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Internet : Anna aus Kentucky als Rettung für New Yorker Raucher

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Auto oder Motorrad? Bild: dpa/dpaweb

„Hello". Die weibliche Stimme am Telefon krächzt derart, daß sie unweigerlich auf exzessiven Zigarettenkonsum schließen läßt. Wer sich bislang nicht dazu durchringen konnte, mit dem Rauchen aufzuhören, für den könnte ein Gespräch mit Anna Cannon ein Argument liefern.

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          NEW YORK, 3. November. "Hello". Die weibliche Stimme am Telefon krächzt derart, daß sie unweigerlich auf exzessiven Zigarettenkonsum schließen läßt. Wer sich bislang nicht dazu durchringen konnte, mit dem Rauchen aufzuhören, für den könnte ein Gespräch mit Anna Cannon ein Argument liefern. Dabei fungiert Cannon als Anlaufstelle für diejenigen, die das Rauchen gerade nicht aufgeben wollen. Für viele ist sie sogar die Rettung, denn die Preise für Zigaretten erreichen in Amerika Dimensionen, die die Diskussion um eine Erhöhung der Tabaksteuer in Deutschland fast lächerlich erscheinen lassen. Cannon arbeitet für einen der Internetvertreiber von Zigaretten, die derzeit in Amerika wie Pilze aus dem Boden schießen.

          Mindestens 7 Dollar 50 kostet eine Schachtel Markenzigaretten (beispielsweise Marlboro) in New York. Nirgendwo sonst in Amerika sind Zigaretten so teuer. Im Juli hat Bürgermeister Michael Bloomberg eine vormals minimale Steuer kräftig erhöht: Die Stadt erhebt auf jede Packung 1,50 Dollar, vorher waren es 8 Cent. Das sind aber nicht die einzigen Abgaben: Der Bundesstaat New York fordert für jede Packung zusätzliche 1,50 Dollar. Die von Stadt zu Stadt und von Staat zu Staat variierenden Steuersätze machen Preisunterschiede von 100 Prozent und mehr möglich. New York ist aber nicht allein mit Steuererhöhungen: Fast 20 Bundesstaaten haben in diesem Jahr die Abgaben nach oben geschraubt.

          In New York hat der radikale Zuschlag Wirkung gezeigt: Schätzungen zufolge sind die Zigarettenumsätze im August gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel eingebrochen. Allerdings wird bezweifelt, daß ein Drittel der Raucher dem Laster entsagt hätte, schließlich gibt es einfache Wege, um an billigere Zigaretten zu kommen. Es reicht, in Internet-Suchmaschinen die englischen Wörter für "Zigaretten" und "billig" einzugeben, und schon eröffnet sich ein Strauß von Angeboten zu einem Bruchteil der New Yorker Preise. Auf Seiten wie "cheapsmoke.com", "dirtcheapcig.com" oder "heavenlysmoke.com" kosten Markenzigaretten meist um 30 Dollar je Stange.

          Ein Großteil dieser Versender hat seinen Sitz in den Bundesstaaten Kentucky, Virginia und North Carolina. Dort liegen die Steuern bei höchstens 5 Cent, weil die Tabakindustrie einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor darstellt. Der zweitgrößte amerikanische Zigaretten-Hersteller R.J. Reynolds hat seinen Sitz in North Carolina. Ein weiteres Steuerparadies sind die zahlreichen Indianerreservate, die von Abgaben befreit sind. Gerade die im Staat New York lebenden Seneca-Indianer betreiben einen regen Online-Handel mit Zigaretten.

          Nach Schätzungen des Marktforschungsinstituts Forrester Research werden die Umsätze mit dem Internetvertrieb in diesem Jahr 1,2 Milliarden Dollar erreichen und damit rund 3 Prozent des Gesamtmarktes beanspruchen. Das ist aber nach Meinung von Forrester nur der Anfang: Bis zum Jahr 2005 sollen die Umsätze auf 5 Milliarden Dollar und der Marktanteil auf 14 Prozent zunehmen. Einer Studie der University of North Carolina zufolge ist die Zahl der Online-Händler zwischen Januar 2000 bis Januar 2002 von 88 auf 195 gestiegen. Mittlerweile dürften es noch deutlich mehr sein.

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