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Internet : Beckers Internetportal Sportgate vor der Insolvenz

  • Aktualisiert am

Pappkamerad Becker: auch auf der Karnevalmesse präsent Bild: AP

Drei bis 4,3 Millionen Mark fehlen, um das Insolvenzverfahren von Boris Beckers Sportgate zu vermeiden, sagt der Vorstandsvorsitzende, Ex-RTL-Chef Helmut Thoma.

          2 Min.

          „Wenn doch nur alles im Leben so einfach wäre...“

          ...wie ins Internet zu kommen, so die Aussage eines neuen Boris-Becker-Werbespots für den Internet-Provider AOL, der seit Montag im Fernsehen läuft.

          Doch was dem ehemaligen Tennisidol als Werbefigur für den Online-Dienst noch locker von der Hand geht, erweist sich im richtigen Leben als schwierige Übung. Boris Beckers Internet-Portal Sportgate steht kurz vor der Pleite.

          Werbeträger Becker: drin im Internet
          Werbeträger Becker: drin im Internet : Bild: obs

          Drei bis vier Millionen fehlen

          Wenn bis Ende dieser Woche nicht drei bis 4,3 Millionen Mark fließen, müsse das Insolvenzverfahren eröffnet werden, sagte der Vorstandsvorsitzende von Sportgate, Ex-RTL-Chef Helmut Thoma. Pixelpark-Chef Paulus Neef, der an dem Portal beteiligt ist, habe die „Verpflichtung zum Nachschuss“. Bisher sei aber noch kein Geld geflossen.

          Sportgate teilte am Freitag in Berlin mit, die Gesellschafter befänden sich derzeit in „intensiven Gesprächen“. Auch das Wochenende solle genutzt werden, um gemeinsam eine „für das Unternehmen positive Einigung zu erzielen“.

          Zudem habe der Vorstand „vor dem Hintergrund der aktuellen Unternehmenslage“ alle notwendigen Schritte unternommen, so dass in den nächsten Tagen eine endgültige Entscheidung über die Zukunft des Unternehmens getroffen werden könne.

          Ursprünglich war Börsengang geplant

          An der Berliner Sportgate AG hält Boris Becker die Mehrheit. Weitere Gesellschaftler sind Neef, der Deutsche Sportbund sowie die Venturepark Incubator AG, an der wiederum Pixelpark beteiligt ist. Das Portal, das zu einem führenden Anbieter von Sport- und Freizeitinformationen ausgebaut werden sollte, war mit monatelanger Verspätung Ende März gestartet. Ursprünglich war für 2002 der Börsengang vorgesehen.

          Neef ist zugleich Aufsichtsratschef der Gesellschaft. In dem Kontrollgremium sitzen auch Boris Becker und der ehemalige Aufsichtsratschef von EM.TV, Nickolaus Becker. Nach einem Bericht der Bild-Zeitung haben sich Becker und Neef bereits vor einer Woche in München zu einem Krisengespräch getroffen. „Neef und Becker hatten sich schon fast geeinigt, dann aber haben sie sich wieder bekriegt“, wird Thoma zitiert.

          Becker holte sich Top-Manager Cleven an seine Seite

          Noch am Dienstag hatte der Tennisstar Becker den Schweizer Top-Manager Hans-Dieter Cleven an seine Seite geholt, „um seine Unternehmen flottzumachen“, wie Becker in München mitgeteilt hatte. Der Vize-Generaldirektor der Metro-Holding AG soll Beckers Partner bei allen geschäftlichen Projekten werden.

          Dazu sollen alle unternehmerischen Aktivitäten des dreifachen Wimbledon-Gewinners in einer gemeinsamen Gesellschaft gebündelt werden. Becker besitzt neben der Beteiligung an Sportgate unter anderem drei Autohäuser in Mecklenburg-Vorpommern und zwei Sportagenturen. Am Sportausrüster „Völkl-Tennis“, an dem auch Cleven beteiligt ist, hält Becker 50 Prozent.

          Werbeprofi Matt bezweifelt Beckers Ansehen

          Der 58-jährige Metro-Aufsichtsrat gilt als Vordenker des Konzerns, bei dem er lange Jahre Finanzchef war. Welche Rolle der bekennende Becker-Fan Cleven in der neuen Unternehmensgesellschaft genau übernehmen wird, wollte Beckers Sprecher Robert Lübenhoff nicht sagen: „Geben sie uns noch ein paar Wochen Zeit“. In Medienberichten war in letzter Zeit von nur mäßigen Erfolgen der Agenturen „BBI Boris Becker Marketing“ und „BBI Boris Becker Sportmarketing“ die Rede.

          Zudem verliert Boris Becker nach Ansicht des Werbeprofis Holger Matt seinen Sympathiebonus: „Wo ist das Image als begehrtester Schwiegersohn der Nation geblieben?“ fragte Matt, einer der Chefs der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt in der „Gala“. Becker habe durch seine vielen Affären viel Ansehen verspielt.

          Dazu kommen für Becker noch Probleme mit der deutschen Steuerfahndung und den mallorquinischen Behörden. Doch wie sagt doch Boris Becker im AOL-Werbespot: „Wenn doch nur alles im Leben so einfach wäre...“

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