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Internet : Internet-Portale in der Klemme

  • -Aktualisiert am

Wer braucht in der Zukunft Internet-Portale? Bild: dpa

AOL, Yahoo oder T-Online haben sich zu bekannten Marken entwickelt. Dennoch ist das Geschäftsmodell der Internet-Portale alles andere als ausgereift. Eine Analyse.

          2 Min.

          In den USA ist der Marktkuchen für Internet-Portale verteilt: AOL, Yahoo und MSN machen das Rennen unter sich aus, in Europa kommen zu diesen noch die starken ehemaligen Monopolanbieter wie Wanadoo, TerraLycos, T-Online oder Tiscali hinzu. „Doch die Konsolidierung wird weitergehen. Für so viele Portale gibt es nicht genügend Nachfrage der Nutzer“, prophezeit Olivier Beauvillain, Analyst beim IT-Forschungsdienstleister JupiterMMXI.

          Gleichzeitig müssen sich die Portalanbieter heftiger Konkurrenz erwehren. Welcher erfahrene User braucht noch die Krücke „Portal“, wenn er doch direkt auf seine gewünschte Spezialsite gehen kann? „Noch kommen 50 Prozent der Nutzer von einer Portalseite auf ihre Spezialsite, doch Suchmaschinen wie Google laufen den Portalen den Rang als erste Anlaufstelle immer mehr ab“, so Beauvillain. Exemplarisch die Zahlen für Deutschland: Hier konnte Google seinen Anteil binnen zwölf Monaten von zwei auf 19 Prozent der Anteile steigern.

          Suchmaschine Google läuft Portalen Rang ab

          „Auf Portalseiten wird immer weniger die Suchfunktion genutzt“, so Beauvillain. Doch Portale, die nicht im ISP-Geschäft tätig sind, brauchen jeden Klick, um sich über die Werbung zu finanzieren. Erst mittelfristig in den nächsten fünf Jahren etwa, werde sich zum Beispiel der Werbeumsatzanteil bei Yahoo von derzeit 90 auf 60 Prozent reduzieren. Die Bezahlangebote im Internet werden nur sehr langsam wahrgenommen - allen Beteuerungen zum Trotz.

          Schlechte Bezahlmoral im Netz bleibt vorerst ein Problem

          „Das Gratiszeitalter im Internet ist vorbei“, so hört man vielerorts. Doch es sind zumeist die Contentanbieter, die sich so äußern. Die Konsumenten, die täglichen User sehen das anders und wollen - natürlich - auch in Zukunft die Inhalte im Internet umsonst nutzen. Es wird schwierig werden, die Zahlungsmoral im Netz zu heben, das Ende des Gratiszeitalters auszurufen, klingt da eher trotzig denn prognostisch. „Das derzeit frei zugängliche Angebot wird auch zukünftig kostenlos bleiben“, urteilt Olivier Beauvillain, „allerdings werden die Anbieter durch neue Premium-Angebote versuchen, Geld einzunehmen. Beauvillain sieht hier exemplarisch das Bezahlangebot von Yahoo, Börsenkurse in Echtzeit abzurufen. Exklusive Sportbilder oder Musikdownloads seien weitere poteziell lukrative Geldquellen.

          Kampf zwischen Telcos und Kabelnetzbetreibern

          Und noch eine weitere Gefahr droht den Portalen und Internet-Serviceanbietern wie T-Online, und zwar von Seiten der TV-Kabelnetzbetreiber. „Die Kabelnetzbetreiber nehmen den Telcos die Voice-Kunden weg und bieten in einem Paket TV, Internet und Telefondienste an“, so Dan Stevenson, ebenfalls Analyst bei JupiterMMXI. Es ist technisch kein Problem, Musik dann auch über die Set-Topbox des TV-Geräts zu empfangen und abzuspielen, was den Telefongesellschaften Umsatzeinbußen beschert. Ob und wann die Telcos ihrerseits beginnen, TV-Dienste über ihre Telefonkabel durch ADSL-Technologie anzubieten, ist noch offen. "Zudem gibt es dabei technische Bandbreitenprobleme, da man etwa für ein "Video on demand" 2,5 Megabit pro Sekunde Übertragungsgeschwindigkeit braucht und ADSL derzeit gerade ein Viertel bringt“, so Stevenson.

          Vielfältige Breitbandangebote fehlen noch

          Über die Art, wie die Bezahlung von Internet-Dienstleistungen aussieht, haben die Experten eine klare Meinung. "Die Bezahlung wird über ein Abo ablaufen, man bezahlt pro Monat und darf dann bestimmte Mengen an Diensten in Anspruch nehmen. Micropayment sind dann nicht nötig", so Stevenson. Die Abrechnung erfolge dann über den Kabelnetzbetreiber oder die Telefongesellschaft.

          Insgesamt scheint es jedoch seltsam, dass die Internet-Portale einerseits durch Premiumangebote im Breitbandbereich Umsätze generieren wollen, andererseits aber wenig Fantasie bei der Produktentwicklung beweisen: Neben Videobildern und Musikdateien sowie einigen Spielen gibt es diesem Bereich wenig innovative Produkte.

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