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Interview : "Aktienentwicklung befördert Großfusionen"

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Goldman Sachs sieht den Markt für Unternehmenshochzeiten in Bewegung. Ein Interview mit Marcus Schenk, Partner im Investment-Banking des Finanzkonzerns in Frankfurt.

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          Marcus Schenk ist Partner im Investment-Banking bei Goldman Sachs in Frankfurt.

          Herr Schenck, wird es 2004 wieder mehr Firmenfusionen und -übernahmen geben?

          Ja, bestimmt. Transaktionen wie 1999 und 2000 werden wir voraussichtlich nicht mehr erleben. Aber wir sind optimistisch, daß es zu deutlich mehr Bewegung im Markt kommt als in den vergangenen beiden Jahren.

          Auch in Deutschland?

          Vor allem in Deutschland. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt hat es im europäischen Vergleich mit Blick auf das Volumen von Fusionen und Übernahmen im abgelaufenen Jahr relativ wenig Aktivität gegeben.

          Die Bundesrepublik hat also Nachholbedarf. Steht da der Bankensektor an erster Stelle, wie Gerüchte um Commerzbank und Hypo-Vereinsbank glauben machen?

          Bei den Banken wird in der Öffentlichkeit zu viel spekuliert. Richtig ist, daß es sich um eine Branche handelt, die in Kontinentaleuropa zu stark segmentiert ist. Der Sektor als Ganzes benötigt weiteres Eigenkapital, das er sich am Kapitalmarkt oder auch über den Weg der Konsolidierung holen kann

          Wann müssen wir mit dem nächsten Zusammengehen rechnen?

          Die öffentliche Diskussion nährt den Eindruck, daß sich hier schon bald etwas tun könnte. Das ist nicht auszuschließen, aber so schnell muß es nicht gehen. Ich rechne eher mit einem längerfristigen Horizont. Das können durchaus ein bis drei Jahre sein.

          Drei Jahre?

          Sie sollten nicht unterschätzen, daß die Banken sehr stark darauf fokussiert sind, ihre Profitabilität zu erhöhen. Auch sind die Unsicherheiten bezüglich der volkswirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland und insbesondere der Entwicklung des öffentlichen Bankensektors Gründe für ausländische Banken, einen Vorstoß in Deutschland gründlich zu prüfen. Auch sind Firmen heute vorsichtiger als in der Vergangenheit. Vorstandschefs wägen Chancen und Risiken einer großen Akquisition oder Fusion länger ab.

          Welche Unternehmen könnten neben den Banken noch eine verstärkte Fusionsfreude entwickeln?

          Ich denke zuerst an die Versorger. Nicht so sehr in Deutschland, Eon und RWE haben ja schon in Europa eingekauft. Und in Osteuropa öffnen sich die Märkte. Das sind gute Möglichkeiten für westeuropäische Energieunternehmen.

          Sie sind Spezialist für große Transaktionen. Was steht demnächst auf der Agenda?

          Sie werden verstehen, daß ich keine spezifischen Situationen nennen kann. Aber künftig könnte es schon deshalb mehr Großfusionen geben, weil Aktien als Kaufwährung wieder salonfähig geworden sind. In den vergangenen zwei Jahren hat man vor allem darauf geschaut, wie die Struktur der Bilanz aussieht. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung steht dieses Kriterium heute nicht mehr an erster Stelle.

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