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Interview : „I-mode bringt ein Stück UMTS-Feeling in den Markt“

  • Aktualisiert am

E-Plus-Chef Bergheim mit gutem Gefühl Bild: AP

Der deutsche Mobilfunkanbieter E-Plus bietet erstmalig Multimediainhalte. FAZ.NET sprach mit Konzernchef Uwe Bergheim.

          Weniger als Kino mit bewegten Bildern, mehr als bunten Marktplatz beschreibt E-Plus-Chef Uwe Bergheim die deutsche Variante des japanischen Erfolgsdienstes i-mode. Ab 16. März soll darüber E-Mail-Versand mit 1.000 Zeichen und schneller Zugang zu Diensten von 60 Inhaltelieferanten möglich sein.

          Bergheim geht im FAZ.NET-Interview von einer schnellen Refinanzierung und mehreren 100.000 Neukunden bis Ende des Jahres aus.

          Herr Bergheim, wie viel haben Sie in die deutsche Variante von i-mode investiert?

          Wir haben einen zweistelligen Millionenbetrag in die Plattform investiert, dazu noch einiges in die technische Aufrüstung unserer GPRS-Netze. Jeder unserer 60 Contentpartner hat selbst maximal 25 000 Euro in das Projekt gesteckt.

          Subventionieren Sie die neuen NEC-Handys?

          Nur leicht mit zehn Euro pro Endgerät, um auf den Schwellenpreis von 249 Euro zu kommen. Jedenfalls ist das nicht vergleichbar mit dem, was im Vertragskundengeschäft teilweise an Handysubventionen üblich ist.

          Kommen weitere Handys?

          Wir setzen auf ein Modell von Mitsubishi und im dritten Quartal rechnen wir mit einem von Toshiba. Wir sprechen auch mit allen europäischen Herstellern, aber Nokia oder Siemens sind eben noch nicht soweit. Javafähige Handys erwarten wir spätestens zum Ende des Jahres. Jedoch wird es kein Prepaid-Modell für i-mode in diesem Jahr geben.

          Dann sind Jugendliche nicht Ihre Hauptzielgruppe?

          Sicher treiben gerade sie den Markt, aber bei i-mode sind Jugendliche erst einmal nicht in der ersten Reihe. Allein schon wegen des Handsets, das mit 249 Euro eher in der oberen Preisklasse liegt. Aber auch, weil die Abrechnung im Prepaid-Bereich deutlich aufwendiger ist. Also haben wir bei den Diensten mehr Augenmerk auf professionelle Anwendungen als auf Daddelei gelegt haben. Eben mehr Infos als Spiele.

          Mit wie vielen Diensten starten Sie?

          Zum Start bieten wir rund 500 Seiten Information, Dienstleistung und Unterhaltung von 60 Content-Anbietern, darunter unter anderem News, Börsenkurse, ein Single-Chatservice, Erotik, 16-stimmige Klingeltöne und Bildschirmschoner. Manche sind kostenlos wie die Zugauskunft, manche sind im Abo zu beziehen. Es dauert Stunden bis man sich durch die 500 Seiten gescrollt hat.

          Wie teilen Sie die Einnahmen mit den Diensteanbietern?

          Die Content-Anbieter bekommen 86 Prozent der Abo-Einnahmen, wir für Billing, Support und Anteil am Abo-Umsatz 14 Prozent. Im Vergleich zu NTT Docomo, die nur 9 Prozent einbehalten, haben wir unsere Marge höher gesetzt, weil wir auch das Kreditrisiko tragen.

          Wie viel muß ein i-mode-Kunde umsetzen, damit es sich für Sie wirtschaftlich rechnet?

          Wir erwarten eine Umsatzsteigerung pro i-mode Nutzer von 20 bis 25 Prozent. Allerdings sind unsere Investitionen im Vergleich zu den UMTS-Milliarden oder manchen Werbekampagnen so klein, dass wir den zweistelligen Millionenbeitrag mit Einnahmen über i-mode schnell wieder raus haben.

          Mit wie vielen Neukunden rechnen Sie bis Jahresende?

          Mit einigen Hunderttausend. Ob es nun 400.000 oder 600.000 sind, das würde ich gerne dem Markt überlassen.

          Werden auch andere Mobilfunkunternehmen i-mode anbieten?

          I-mode wird es in Deutschland nur exklusiv bei E-Plus geben. Aber wir nutzen unsere Vertriebswege, also dürfen die Serviceprovider Debitel oder Mobilcom i-mode vertreiben, dabei bleibt es aber auch im Moment. Wir werden es nicht anderen Netzwettbewerbern anbieten. Immerhin haben wir durch die Zusammenarbeit mit NTT Docomo und KPN Mobile einen technischen Vorsprung mit i-mode von sechs bis neun mehreren Monaten vor unseren Wettbewerbern.

          Rechnen Sie mit einem Wachstumsimpuls durch i-mode für den deutschen Mobilfunkmarkt?

          Wir gehen davon aus, dass der Markt in diesem Jahr rund zehn bis 15 Prozent wachsen wird, i-mode wird sich bei den wenigen verbleibenden Monaten für den Markt insgesamt nicht groß bemerkbar machen. Der Impuls für den Markt kommt mehr aus der Erkenntnis, dass UMTS möglich ist, i-mode bringt ein Stück 'UMTS-Feeling' in den Markt. Für E-Plus selbst erwarten wir allerdings durch i-mode einen Wachstumsschub.

          Wann startet i-mode in anderen Ländern?

          Wir starten in den Niederlanden vier Wochen später als in Deutschland. Belgien geht noch später an den Start, weil wir dort noch nicht die technischen Voraussetzungen haben. NTT Docomo verhandelt auch mit anderen europäischen Partnern, aber in diese Gespräche bin ich nicht involviert.

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