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Cyber-Kriminalität : Deshalb kosten Hacker die Unternehmen so viel Geld

Die jüngsten Attacken auf die Datenzentren der Filmsparte und das Netzwerk des Videospielbereichs von Sony ließen den Kurs der Aktie vorübergehend durchsacken und den Konzern an der Börse umgerechnet rund 2 Milliarden Euro an Marktwert verlieren. Noch immer können die Japaner nicht sagen, wer oder was die Angriffe auf ihre Netze und Computer verursacht hat.

Sie sind damit nicht allein. Seit Mai 2014 werden nach Angaben des BSI in den Netzen der deutschen Bundesbehörden jeden Monat 60.000 Mails mit verseuchten Inhalten und unbekannten Absendern registriert. Im Internetbanking treiben Schadprogramme wie Geodo ihr Unwesen, nisteten sich allein in Deutschland in knapp einer viertel Million E-Mail-Konten ein und verursachten einen noch nicht näher zu beziffernden Schaden. Im Frühjahr wurde eine als Heartbleed bezeichnete Schwachstelle in einer großen Softwarebibliothek entdeckt, die nahezu den gesamten Datenverkehr ausleuchten kann. Das machte Internetdienste für Angriffe anfällig und lässt Unternehmen wie Amazon, Alibaba oder Zalando Hunderte Millionen Euro in Abwehrsysteme stecken.

Selbst Biometrie-Systeme sind nicht sicher

Die Sicherheitsspezialisten des Chipherstellers Intel haben den durch Cyberkriminelle verursachten Schaden in aller Welt auf rund 300 Milliarden Euro im Jahr beziffert. Nach Angaben des IT-Unternehmens EMC büßten allein deutsche Firmen im zurückliegenden Jahr 33,6 Milliarden Euro durch Datenverluste ein. Das entspricht fast einem Prozent der Jahreswirtschaftsleistung der Bundesrepublik. So habe sich binnen zweier Jahre die Datenverlustrate vervierfacht. Hierzulande ist davon jedes zweite Unternehmen betroffen. Hunderttausende Firmen stehen Angriffen ohne Abwehrinstrumente gegenüber. Ein Wachstumstreiber der Weltwirtschaft wankt.

Wer sich aber für den Verteidigungsfall wappnen will, muss die Waffen der Angreifer kennen. So deckten IT-Spezialisten auf dem Jahreskongress des Chaos Computer Clubs in Hamburg zahlreiche Lücken und Angriffspunkte im Datenverkehr auf. Selbst Biometriesysteme wie Fingerabdrücke oder die Beschaffenheit von Augen, die für Zugangsberechtigungen von Computern genutzt werden können, gelten nicht mehr als sicher, leicht kopier- und kompromittierbar. Darüber hinaus weisen technische Plattformen für den Datenverkehr Sicherheitslücken auf, die so groß sind wie der berühmte Grand Canyon.

Angesichts der Entwicklung hin zu kleinen Taschencomputern und der damit wachsenden Popularität des sogenannten mobilen Internets widmeten sich die in Hamburg versammelten Computerspezialisten den Schwächen im Mobilfunk. Denn dort sind die Maschen im Netz größer als gedacht. Das Universal Mobile Telecommunications System (UMTS) hat mit dem sogenannten SS7-Protokoll eine Schwachstelle, die bislang nicht behoben werden kann. Mit dem Signalsystem lassen sich Gespräche und Kurzmitteilungen abhören und entschlüsseln. Kein Wunder, basiert doch die zugrunde liegende Technologie auf einem Signalisierungsverfahren, das der amerikanische Telefonriese AT&T Mitte der siebziger Jahre entwickelt hatte. Eine Technik von gestern - für die Welt von morgen.

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