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Interview : "Geld macht glücklich und Sex auch"

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Im Café sitzen macht auch glücklich: Bruno S. Frey Bild: F.A.Z. (Wonge Bergmann)

Arbeit, Ehe, erwachsene Kinder - der Ökonom Bruno S. Frey weiß, wann die Menschen zufrieden sind. Neben dem Einkommen zählt die Zufriedenheit am Arbeitsplatz zu den wichtigsten Glücksfaktoren.

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          Arbeit, Ehe, erwachsene Kinder - der Ökonom Bruno S. Frey weiß, wann die Menschen zufrieden sind: Neben dem Einkommen zählt die Zufriedenheit am Arbeitsplatz zu den wichtigsten Glücksfaktoren. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung verrät der Professor, wie Menschen dem Glück näherkommen.

          Herr Professor Frey, macht Geld glücklich?

          Im Prinzip ja.

          Uneingeschränkt?

          Wer weniger Einkommen hat, der ist weniger glücklich. Mit zunehmendem Reichtum steigt das Glück allerdings nicht in gleichem Maß. Es gilt das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens.

          Das soll heißen: Die erste Million macht glücklicher als die zehnte. Von welchem Betrag an steigert mehr Geld nicht mehr das Glücksgefühl?

          Das ist unterschiedlich: je nach Land, Person oder Zeitpunkt.

          Und wo leben die glücklichsten Menschen?

          Die Dänen sind am glücklichsten. Auf Platz zwei liegen die Schweizer.

          Und die Deutschen sind weniger glücklich?

          Stimmt.

          Woran liegt das?

          Die Arbeitslosigkeit ist hoch, und das Pro-Kopf-Einkommen hat in den letzten Jahren stagniert.

          Wir dachten immer, der einsame Fischer am Strand des griechischen Peloponnes sei der glücklichste Mensch der Welt.

          Das ist der Mythos der Reichen. Leute in armen Ländern sind keineswegs glücklich.

          Woher will der Ökonom das wissen?

          Da machen wir einen interessanten Trick. Bisher hat man Glück von außen definiert - psychologisch, philosophisch. Wir tun genau das Gegenteil. Wir fragen die Menschen nach ihrem subjektiven Glücksgefühl, ihrem Wohlbefinden auf einer Skala zwischen 1 und 10.

          Warum sind Sie sicher, daß die Leute ihren Glückszustand richtig einschätzen?

          Die Antworten sind sehr zuverlässig. Wie gut sie sind, sieht man auch daran, daß Partner oder Freunde der betreffenden Person diese als ähnlich glücklich einstufen.

          Das Einkommen ist ein wichtiger Glücksfaktor, sagen Sie. Was ist der wichtigste?

          Arbeitszufriedenheit. Arbeitslose sind sehr viel unglücklicher als Leute mit Arbeit. Selbst wenn man deren Einkommen konstant hielte, sind sie unzufriedener. Weil sie aus der Gesellschaft rausfliegen, weniger soziale Kontakte haben, ihr Selbstwertgefühl sehr stark leidet.

          Das heißt: Niemand ist gern arbeitslos. Die These, der Wohlfahrtsstaat reize zur Faulheit, ist Blödsinn?

          Es gibt Leute, die den Sozialstaat ausnutzen. Das sind höchstens 10 bis 20 Prozent. Der ganze Rest möchte arbeiten. Auch für weniger Geld. Würden Regulierungen wie Mindestlöhne wegfallen, wäre das nachzuprüfen.

          Gibt es neben Arbeit und Einkommen weitere ökonomische Größen, die das Glück beeinflussen?

          Der dritte Faktor ist die Inflation. Rasch steigende Preise - da spreche ich von 5 oder 10 Prozent - verunsichern die Menschen. Sie sind unglücklich, da sie wissen: Das böse Ende kommt noch.

          Sie wollen uns aber nicht erzählen, das Glück hänge allein an volkswirtschaftlichen Größen.

          Natürlich nicht. Soziologische Faktoren spielen ebenso eine wichtige Rolle. Das Familienleben ist sehr wichtig. Einen Partner zu haben, besonders in der Ehe, stabilisiert das Glück.

          Kierkegaard sagt: "Besser gut gehängt als schlecht verheiratet."

          Klar, lieber glücklich als Single als unglücklich in der Ehe. Aber im Durchschnitt ist man verheiratet glücklicher. Da muß man auch sehen, wer ist nicht verheiratet. Da sind auch Leute dabei, die außerhalb der Gesellschaft stehen: Trinker, Kriminelle, Geistesgestörte - eine negative Auslese. Was nicht ausschließt, daß freiwillig Unverheiratete ganz glücklich sein können.

          Wie flüchtig das Eheglück ist, zeigen die hohen Scheidungsraten.

          Nach der Hochzeit nimmt das Glück wieder ab. Man gewöhnt sich an die Ehe, an das Zusammensein, das dämpft das Glück.

          Schafft Wiederverheiratung Abhilfe?

          Nein. Untersuchungen belegen, daß die späteren Ehen immer unglücklicher werden.

          Sie raten ab von der Dritt- und Viertehe?

          Es ist nicht so, daß man mit zunehmenden Ehen lernt, den richtigen Partner zu finden. Man kann das Glück nicht steigern, indem man immer wieder neu heiratet.

          Und indem man fremdgeht? Trägt Sex zum Glück bei?

          Es gibt Untersuchungen, die darauf hinweisen. Ein befriedigendes sexuelles Leben nützt sich kaum ab, sondern befriedigt immer wieder von neuem.

          Wie stark heben Kinder das Glücksgefühl?

          Solange die Kinder zu Hause sind, machen sie nicht glücklich. Erst wenn sie weg sind, werden die Eltern glücklicher, wenn die Belastungen und Probleme nicht mehr zu erdulden sind.

          Dem widerspricht der kuhäugige Blick junger Eltern, der besagt: Es gibt kein größeres Glück als Babys.

          Nach außen hin wird das als Elternglück verkauft. Man sieht den Menschen nicht die Probleme an, die die Kinder ihnen bereiten.

          Fassen wir zusammen: Am glücklichsten sind Verheiratete ohne Kinder.

          Ja. Oder mit erwachsenen Kindern.

          Und wen heiratet man am besten aus ökonomischer Sicht? Den Mann, die Frau mit dem höchsten Karrierepotential?

          Am besten jemanden mit ähnlicher Ausbildung. Wir nennen das Homogamie. Bei großen Bildungsunterschieden geht es nicht lange gut in der Ehe.

          Wir dachten, Gegensätze ziehen sich an.

          Am Anfang schon. Aber im Ehealltag bringt das nichts.

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