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Internet : Autonomic-Computing und Grid-Netzwerke gegen Datenkollaps

  • -Aktualisiert am

Mehr Durchblick im Netz Bild: AP Photo/Clovis News Journal, Nick Mondragon

Rechenleistung und Zuverlässigkeit der Computer müssen optimiert werden. Das Internet wird sich deshalb grundlegend verändern.

          Die Evolution der Computer hat gerade erst begonnen: Vergangenen Herbst forderte IBM Vizepräsident Paul Horn, den IT-Systemen die Instinkte zu geben, mit denen sie ihr eigenes Überleben sichern. Seit dem gibt es im Internet Diskussionen zum Thema Autonomic Computing. Viele Menschen fürchten sich vor den selbst ständigen Maschinen. Am Ende könnte der Alptraum aus Science-Fiction Abenteuern stehen. Ein weltweites Computernetz übernimmt die Macht über die Menschheit.

          Die IT-Welt ist auf Geschwindigkeit ausgelegt. Doch trotz immer schnellerer Prozessoren und optimierter Netzwerke klagen die Computeranwender vor allem über eines: Zu wenig Rechenleistung bei der Datenverarbeitung. Bislang setzten beschränkte Ressourcen bei Hardware und Software die Grenzen für die Rechenleistungen eines Systems. Doch wegen der zunehmenden Komplexität wird inzwischen der Faktor Mensch zum Hemmnis. Denn hinter der Frage der Leistungsfähigkeit eines Rechnersystems steckt auch immer die Frage nach den Kosten für Pflege und Service.

          Paul Horn, Vice President bei IBM hat in einem Essay diesen Personalkosten den Kampf angesagt. Das Zukunftskonzept seines Unternehmens heiße Autonomic Computing, unterstreicht er im dem Schriftstück, das auf der Webeseite der IBM zu finden ist. Vergleichbar mit den Instinkten und Reflexen eines Lebewesens könnten Rechner in Zukunft ihr eigenes Überleben sichern. So wären sie in der Lage etwa Programmierfehler zu identifizieren und korrigieren, sich selbst zu konfigurieren und Angriffe von außen abzuwehren.

          Die Diskussionen beginnen

          Jetzt diskutiert die Web-Gemeinde: Steckt hinter den Thesen die schlaue Geschäftsidee eines IT-Konzerns, der neue Visionen aufzeigen muß? Horn verwaltet als der IBM-Verantwortliche für Forschung und Entwicklung einen der größten Etats überhaupt auf diesem Gebiet; sein Wort hat in der IT-Branche Gewicht. Und er selbst besteht darauf, dass es seinem Unternehmen um nicht weniger geht, als die Zukunft der gesamten Menschheit. „Wegen der immer höheren Komplexität werden die IT-Netzwerke für den Menschen bald nicht mehr zu beherrschen sein“. Um den Kollaps der Technik zu verhindern gäbe es nur einen Ausweg: Digital das vegetative Nervensystem der Menschen nachbilden. Gelänge dies nicht, wandele sich die positive Wirkung der Informationstechnologie in ihr Gegenteil - in eine Bürde für die Zukunft.

          Geschäftsmodelle werden sich ändern

          Unbestritten ist, dass sich mit diesen neuen Technologie die Geschäftsmodelle der IT-Hersteller grundlegend ändern werden. Nach Ansicht vieler IT-Ingenieure gehe der Trend zu IT-Rechenzentren, die mit Elektrizitätswerken vergleichbar sind. Für ihre Argumentation bemühen sie die Historie. Noch vor hundert Jahren seien die Unternehmen für ihre Stromversorgung selber verantwortlich gewesen. Heute liefern Kraftwerk Strom für mehrere hunderttausend Abnehmer - Haushalte ebenso wie Unternehmen. Und inzwischen frage niemand mehr, woher der Strom kommt. Ebenso werde in absehbarer Zeit kein Unternehmen mehr wissen wollen, wo es auf Datenbanken zugreift oder seine Prozesse rechnen läßt. Um diese IT- Kraftwerke zu beherrschen, benötigen IT-Dienstleister wie IBM Autonomic Computing.

          Grid-Netzwerke sollen Rechenleistung kurzfristig verbessern

          Doch die Ingenieure müssen die Leistung der Systeme kurzfristig potenzieren. Deshalb arbeiten Unternehmen und Universitäten an dem Konzept des Grid-Computings. Laut Konzept will man die Rechner weltweit untereinander vernetzen, so dass sie sich gegenseitig Ressourcen zur Verfügung stellen. Die technischen Daten der bereits aufgebauten Netzwerke sind beeindruckend: Der IT-Hersteller SUN betreibt ein weltweites Grid, in dem rund 4000 CPUs arbeiten, Autohersteller Ford läßt in seinem Netzwerk etwa 1000 CPUs rechnen. Aber steckt hinter diesen Konzepten tatsächlich die Rettung vor dem Daten- Overkill? In der Diskussionen um die Thesen Horns weisen die Kritiker darauf hin, dass sich aus diesen globalen Grid Netzwerken eine Bedrohung ergeben könnte. Dann nämlich, wenn die Schöpfer den Geräten nicht nur Instinkte geben - sondern auch Intelligenz.

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