https://www.faz.net/-gqe-8zxui

Seniorenheim : Neuer Zoff um den „Pflege-TÜV“

Wahl des richtigen Seniorenheims: Mit dem Pflege-TÜV soll alles einfacher gehen. Bild: dpa

Wer ein Pflegeheim sucht, findet Bewertungen im Internet. Die basieren auf Daten der Heime. Weil die so ermittelten Schulnoten als wenig aussagekräftig gelten, hat der Gesetzgeber die Branche aufgefordert, das zu ändern.

          Angesichts neuer Verzögerungen bei der Reform des sogenannten „Pflege-TÜV“ hat die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Ingrid Fischbach, Heimbetreiber und Kassen ermahnt. „Die Selbstverwaltung der Pflegeverbände sollte ihren gesetzlichen Auftrag für den neuen Pflege-TÜV sehr ernst nehmen und diesen zügig umsetzen“, sagte Fischbach der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Bundesregierung werde nicht zulassen, dass der neue Pflege-TÜV „ein Rohrkrepierer“ werde, sagte die CDU-Politikerin.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Millionen Familien dürften bei der Entscheidung über den passenden Pflegeplatz für Angehörige nicht allein lassen gelassen werden, mahnte Fischbach. Pflegebedürftige und Angehörige brauchten unabhängige und verlässliche Informationen. Viele interessiere dabei besonders, ob das Heim genug Pflegepersonal vorhalte. Grund für die Intervention sind Ankündigungen, wonach die neuen Kriterien für die Bewertung von Pflegeheimen erst im Jahre 2020 statt wie verlangt 2018 eingeführt werden könnten.

          Der sogenannte „Pflege-TÜV“ ist ein Instrument zur Bewertung von Pflegeheimen auf Basis von Prüfdaten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen und Befragungen der Bewohner. Dabei wird aus 82 Kriterien eine Note ermittelt. Das Verfahren ist schon lange umstritten. Zum einen, weil manche Dinge, wie das Zahlenverhältnis von Pflegern zu Patienten, gar nicht abgefragt werden, zum anderen, weil aus den Daten am Ende eine Durchschnittsnote gebildet wird: Eine gute Speisekarte kann eine schlechte Bewertung, etwa wegen Druckstellen vom falschen Liegen, ausgleichen.

          Die von der Bertelsmann-Stiftung gesponserte „Weiße Liste“, die wie die Kassen oder private Anbieter Suchportale im Internet betreibt, hatte noch voriges Jahr kritisiert, im bundesweiten Durchschnitt kämen Pflegedienste und -heimen jeweils auf die Note 1,3. Jedes vierte Heim und 40 Prozent der Dienste schnitten sogar mit einem glatten „sehr gut“ ab. Dennoch hätten nur jedes neunte Heim und 29 Prozent der Dienste hätten die bei ihnen geprüften Kriterien zu 100 Prozent erfüllt.

          Viele wünschen sich mehr Informationen über Pflegeheime

          Nach einer neuen Umfrage der Stiftung fürchtet jeder zweite Deutsche, im Alter nicht das richtige Pflegeheim zu finden. Viele Menschen wünschten sich vor allem Informationen über die Qualität der Pflege und darüber, wie viel Personal in der jeweiligen Einrichtung arbeite. Umso wichtiger sei es, umfassend und klar im Netz über die Angebote zu informieren. „Schon heute wäre es ohne großen Aufwand möglich, entscheidungsrelevante Informationen bereitzustellen“, sagte der Gesundheitsexperte der Stiftung, Stefan Etgeton. Sie hat dazu sogar eine Muster-Homepage entwickelt – und setzt damit die Pflegebranche unter Druck.

          Denn wenn vorgeblich alle Anbieter mit „sehr gut“ oder „gut“ abschneiden, stimmt vermutlich die Messmethode nicht – auf jeden Fall verlieren die Ergebnisse für Pflegepatienten und deren Angehörige an Aussagekraft. Weil sich die Verbände über Jahre nicht auf ein neues System einigen konnten, hat der Bundestag mit dem „Pflegestärkungsgesetz II“ ab Januar 2016 eigene Vorgaben gemacht.

          Ziel war es, schnell verlässliche, aussagekräftige Daten zu bekommen, um die Angebote der Heimbetreiber vergleichbar und transparent zu machen. Dazu wurde ein „Qualitätsausschuss“ gegründet – besetzt mit je zehn Vertretern der Anbieter und der zahlenden Kassen.

          Weitere Themen

          Der heimliche Star des Weltwirtschaftsforums Video-Seite öffnen

          16-Jährige für Klimaschutz : Der heimliche Star des Weltwirtschaftsforums

          Die 16-jährige Schülerin Greta Thunberg aus Schweden will Staatenlenker und Konzernbosse aus aller Welt in Sachen Klimaschutz.wachrütteln. Seit Monaten schwänzt sie sogar freitags ihren Unterricht um vor dem schwedischen Parlament zu demonstrieren.

          Merkels Auftritt locker und aufgeräumt Video-Seite öffnen

          Davos 2019 : Merkels Auftritt locker und aufgeräumt

          Deutschland sehe im Bereich der Digitalisierung überhaupt nicht gut aus, sagte die Bundeskanzlerin auf dem Weltwirtschaftsforum. F.A.Z.-Ressortleiter Finanzen, Gerald Braunberger, analysiert Angela Merkels Auftritt im Video.

          Topmeldungen

          Wie schädlich sind Stickoxide? Darüber wird gerade heftig gestritten.

          Feinstaub-Debatte : Auf Stromlinie

          Die Umweltpolitik ist besonders anfällig dafür, Wissenschaft zu verformen. Doch gerade auf diesem Feld ist die Politik auf Vertrauen angewiesen. Die Debatte um Diesel-Fahrverbote droht dies nachhaltig zu zerstören. Ein Kommentar.

          Aufstand in Venezuela : Guaidó bietet Maduro die Stirn

          Er wolle die Usurpation beenden, eine Übergangsregierung einsetzen und freie Wahlen abhalten, sagte der Präsident des entmachteten Parlaments von Venezuela, Juan Guaidó. Viele Staaten unterstützen ihn. Doch das Militär hält Präsident Maduro die Treue.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.