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Internet : Tauwetter in der Netzwirtschaft

  • Aktualisiert am

Es herrscht wieder Betriebsamkeit in den Lofts Bild: Pohlmann/STOCK4B

Die schwer gebeutelte Internet- und Multimediabranche in Deutschland rechnet mit einem Ende der Durststrecke.

          Der Deutsche Multimedia Verband (dmmv) sieht Anzeichen für eine wirtschaftliche Trendwende in der Internetbranche. In vielen Branchensegmenten zeige das Wirtschaftsbarometer wieder nach oben, sagte dmmv-Präsident Rainer Wiedmann.

          Insbesondere die Trends Inhalte für das neue mobile Internet und UMTS sollten für Auftrieb sorgen. Allerdings ermahnte Wiedmann gleichzeitig die Telekommunikationsunternehmen, klare Geschäftsmodelle für diesen neuen Wirtschaftszweig zu entwickeln. Im Internetdienstleistungsbereich seien die Umsatzzahlen seit Ende 2001 wieder deutlich angestiegen, sagte Wiedmann.

          „Fulminantes Weihnachtsgeschäft“

          Internet-Anbieter hätten aufgrund des „fulminanten Weihnachtsgeschäfts“ im vierten Quartal 2001 die höchsten Umsatzzahlen seit Bestehen der Branche verzeichnet. Auch im Dienstleistungs- und Standardsoftwarebereich sehe die Auftragslage wieder besser aus. Bis zum dritten Quartal 2001 waren die Aufträge in diesem Segment zurückgegangen, was zu Entlassungen und Firmenschließungen geführt hatte.

          Für das laufende Jahr rechnet der Verband mit einem Umsatz von knapp 65 Milliarden Euro. Da die Zahlen allerdings zum ersten Mal in dieser Form erhoben wurden, liegt kein Vergleichswert aus dem Vorjahr vor. Den größten Beitrag mit geschätzt 26 Milliarden Euro dürften die die Dienstleistungsunternehmen beisteuern. Insgesamt beschäftigen die Unternehmen der Internet- und Multimediabranche rund 560.000 Mitarbeiter. Die Tendenz dürfte weiter steigend sein.

          Content-Verkauf braucht schlüssige Geschäftsmodelle

          „An der Digitalisierung der Gesamtwirtschaft kommt über kurz oder lang keiner vorbei“, betonte Wiedmann. Dabei bestehe in Deutschland noch erheblicher Nachholbedarf. Weite Teile des Mittelstandes hätten den Wert der neuen Informationstechniken und interaktiven Medien für ihre eigenen Geschäftsfelder noch nicht ausgeschöpft.

          Eine große wirtschaftliche Bedeutung sagt Wiedmann den Anbietern von Inhalten (Content) für das mobile Internet voraus. Der Verbandschef warnte allerdings, dass das Geschäft mit Diensten und Inhalten kein Selbstläufer sei. Zwar gebe es im Mobilfunk im Gegensatz zum herkömmlichen Internet bereits Abrechnungstechniken, doch fehle es nach wie vor an schlüssigen Geschäftsmodellen. Die Mobilfunkunternehmen hätten so viel Geld für die UMTS-Lizenzen ausgegeben, dass sie jetzt möglichst auch die gesamte Wertschöpfungskette von der Infrastruktur bis zu Inhalten und Diensten kontrollieren wollten.

          Warum WAP floppte

          Während die deutschen Unternehmen mit einer ähnlichen Strategie bereits mit WAP (Wireless Application Protocol) keinen Erfolg gehabt hätten, zeige das japanische Unternehmen NTT DoCoMo bereits seit drei Jahren, dass man mit dem mobilen Internet erfolgreich sein könne, sagte Wiedmann weiter. Für den dortigen mobilen Internetdienst i-mode gebe es ein klares Geschäftsmodell, an dem der Netzanbieter ebenso wie die Contentprovider verdienten. „Die Mobilfunkunternehmen müssen verstehen, dass der Nutzen in den Inhalten liegt und nicht in der Technik“, unterstrich der Verbandschef. WAP sei gefloppt, weil der Nutzen für den Endanwender nicht klar wurde und das System zu langsam und technisch unausgereift sei.

          Der dmmv (www.dmmv.de) ist nach eigenen Angaben Europas mitgliederstärkste Interessenvertretung der Internetwirtschaft. Die mehr als 1.300 Mitglieder sind in den Bereichen Internet- und Multimedia-Dienstleister, Softwareentwickler, Systemhäuser, Zugangsplattformen, Online-Dienste, Internet-Angebote tätig.

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