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Digitalisierung : Ohne Software-Kenntnisse geht’s nicht

Der Schlüssel zum Erfolg liegt im Zusammenspiel von Mensch und Maschine. Bild: dpa

Virtuelle Kraftwerke und fahrerlose U-Bahnen sind für deutsche Unternehmen längst kein „Neuland“ mehr. Doch die Technik hat Politik und Recht längst überholt, kritisieren die Wirtschaftsbosse und fordern ein Umrüsten in der Ausbildung.

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          Deutschlands Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführer haben ein Thema, das inzwischen beinahe alle ihre Gespräche beherrscht: Wie sollen sie ihr Unternehmen für das Zeitalter der Digitalisierung aufstellen? „Virtuelle Kraftwerke regeln das Zusammenspiel unterschiedlicher Energieerzeuger und -verbraucher; durch den Einsatz fahrerloser U-Bahnen lässt sich Strom sparen, gleichzeitig lassen sich die Taktraten erhöhen; und in der industriellen Produktion verschmilzt dank Industrie 4.0 die virtuelle mit der realen Welt zu einem lückenlosen, sich stetig optimierenden Wertschöpfungsnetzwerk“, so beschreibt Joe Kaeser, der Vorstandsvorsitzende von Siemens, die Ausgangslage einer Revolution in der Wirtschaftswelt, die schon begonnen hat.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          „Nicht ganz unproblematisch ist es, dass die Technik die Politik und teilweise auch die Legislative überholt hat“, skizziert Elmar Degenhart, der Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers Continental, eine der damit verbundenen Herausforderungen: Spielregeln und rechtliche Grundlagen vom Umgang mit Daten bis hin zum automatisierten Fahren müssten erst noch formuliert werden.

          Aber das, was Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einst digitales „Neuland“ genannt hat, überfordert nicht nur die Politik. Kasper Rorsted, Vorstandschef des Konsumgüterherstellers Henkel, ist sich sicher: „Wer sich diesem Neuland nähert, sollte unbedingt die Mitarbeiter von Anfang an in diesen Prozess einbeziehen.“ Gerade damit trifft Rorsted einen Nerv, der in der öffentlichen Diskussion rund um die Digitalisierung der Wirtschaft viel zu kurz kommt.

          Vorstandsvorsitzende, die in diesen Tagen über die Digitalisierung der Wirtschaft und ihrer Geschäftsmodelle reden, formulieren gemeinsam so etwas wie einen Weckruf – der gar nichts mehr mit dem Ausbau von Kommunikationsnetzen oder neuen Gesetzen für die digitale Welt zu tun hat: Ohne mehr digitale Bildung der Schüler, der Studenten und der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland bekommt das Land ein Problem. Ein an Rohstoffen armes Land wie Deutschland müsse sich vor allem um die eine Ressource kümmern, die ihm stets gute Dienste geleistet hat: den Verstand. Ohne gut ausgebildete und engagierte Menschen sei der digitale Wandel nicht zu bewältigen.

          Qualifying und Requalifying

          „Berufe wie Mechaniker oder Elektriker werden in Zukunft nicht mehr ohne gründliche Software-Kenntnisse auskommen. Arbeiter in modernen Automobilfabriken greifen immer seltener nach dem Schraubenschlüssel – und immer öfter nach ihrem Tablet-PC“, sagt Siemens-Chef Kaeser: „Um Arbeitskräfte für diese neue Produktionswelt zu rüsten, brauchen wir ein Umdenken in der Ausbildung wie auch der Weiterbildung.“

          Kaeser fasst das in zwei Anglizismen zusammen: „Qualifying“ und „Requalifying“. In Schulen, Betrieben und Hochschulen müsse schon heute viel mehr interdisziplinär gedacht werden. Die Lehrpläne müssten kontinuierlich weiterentwickelt werden, Silodenken sollte auch hier der Vergangenheit angehören. Die Industrie suche zunehmend qualifizierte Arbeitskräfte, die auch komplexe Prozesse ihrer Fachbereiche über Software steuern könnten.

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