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Interview : Analysten - an die eigene Nase fassen

  • Aktualisiert am

          1 Min.

          Welche Rolle sollen und können Analysten spielen. Wie sieht es mit der Neutralität des Research aus? Was kann der Privatanleger glauben?

          FAZ.NET im Interview mit Andrew Lockhart, Chef der Researchabteilung bei Dresdner Kleinwort Wasserstein, in Frankfurt.

          Herr Lockhart, halten Sie die allgemeine Analystenschelte für gerechtfertigt?

          Für verständlich allemal, für gerechtfertigt teilweise. Wenn Marktteilnehmer sich nicht an die Regeln halten, dann muss das gerügt werden, und wir müssen uns an die eigene Nase fassen. Die Diskussion ist grundsätzlich berechtigt.

          Können Privatanleger Analystenempfehlungen noch vertrauen?

          Analysen sind zumeist für institutionelle Anleger geschrieben, und das hat Einfluss auf die Tiefe, das Vokabular und auch die Art der Empfehlung, die sich auch mal an der relativen und nicht der absoluten Performance orientiert. Das Verständnis beim Privatanleger ist da ein anderes.

          Was halten Sie von Vorschlägen, Kaufempfehlungen und Kurszielprognosen abzuschaffen?

          Es ist nicht sehr produktiv, wenn Dinge, die von Analysten zwar missbraucht und auch falsch eingesetzt werden können, verboten werden. Man muss dafür sorgen, dass Kaufempfehlungen sauber sind und Kursziele als Tendenzprognose und nicht als garantierte Punktlandung verstanden werden.

          Wie würden Sie die Interessenkonflikte der Analysten zwischen Loyalität zum Arbeitgeber und Neutralität im fachlichen Urteil beschreiben?

          Das ist das größte Problem, und deshalb ist es gut, dass es diskutiert wird. Innerhalb einer Investmentbank müssen die Urteile der Analysten wertgeschätzt sein. Wenn der Analyst sagt, ein IPO sei zu teuer, dann muss das auch so akzeptiert werden. Natürlich wird es immer einen Interessenkonflikt geben, es ist aber wichtig, dass der Analyst den Mut hat, sein Urteil abzugeben und dann eine Aktie auch mal nicht zu empfehlen.

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