarbeiter, Sie nehmen 20 der 100 Schlausten. Auch große Unternehmen können so disruptet werden, in allen Branchen. Bei Banken und Versicherungen dauert es länger, weil die Deutschen nicht so schnell ihr Konto wechseln oder eine neue Versicherung abschließen. Deshalb gibt es nirgendwo auf der Welt das „Uber“ der Versicherungen.

Bäte: Uber ist ein gutes Beispiel: Warum ist Uber so erfolgreich? Weil sie aus Kundensicht etwas neu, besser machen. Wir stecken da oft in Regularien fest. Wenn uns heute einer eine E-Mail schreibt, kann es passieren, dass Sie erst acht Tage später einen Antwortbrief bekommen. Das ist eine Service-Katastrophe. Die Regularien müssen wir knacken.

Muss ein kreativer Zerstörer wie Uber erst mal Gesetze brechen?

Bäte: Nein. Das geht nicht. Wenn Wettbewerbsvorteile nur auf der Missachtung von Gesetzen und Sozialstandards beruhen, werde ich sauer.

Samwer: Das geht mir genauso.

Bäte: Vergleichsportale im Internet müssen den gleichen gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen wie klassische Makler. Die gilt insbesondere für die Transparenz gegenüber dem Kunden: Dem Kunden muss absolut klar sein, dass es sich bei dem Vergleichsportal um einen Versicherungsvermittler handelt. Vor allem muss der Kunde wissen, dass die Vergleichsportale Provisionen von den Produktgebern erhalten, die sie empfehlen. Online und offline muss Waffengleichheit herrschen.

Samwer: Im Recht müssen neue Ansätze her. Bei jedem Mittelständler, der für 50 Millionen gekauft wird, wird vom Kartellamt geguckt. Im Internet gibt es aber noch andere Währungen als Umsatz und Mitarbeiter. So können Marktmonopole entstehen, bei denen das Wettbewerbsrecht bislang zu kurz greift.

Bäte: Stimmt. Da zwingen sie Leuten ein E-Mail-Programm auf – und damit gleich in die dazugehörige Browser-Welt. Da braucht man keinen Doktor in Wettbewerbstheorie, um zu sehen, dass der freie Markt nicht funktionieren kann. So was sollte der Gesetzgeber angehen. Warum rücken die großen Stars aus Amerika hier immer an mit den besten Anwälten der Welt im Schlepptau? Wir von der Allianz suchen keine Steuerschlupflöcher und zahlen brav die 31 Prozent Steuern. Dafür kriegen wir dann von den Aktionären Kritik. Wir haben noch keinen Preis dafür bekommen, dass wir ehrlich Steuern zahlen.

Samwer: Gesetze sind das eine. Wir brauchen auch mehr Investoren mit Mut zum Risiko. Das Knowhow für Tesla hätten wir hier in Deutschland auch gehabt. Aber wir hätten niemanden gefunden, der über sieben Jahre sieben Milliarden Dollar investiert hätte.

Ob das so klug ist, Tesla das viele Geld zu geben? Die Firma hat noch nie Gewinne gemacht.

Samwer: Wenn Sie von vornherein sagen, das ist doof, dann sind Sie nie dabei. Nur einer von zehn Gründern schafft es, das ist halt so. Aber bei dem einen könnte ich dabei sein. Also machen wir bei Rocket immer weiter. Im Zweifel für den Mutigen.

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