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Adidas : Schuhe aus der Hochgeschwindigkeitsfabrik

Die Sohle in Nahaufnahme.
Die Sohle in Nahaufnahme. : Bild: dpa

Was in der Automobilindustrie mit einem Automatisierungsgrad gang und gäbe ist, steckt in der konsumnahen Sportartikelindustrie in den Anfängen. Die Sportartikelindustrie hat bislang den Druck nicht verspürt, innovativ in der Produktion zu werden. Billigstlöhne und Massenhandarbeit machten die Fertigung dort auskömmlich. Saisonprodukte lassen sich nur schwer mit Maschinen fertigen, die ständig angepasst werden müssten. In der Autoindustrie mit einem fünf oder sieben Jahre laufenden Modell ist das anders. Neue Materialien und Fertigungsverfahren aber haben die hohe Flexibilität erst möglich gemacht.

„Die heutigen Produktionsstrukturen erlauben uns nicht das notwendige Tempo“, sagt Gerd Manz, Projektleiter Adidas Speedfactory. „Unser operatives Geschäftsmodell wird sich komplett ändern: Aus Handwerkskunst wird Ingenieurskunst.“ Es werde nicht nur Schnelligkeit geschaffen, sondern auch eine Präzision und eine hohe Qualität in der Fertigung, wie sie in der heutigen Beschaffungswelt nicht existiere. Es wird um eine deutlich effizientere Produktion gehen mit niedrigeren Lager- und Transportkosten. Wenn die Geschäfte brummen, kann die Fabrik 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche arbeiten. Personal ist dann nur noch in wenigen Köpfen zu zählen. Jeden Tag kann der richtige Bedarf vom Band laufen.

Auch andere arbeiten an solchen Fabriken

Zwar arbeiten auch Wettbewerber an der automatisierten Produktion. Branchenführer Nike nennt sein Projekt „Manufacturing Revolution“, die Nummer drei hinter Adidas, Under Armour aus den Vereinigten Staaten, „Glory“. Die anderen seien längst nicht so weit, sagte Hainer. „Wir haben einen zeitlichen Vorsprung von ein paar Jahren“, gibt er sich selbstbewusst.

Die Speedfactory ist mit Forschungsgeldern der Bundesregierung über das Programm „Zukunftsprojekt Industrie 4.0“ finanziert worden. Partner Oechsler hat sich an den Investitionen beteiligt. Er wird für Adidas auch die Fertigung übernehmen. Bereits für das nächste Jahr ist der Aufbau einer Fabrik im größten Markt Vereinigte Staaten geplant. Zusammen mit Ansbach sollen so eine Million Schuhpaare gefertigt werden, was aber immer noch ein verschwindend geringer Anteil sein wird. Es werde sicherlich mehrere Jahre, nicht aber Jahrzehnte dauern, bis dieser signifikant steige, sagte Hainer. Bis Ende 2017 will er die Kinderkrankheiten aus der Serienproduktion beseitigt wissen, damit 2018 Tempo aufgenommen werden kann.

Es werden später nicht nur Schuhe verschiedenster Typen vom Band laufen. Auch Textilien sind in einer nächsten Stufe vorgesehen. Hainer will nicht ausschließen, dass die neuen Trikots der deutschen Fußball-Nationalmannschaft einmal aus der Speedfactory kommen werden. Die will Adidas nämlich in Deutschland fertigen – wenn der Sportausrüster, wie erwartet, den Vertrag mit dem Deutschen Fußball-Bund über das Jahr 2018 hinaus verlängert hat. Die Entscheidung darüber steht in den nächsten Wochen an.

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