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Fehlende Kompetenzen : 18 Millionen Deutsche stehen im digitalen Abseits

Nur knapp ein Drittel der Deutschen reagiert demnach vorausschauend auf die Herausforderungen zunehmender Digitalisierung und wird als hochkompetent bezeichnet. Dies sind etwa 21 Millionen Menschen. 43 Prozent oder 30 Millionen Bürger halten nur mit. Gut ein Viertel der Deutschen – 18 Millionen – weist keine oder nur wenig Digitalkompetenz auf und zählt zu den „digital Abseitsstehenden“. Das Fazit der Untersuchung: „Die Komplexität der Digitalisierung stellt die Menschen zunehmend vor größere Herausforderungen.“ Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig sprach von einer „digitalen Spaltung“, die es zu überwinden gelte.

Unternehmen und Schulen sollen mitziehen

Unter anderem dieser Aufgabe widmet sich der IT-Gipfel in Saarbrücken, der in diesem Jahr unter der Überschrift „Lernen und Handeln in der digitalen Welt“ steht. Politiker, Wissenschaftler und Unternehmer diskutieren über digitale Bildung und über die digitale Transformation der Wirtschaft. Dass in beiden Bereichen noch erhebliche Defizite bestehen, prangert der Digitalverband Bitkom an. Nach seiner Einschätzung verfügt rund die Hälfte der Unternehmen in Deutschland über keine echte Digitalstrategie. „Die Unternehmen müssen sich dringend mit strategischen Fragen des Umbaus ihres Geschäftsmodells für die digitale Wirtschaft von morgen beschäftigen“, fordert Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.

Wie modernste IT-Entwicklungen in die Schulen einziehen können, versucht das Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI) mit einer sogenannten Schul-Cloud zu demonstrieren. Das Konzept wurde zusammen mit Fachleuten aus Wirtschaft und Bildungseinrichtungen entwickelt. Die Schul-Cloud verspricht, digitale Lehr- und Lernangebote in einer Cloud, also in entfernten Rechenzentren, zentral vorzuhalten.

Für Schulen entfalle damit die Anschaffung und Wartung von Rechnern, weil Schüler und Lehrer von überall her online auf die Inhalte zugreifen könnten. „Die Einführung der Schul-Cloud wird den digitalen Wandel in Deutschlands Schulen entscheidend voranbringen“, gibt sich Institutsdirektor Christoph Meinel überzeugt. In Saarbrücken wird ein erster Prototyp im Beisein von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka präsentiert.

Wo geht’s hier zum Internet? In einem Pilotprojekt bringen Freiwillige Senioren das Netz näher.
Wo geht’s hier zum Internet? In einem Pilotprojekt bringen Freiwillige Senioren das Netz näher. : Bild: Roger Hagmann

Wie wenig der digitale Wandel bislang in der Bildungswelt angekommen ist, zeigt die Kantar-TNS-Studie „Schule digital“. Befragt wurden Schüler, Eltern und Lehrer nach dem Digitalisierungsgrad in den Schulen, zu Hause und im Privaten. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus: „Die digitale Realität der Lernwelt zuhause und der Lebenswelt findet noch immer wenig Eingang in die Lehrwelt der Schule.“ Eine veraltete IT-Infrastruktur sowie die mangelnde Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte und eine fehlende strukturelle Verankerung verhinderten ein effizientes Umsetzen im Unterricht.

Schon technisch klaffen die Welten weit auseinander. Während 94 Prozent der Schülerinnen und Schüler ein Smartphone und 70 Prozent ein Notebook privat nutzen, bleibt der Overheadprojektor neben dem Beamer das am häufigsten verfügbare Gerät für den Unterricht. Oft müssen Lehrkräfte die Administration und die Wartung der Technik selbst übernehmen. Ausgerechnet also die Gruppe, die um ihre eigenen mangelnden Digitalkompetenzen weiß und diese als Hürde für die Umsetzung digitaler Bildung sieht. Nur in 37 Prozent der Schulen werde die IT-Administration von Fachkräften übernommen, wie es in Behörden und Unternehmen längst Standard sei, heißt es.

Dabei fehlt es nicht an grundsätzlicher Aufgeschlossenheit. Die meisten Lehrer sind digitalen Medien gegenüber positiv eingestellt, und neun von zehn Eltern messen digitalen Kompetenzen für jeden Beruf große Bedeutung zu. Tatsächlich regt sich sogar in der Schulbürokratie schon das Verständnis für die moderne Technik. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Claudia Bogedan (SPD), sprach sich für den Gebrauch von Smartphones im Unterricht aus: „Handyverbote sind von gestern.“ Kennt man die strikten Vorgaben in vielen Schulen, kommen solche Aussagen schon einer kleinen Revolution gleich.

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