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Internationale Umfrage : Jeder zehnte Deutsche lehnt Corona-Impfung ab

Ein Mann demonstriert im Institut für Tropenmedizin an der Uniklinik Tübingen, wie eine Frau geimpft wird. Bild: dpa

Trotz krakeelender Gegner auf den Straßen: Das Vertrauen in ein Vakzin und in dessen gerechte Verteilung ist hoch, zeigt eine neue Umfrage. Auch andere Länder überraschen.

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          Die Deutschen gelten als Impfmuffel, aber angesichts von Corona ändert sich diese Einstellung offenbar. Einer neuen Umfrage zufolge lehnen nur 10 Prozent der Bevölkerung eine Spritze gegen Covid-19 grundweg ab. Das überrascht angesichts der lautstarken Demonstrationen auf den Straßen und der Internet-Mobilmachung gegen die Corona-Politik der Bundesregierung, denen sich auch viele Impfgegner angeschlossen haben.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          In anderen Ländern ist laut der Erhebung die Skepsis gegenüber dem Oberarmpiks höher, sogar in solchen, die deutlich stärker unter der Pandemie leiden. In Frankreich verweigern sich 13 Prozent dem Vakzin, in den Vereinigten Staaten 11 Prozent. Hingegen wollen sich in Großbritannien und in Australien lediglich 6 Prozent partout nicht gegen Corona impfen lassen. Das geht aus einer neuen Umfrage des Datenerhebungs-Unternehmens Dynata in den fünf Ländern hervor.

          In Deutschland wollen sich 27 Prozent sofort impfen lassen, sobald ein Vakzin verfügbar ist. 30 Prozent sind dazu nach einer Empfehlung ihres Arztes bereit. 28 Prozent wollen zunächst abwarten, wie das Präparat bei anderen wirkt, um zu sehen, ob es sicher ist. Am begierigsten warten die Briten auf den neuen Wirkstoff, ihr Land gilt als das am stärksten von der Pandemie getroffene in Europa. 39 Prozent von ihnen würden sich sofort gegen Covid-19 impfen lassen. Am geringsten ist die Bereitschaft sich sofort impfen zu lassen in Frankreich mit 14 Prozent.

          Ältere Befragte zeigen größere Offenheit

          Die Meinungsforscher haben zwischen dem 12. und 16. November unter 5000 Teilnehmern auch abgefragt, für wie fair und nachvollziehbar sie die geplante Ausgabe der Schutzimpfung halten. In Deutschland vertraut lediglich ein Viertel voll und ganz auf Gerechtigkeit und Transparenz in der Verteilung, das ist der niedrigste Wert in den untersuchten Ländern. Weitere 52 Prozent der Bundesbürger sind immerhin ziemlich überzeugt vom Prozess, aber 6 Prozent glauben ganz und gar nicht, dass es mit rechten Dingen zugeht. In Frankreich ist das Vertrauen mit 66 Prozent am höchsten, auch 41 Prozent der Australier halten das Verfahren für integer.

          Ältere Befragte, die als besonders anfällig für Covid-19 gelten, zeigen insgesamt eine größere Offenheit. Während unter allen international Befragten 37 Prozent die geplante Impfstoff-Verteilung für fair und nachvollziehbar halten, sind es bei jenen, die 75 Jahre und älter sind, 45 Prozent. Auch wollen sich 34 Prozent dieser Gruppe sofort impfen lassen, gegenüber lediglich 28 Prozent in der Gesamtbevölkerung.

          Frauen sind im Durchschnitt skeptischer gegenüber der Ausgabepraxis und zurückhaltender in Sachen Impfung als Männer. Unterschiede gibt es auch beim Einkommen: Wer in Deutschland mehr als 80.000 Euro im Jahr verdient, vertraut der Impfstofflogistik mehr, als es Personen mit geringerem Einkommen tun. Die „Besserverdienenden“ mit mehr als 65.000 Euro stehen auch am ehesten parat, sich sofort impfen zu lassen.

          Grippeschutz stärker nachgefragt

          Die zunehmende Impfbereitschaft in Deutschland zeigt sich auch beim Grippeschutz. In vielen Regionen Deutschlands ist in dieser Saison angeblich der Impfstoff knapp, weil ihn viel mehr Patienten nachfragen als sonst.

          Eigentlich geht die Impfquote seit Jahren zurück. Normalerweise werden viel mehr Dosen bestellt als verimpft. So standen in der zurückliegenden Saison 2019/2020 knapp 21 Millionen Ampullen zur Verfügung, genutzt wurden gerade einmal 14 Millionen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) klagt seit langem, dass sich selbst in der besonders gefährdeten Gruppe der Übersechzigjährigen nur 35 Prozent impfen ließen. Und das, obgleich das Ziel der EU 75 Prozent beträgt und so auch so im deutschen Nationalen Impfplan steht.

          In der Corona-Krise aber steigt der Bedarf nach dem Grippeschutz spürbar an, und die Politik hat darauf auch reagiert. Wegen der Corona-Epidemie hat das Bundesgesundheitsministerium im laufenden Jahr zusätzlich zu den eigentlich vorgesehenen 20 Millionen noch einmal 6 Millionen Influenza-Dosen bestellt. Es stehen also 12 Millionen mehr bereit, als im vergangenen Jahr benutzt wurden; fast doppelt so viele. Noch aber scheinen die Präparate nicht flächendeckend verfügbar zu sein, so dass es in einzelnen Regionen zu Engpässen kommt.

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