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Deutsche-Bank-Risikovorstand : „Wir sind nicht gefährlich“

  • -Aktualisiert am

Der Risikovorstand der Deutschen Bank Stuart Lewis hält seinen Arbeitgeber für gut gerüstet. Bild: Frank Röth

Deutsche Finanzhäuser haben im Stresstest enttäuschend abgeschnitten. Dennoch verspricht Deutsche-Bank-Risikovorstand Stuart Lewis: Der Steuerzahler muss nicht für uns einspringen.

          Herr Lewis, ist die Deutsche Bank die gefährlichste Bank der Welt?

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nein, keinesfalls. Da hat nur ein IWF-Bericht neulich die Leute verwirrt: Wir sind nicht gefährlich, wir sind nur sehr relevant. Die Deutsche Bank ist sehr verwoben mit dem gesamten Finanzsektor, wir sind nun einmal eine der größten Universalbanken der Welt. Aber, um es klar zu sagen: Unser Haus ist stabil. Die Bilanz ist gesund.

          Das sagen Sie guten Gewissens?

          Unbedingt. Schauen Sie sich an, wie wir die Bank kapitalisiert haben seit der Finanzkrise. Wir haben 115 Milliarden Risiko aus der Bilanz genommen und 220 Milliarden Euro an Liquidität. Die Sorge um uns ist unbegründet.

          Trotzdem taumelt der Aktienkurs nach unten, und Politiker in Berlin fürchten bereits, die Deutsche Bank retten zu müssen.

          Ich habe von keinem einzigen Politiker etwas in der Richtung gehört. Es gibt auch keinen Anlass dafür. Die gute Nachricht ist: Der Steuerzahler muss nicht einspringen, nach den neuen Regularien für Banken wären zuvor die Gläubiger dran.

          Laut dem Banken-Stresstest ist nur ein Zwölftel Ihrer Bilanz durch Eigenkapital gedeckt.

          Für das negative Szenario in diesem Stresstest liegt unsere Eigenkapitalquote bei 7,8 Prozent, das ist ein ordentliches Ergebnis, weit oberhalb der für die Deutsche Bank geforderten 7 Prozent. Wir sind in diesen Stresstest weitaus besser als vor zwei Jahren gegangen, und das Ergebnis fällt gut aus – und das, obwohl der Test viel härter war. Die Qualität unserer Bilanz ist top, auch bei den Ausfallrisiken für Kredite schlagen wir uns bestens.

          Warum liegen Sie dann so weit hinten im europäischen Vergleich?

          Das liegt vor allem an den operationalen Risiken, die haben uns nach unten getrieben.

          Was genau ist damit gemeint?

          Das sind die nicht-bilanziellen Risiken, die sich vor allem aus dem Verhalten von Mitarbeitern oder unzureichenden Kontrollen ergeben können. Dazu schreiben die Tester die Vergangenheit in die Zukunft fort. Und es ist nun mal eine Tatsache, dass uns Rechtsfälle seit 2012 mehr als 12 Milliarden Euro gekostet haben, daran leiden wir bis heute, haben aktuell 5,5 Milliarden Euro dafür zurückgestellt. Wenn andere im Stresstest besser abschneiden, ist das der Grund.

          Am schlechtesten haben italienische Banken im Stresstest abgeschlossen: Wie bedrohlich ist dies für die Banken in Deutschland?

          Der Markt hatte vorher ja schon Ähnliches erwartet. Deswegen erwarte ich keine größeren Konsequenzen für uns.

          Die Deutsche Bank braucht also kein neues Eigenkapital?

          John Cryan hat mehrfach klargestellt, und der Stresstest hat es bestätigt: Es gibt keinen Grund, jetzt eine Kapitalerhöhung zu machen. Wir liegen jetzt bei einer Eigenkapitalquote von 10,8 Prozent. Wenn der Verkauf der Huaxia-Bank in China eingerechnet wird, steigt der Wert auf 11,2 Prozent, das Ziel für 2018 beträgt 12,5 Prozent. Das schaffen wir, wenn wir unsere Strategie umsetzen. Unsere Bank kann vier bis fünf Milliarden Euro verlässlich an Gewinn erwirtschaften, um so organisch Eigenkapital zu schaffen.

          Solange der Zins negativ ist, tun sich Banken schwer, Geld zu verdienen: Wie lange sind diese Zustände durchzuhalten?

          Der niedrige Zins hat zwei Seiten, eine gute und eine belastende. Das Gute ist: Es fallen weniger Kredite aus, das Schlechte: Die Einnahmen schmelzen dahin. Damit haben alle Banken zu kämpfen. Es ist hart, eine so lange Strecke mit Niedrigzinsen zu überstehen. Die Deutsche Bank erzielt aber traditionell einen höheren Anteil ihres Ergebnisses über Provisionen, wir haben hier also einen Vorteil.

          Wie lange wird die Niedrigzinsphase noch anhalten?

          Da wage ich keine Prognose. Ich weiß nur, dass niedrige Zinsen den Banken schaden, ohne die Wirtschaft anzukurbeln.

          Stuart Lewis ist Risikovorstand der Deutschen Bank. Foto Picture Alliance

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