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Digitale Revolution : Der Roboterversteher

Carl Benedikt Frey lehrt in Oxford Volkswirtschaftslehre. Bild: Domenico Pugliese

Carl Benedikt Frey hat durch eine einzige Studie eine Debatte auf der ganzen Welt ausgelöst. Es geht um die Frage, wie viele Jobs die digitale Revolution kostet. Wir haben ihn getroffen.

          Schlank, welliges Haar, wache Augen hinter einer modischen Brille und ein offenes Lächeln - so sieht also der Mann aus, der Millionen Beschäftigte rund um den Globus in Angst und Schrecken versetzen kann. Und das alles mit einer einzigen wissenschaftlichen Arbeit.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Vor drei Jahren verfasste Carl Benedikt Frey, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Oxford, gemeinsam mit seinem Kollegen Michael Osborne eine Studie mit dem Titel „Die Zukunft der Beschäftigung“ und der sinngemäßen Anschlussfrage, wie leicht Arbeitsplätze durch Digitalisierung und Automatisierung ersetzt werden können. Die Wirkung der nur etwas mehr als 70 Seiten war gewaltig.

          Das lag weniger an globalen Aussagen wie der, dass der Mensch im Wettlauf mit der rasanten technischen Entwicklung immer mehr ins Hintertreffen zu geraten droht und dass es im Sinne der „Polarisierungsthese“ zu einer Aufteilung am Arbeitsmarkt in einen kleinen Teil hochqualifizierter Gewinner und einen größeren Part geringqualifizierter Modernisierungsverlierer kommen wird. Das Besondere war, dass die beiden Wissenschaftler für mehr als 700 Berufe ausgerechnet haben, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie innerhalb der kommenden zwanzig Jahre durch technische Lösungen ausgeübt werden.

          Wie die Roboter unsere Rente sichern könnten.

          Dabei zeichneten sich nicht wie bei den Industrialisierungsschüben der Vergangenheit nur die Geringqualifizierten als Verlierer ab. Diesmal drohen auch Beschäftigte der Mittelschicht unter die Räder der Modernisierung zu geraten. Vom einfachen Anwalt bis zum technischen Assistenten durfte sich niemand mehr sicher sein, von der technischen Arbeitslosigkeit nicht erwischt zu werden, die schon John Maynard Keynes beschrieben hat.

          Vor allem eine Zahl breitete sich erst in wissenschaftlichen Zirkeln, später in den Massenmedien wie ein Lauffeuer aus: 47 Prozent der Amerikaner sind einem hohen Risiko ausgesetzt, ihren Arbeitsplatz an einen Roboter oder Algorithmus zu verlieren. Politiker, Gewerkschafter und Beschäftigte rund um den Globus bekamen es mit der Angst zu tun. Führt der Einsatz von künstlicher Intelligenz und vernetzter Maschinen zu einer neuen Welle der Massenarbeitslosigkeit, nachdem sich die Arbeitsmärkte in den meisten Industrieländern gerade langsam von den Folgen der Finanzkrise erholten?

          Anschlussstudien schossen wie Pilze aus dem Boden, Regierungen wollten wissen, was in ihrem Land infolge der Digitalisierung droht. Auch der nationale IT-Gipfel in Saarbrücken befasst sich in dieser Woche als Folge der Diskussion mit der „Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft“. Für die einen haben Frey und Osborne damit die wichtigste technisch-ökonomische Debatte der Gegenwart angestoßen, andere sprechen von reißerischen Thesen, die unnötige Ängste schüren.

          „Auch Deutschland hat damit etwas zu tun“

          Mit der Wirkung seiner Ergebnisse scheint sich der Schwede, der schon viele Jahre in Großbritannien lebt, mittlerweile arrangiert zu haben. „Die Reaktionen sind meistens dieselben“, sagt Frey in fließendem Deutsch. Geboren wurde er im Rheinland, aufgewachsen ist er in Schweden, sein Studium verschlug ihn später für einige Jahre nach München. „Alles nicht so schlimm“, findet der Ökonom beim Biss ins Brötchen.

          Gerade hat er in Bonn seine Ergebnisse vor einem Fachpublikum erläutert. Im Anschluss stand er Rede und Antwort. Ein Kollege versteckte seine Kritik relativ unverhohlen hinter der Frage, ob Wissenschaftler nicht dazu angehalten sind, mit ihren Ergebnissen verantwortungsvoll umzugehen. Es wundere ihn, sagt Frey, wie die Ergebnisse in der Öffentlichkeit transportiert wurden. „Die 47 Prozent wurden nicht von uns plakatiert, sie stehen irgendwo mitten im Bericht.“

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