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Seniorenheim : Neuer Zoff um den „Pflege-TÜV“

Wahl des richtigen Seniorenheims: Mit dem Pflege-TÜV soll alles einfacher gehen. Bild: dpa

Wer ein Pflegeheim sucht, findet Bewertungen im Internet. Die basieren auf Daten der Heime. Weil die so ermittelten Schulnoten als wenig aussagekräftig gelten, hat der Gesetzgeber die Branche aufgefordert, das zu ändern.

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          Angesichts neuer Verzögerungen bei der Reform des sogenannten „Pflege-TÜV“ hat die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Ingrid Fischbach, Heimbetreiber und Kassen ermahnt. „Die Selbstverwaltung der Pflegeverbände sollte ihren gesetzlichen Auftrag für den neuen Pflege-TÜV sehr ernst nehmen und diesen zügig umsetzen“, sagte Fischbach der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Bundesregierung werde nicht zulassen, dass der neue Pflege-TÜV „ein Rohrkrepierer“ werde, sagte die CDU-Politikerin.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Millionen Familien dürften bei der Entscheidung über den passenden Pflegeplatz für Angehörige nicht allein lassen gelassen werden, mahnte Fischbach. Pflegebedürftige und Angehörige brauchten unabhängige und verlässliche Informationen. Viele interessiere dabei besonders, ob das Heim genug Pflegepersonal vorhalte. Grund für die Intervention sind Ankündigungen, wonach die neuen Kriterien für die Bewertung von Pflegeheimen erst im Jahre 2020 statt wie verlangt 2018 eingeführt werden könnten.

          Der sogenannte „Pflege-TÜV“ ist ein Instrument zur Bewertung von Pflegeheimen auf Basis von Prüfdaten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen und Befragungen der Bewohner. Dabei wird aus 82 Kriterien eine Note ermittelt. Das Verfahren ist schon lange umstritten. Zum einen, weil manche Dinge, wie das Zahlenverhältnis von Pflegern zu Patienten, gar nicht abgefragt werden, zum anderen, weil aus den Daten am Ende eine Durchschnittsnote gebildet wird: Eine gute Speisekarte kann eine schlechte Bewertung, etwa wegen Druckstellen vom falschen Liegen, ausgleichen.

          Die von der Bertelsmann-Stiftung gesponserte „Weiße Liste“, die wie die Kassen oder private Anbieter Suchportale im Internet betreibt, hatte noch voriges Jahr kritisiert, im bundesweiten Durchschnitt kämen Pflegedienste und -heimen jeweils auf die Note 1,3. Jedes vierte Heim und 40 Prozent der Dienste schnitten sogar mit einem glatten „sehr gut“ ab. Dennoch hätten nur jedes neunte Heim und 29 Prozent der Dienste hätten die bei ihnen geprüften Kriterien zu 100 Prozent erfüllt.

          Viele wünschen sich mehr Informationen über Pflegeheime

          Nach einer neuen Umfrage der Stiftung fürchtet jeder zweite Deutsche, im Alter nicht das richtige Pflegeheim zu finden. Viele Menschen wünschten sich vor allem Informationen über die Qualität der Pflege und darüber, wie viel Personal in der jeweiligen Einrichtung arbeite. Umso wichtiger sei es, umfassend und klar im Netz über die Angebote zu informieren. „Schon heute wäre es ohne großen Aufwand möglich, entscheidungsrelevante Informationen bereitzustellen“, sagte der Gesundheitsexperte der Stiftung, Stefan Etgeton. Sie hat dazu sogar eine Muster-Homepage entwickelt – und setzt damit die Pflegebranche unter Druck.

          Denn wenn vorgeblich alle Anbieter mit „sehr gut“ oder „gut“ abschneiden, stimmt vermutlich die Messmethode nicht – auf jeden Fall verlieren die Ergebnisse für Pflegepatienten und deren Angehörige an Aussagekraft. Weil sich die Verbände über Jahre nicht auf ein neues System einigen konnten, hat der Bundestag mit dem „Pflegestärkungsgesetz II“ ab Januar 2016 eigene Vorgaben gemacht.

          Ziel war es, schnell verlässliche, aussagekräftige Daten zu bekommen, um die Angebote der Heimbetreiber vergleichbar und transparent zu machen. Dazu wurde ein „Qualitätsausschuss“ gegründet – besetzt mit je zehn Vertretern der Anbieter und der zahlenden Kassen.

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