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Crowdworking : Mit der Digitalisierung kehrt die Heimarbeit zurück

Die Digitalisierung führt aber nicht nur in den Unternehmen dazu, dass die Beschäftigten sich immer stärker mit Fragen der IT auseinandersetzen müssen. Die Digitalisierung ersetzt – wie jede technische Revolution – auch eine Reihe von Arbeitsplätzen. Während frühere technische Revolutionen einfache Handarbeiten überflüssig machten, sind es heute die einfacheren Angestelltentätigkeiten, die wegfallen.

„Crowdworking“ begann im Westen Amerikas

„Den Disponenten braucht man künftig nicht mehr“, ist auch Siegfried Russwurm überzeugt, Vorstandsmitglied der Siemens AG. „Aber“, so fügt Russwurm hinzu, „jede Automatisierungswelle hat gezeigt, dass den auf der einen Seite wegfallenden auch auf der anderen Seite jede Menge neuer Arbeitsplätze gegenüberstehen.“

Die neuen Stellen betreffen zum einen viel mehr Arbeitsplätze für Programmierer und Entwickler digitaler Produkte in den Unternehmen. Mit der Digitalisierung kehrt aber auch so etwas wie die alte Heimarbeit wieder zurück. Nur heute werden zu Hause nicht mehr Tüten geklebt oder Spielsachen geschnitzt und verpackt. Heute sitzen zu Hause gutausgebildete Mitarbeiter vor dem Laptop, sie werden daher häufig Clickarbeiter genannt.

Wie vieles begann dieses „Crowdworking“ zunächst im Westen der Vereinigten Staaten. Über Plattformen werden einfache Tätigkeiten angeboten, die man am heimischen Computer erledigen kann. Auf Internetseiten wie Clickworker oder Amazon Mechanical Turk kann man viele Tätigkeiten finden vom Schreiben einfacher Texte nach bestimmten Vorgaben über Recherche im Internet und die Katalogisierung von Produkten bis hin zu Online-Umfragen, die man von zu Hause aus erledigen kann. Dieser Markt ist hierzulande noch klein und wird eher von Studenten als Nebenerwerb genutzt.

Bemühung um Mindeststandards

In den Vereinigten Staaten spielt diese Form der Arbeit aber schon eine größere Rolle und nach Aussage Benners von der IG Metall leben auch in Deutschland schon zwei Prozent der Menschen vom Crowdworking. Daher bemüht sich die IG Metall darum, über die Plattform faircrowdwork.org Transparenz in den Markt zu bringen und Mindeststandards durchzusetzen. „Es darf hier nicht zu einem Unterbietungswettbewerb kommen“, mahnt Benner. Auch auf diesem Markt sollen soziale Mindeststandards eingehalten werden. Dazu gehört ein Mindestlohn ebenso wie eine Kranken- und Rentenversicherung.

Dass in der Industrie das Interesse groß ist, mehr Arbeit nach außen zu vergeben, vor allem, um auf Auftragsschwankungen flexibel reagieren zu können, zeigen auch unsere Tabellen. In der Tabelle jener Unternehmen, die Stellen abbauen, sind eindeutig produzierende Unternehmen zu finden.

In der Tabelle jener Unternehmen, die neue Arbeitsplätze aufbauen, sind viele Dienstleister, vor allem Personaldienstleister. Dahinter verbergen sich viele Zeitarbeitsunternehmen, die ihrerseits ihren Kunden Mitarbeiter auf Zeit überlassen. Für die Beschäftigten hat eine Anstellung bei einem Zeitarbeitsunternehmen noch den Vorteil, trotz nur jeweils zeitweiliger Überlassung selbst eine Festanstellung zu haben.

Insgesamt nimmt der Anteil der unbefristet Beschäftigten aber ab. Zwar haben heute neun von zehn Arbeitnehmern eine unbefristete Festanstellung. Aber der Anteil der zeitlich befristeten Arbeitsverträge nimmt stark zu, bei Neueinstellungen bekommt nur noch jeder Zweite ein unbefristetes Arbeitsverhältnis. „Unter der robusten Oberfläche einer Maximalbeschäftigung auf hohem Niveau gibt es eine zunehmende Fragmentierung der Arbeit“, beobachtet Benner. Dabei sieht sie die Entwicklung nicht generell negativ. Die Digitalisierung bringe neben vielen Risiken für Arbeitnehmer auch große Chancen: „Wir müssen sie nur nutzen und aktiv gestalten“, ist Benner überzeugt.

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