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Digitale Revolution : Was kann der Großkonzern vom Start-up lernen?

  • -Aktualisiert am

Bäte: Nein, das ist zu lange her. Wobei wir uns ja erst seit einem Jahr intensiver kennen, weil wir uns häufig treffen und darüber reden, wie man die Allianz schneller macht. Da hat der Oli einen ganz anderen Ansatz.

Samwer: Als Unternehmer sehe ich die Welt immer kritisch und denke: So, wie das jetzt ist, reicht es nicht, liebe Leute, das geht alles noch besser.

Bäte: Da steckt noch der Berater in dir.

Samwer: Wahrscheinlich. Intellektuell fand ich die Arbeit auch sehr herausfordernd. Deshalb holen wir gerne Leute aus der Branche. Auf der Suche nach Mitarbeitern habe ich gelernt, zwei Typen zu unterscheiden: den „Assistant Type of Professor“, das ist der Schlaue, der aber kein Team führen kann. Dann haben wir den Harvard Business School Graduate, der erzählt super, reißt jede Powerpoint-Show, hat aber Probleme, wenn es analytisch wird. Wir brauchen den Typ in der Mitte, der schlau ist, aber auch ein Team mitziehen, der seinen Leuten von seinem Traum erzählen kann.

Zieht es die guten, ambitionierten Leute heute eher ins Start-up oder in den Konzern?

Samwer: Die gehen häufig nicht mehr zu Großkonzernen, sondern kommen zu uns.

Bäte: Das stimmt, eindeutig.

Samwer: Das Problem ist nur: Wenn wir den Typ in der Mitte gefunden haben, springt jeder Dritte ab. Da kommt dann die berühmte E-Mail: Lieber Oliver, ich würde wahnsinnig gerne für dich das Amazon von Vietnam aufbauen, aber leider ist gerade meine Oma krank geworden.

Bäte: Ja, doch, das kenn ich auch. So ein Job in Singapur passt ja nie optimal im Leben. Da hängt es davon ab, ob du bereit bist, in anderen Bereichen zurückzustecken.

Samwer: Wir nennen das bei uns den „Sacrifice“-Faktor – die Bereitschaft, dafür auch Abstriche hinzunehmen. Und manchmal eben auch beim Arbeitsort. Na klar, New York und London sind für die meisten viel attraktiver als Ho-Chi-Minh-Stadt oder Myanmar.

Bäte: Du selbst bist ja auch ständig in den Gegenden unterwegs.

Samwer: Anders geht es nicht. Wir haben kürzlich ein Unternehmen in Südostasien an Alibaba verkauft, das wir vor vier Jahren gegründet hatten. Im Internet hatten wir uns das damals angeschaut: Indonesien, Philippinen, Malaysia, Vietnam, Thailand – dort leben 550 Millionen Menschen, und dort gibt es Internet. Jetzt hat Alibaba genau dieses Unternehmen gekauft, weil es die größte Marktplatz-App der Region ist mit 3000 Beschäftigten. Das ist nur entstanden, weil wir oft nach Jakarta geflogen sind. Da brauchst du allein drei Stunden vom Flughafen in die Stadt. Das nervt, aber nur bis nach Singapur in eine Lounge und dann wieder zurück, das reicht nicht, um solche Geschäftsmodelle aufzubauen.

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