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Internationale Rangliste : Deutschlands Netzwerkfähigkeit sinkt

Die ganze Wirtschaft redet von der Digitalisierung. Aber im Land tut sich insgesamt zu wenig. Bild: dpa

Nirgendwo sind Internet und Kommunikation so heiß umkämpft wie hierzulande – dennoch hinkt Deutschland mit der Nutzung weit hinterher. Vorbildlich vernetzt dagegen ist ein Ministaat aus Asien.

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          Während allerorten – und in diesen Tagen ganz besonders auf der Industriemesse in Hannover – über die digitale Vernetzung des Landes gesprochen wird, kommt Deutschland dabei tatsächlich nicht voran. Das ist eines der Ergebnisse des diesjährigen „Global Information Technology Report“, den das World Economic Forum, der Veranstalter des Weltwirtschaftsforums in Davos, vorgelegt hat.

          Carsten Knop
          Herausgeber.

          Die Anbieter von Telekommunikationslösungen sind zwar in keinem anderen Land einer härteren Konkurrenz ausgesetzt, was dazu führt, dass einige Internet- und Telekommunikationsangebote in Deutschland recht günstig zu bekommen sind. Insgesamt fällt das Land im Vergleich der netzwerkfähigen Länder der Welt aber dennoch um einen Rang auf den 13. Platz zurück. Der „Networked Readiness Index“, welcher der Rangliste zugrunde liegt, bewertet die Netzwerkfähigkeit von 143 Volkswirtschaften.

          Der Rückschritt in Deutschland hat mehrere Gründe: Das Land hinkt in der Nutzung des Internets in Staat und Gesellschaft den führenden Staaten stark hinterher. Wenn es zum Beispiel darum geht, wie die Schulen an das Internet angebunden sind, wie sehr der Staat in seiner Verwaltung das Internet nutzt oder wie gut die Bürger über das Netz an staatliche Dienstleistungen angebunden sind, liegt das Land auf Plätzen zwischen 24 und 43. Lediglich in der Fähigkeit zur Innovation und im Bestreben, Patente auf dem Gebiet der Telekommunikation anzumelden, findet sich Deutschland noch in einer Spitzengruppe wieder.

          Europa steht gut da, Deutschland umso schlechter

          So rangiert der Industriestandort Deutschland mit Blick auf seine Netzwerkfähigkeit im Saldo hinter Ländern wie Finnland, Schweden, den Niederlanden, Norwegen, der Schweiz, Großbritannien und Luxemburg. Alle diese Länder haben es noch in die Gruppe der ersten zehn geschafft – was Europa grundsätzlich ein gutes Zeugnis ausstellt, Deutschland im Vergleich aber umso schlechter aussehen lässt. An der Spitze der Liste steht im laufenden Jahr Singapur. Und die Vereinigten Staaten sowie Japan sind die einzigen nichteuropäischen Länder in der Führungsgruppe.

          Unerfreulich ist es zudem, dass die digitale Spaltung unter den Staaten der Welt größer wird, die wirtschaftliche und soziale Vorzüge des Internets kommen nur einer Minderheit der Weltbevölkerung zugute. Denn die Entwicklungs- und Schwellenländer schöpfen nicht das volle Potential der Informations- und Kommunikationstechnologien aus – obwohl sie relativ betrachtet am meisten davon profitieren könnten. Es gelingt ihnen nicht, soziale und wirtschaftliche Veränderungen herbeizuführen und den Rückstand gegenüber weiter entwickelten Staaten aufzuholen. Im Gegenteil: Die oberen 10 Prozent der Länder verzeichnen seit dem Jahr 2012 mit Blick auf die in den Index einfließenden Faktoren doppelt so viel Verbesserung wie die unteren 10 Prozent.

          Damit wird das Ausmaß der Herausforderung deutlich, der sich Entwicklungs- und Schwellenländer bei der Digitalisierung ihrer Volkswirtschaft stellen müssen. Ihnen fehlt die dringend notwendige Infrastruktur, es mangelt aber auch an den Institutionen und insgesamt an den nötigen Fähigkeiten, um den vollen Nutzen aus Informationstechnologie zu ziehen. So haben derzeit nur 39 Prozent der Weltbevölkerung Zugang zum Internet, obwohl mehr als die Hälfte inzwischen im Besitz eines Mobiltelefons ist. Auch der Fortschritt der größeren Schwellenländer in Richtung Netzwerkfähigkeit war aus der Sicht der Studien-Autoren des World Economic Forum größtenteils enttäuschend. Die Russische Föderation ist der führende Staat dieser Schwellenländer-Gruppe und klettert im Jahr 2015 zwar um neun Plätze nach oben. Das reicht aber lediglich für den 41. Rang. China belegt ebenfalls in der oberen Hälfte nach wie vor nur den 62. Platz. Alle übrigen sogenannten BRICS-Länder – Brasilien, Indien und Südafrika – fallen zurück.

          Viele werden von der digitalen Wirtschaft ausgegrenzt

          „Das Beispiel der BRICS-Länder ist keine Ausnahme – viele andere Länder, die in den letzten zehn Jahren ihre Plazierung verbessern konnten, stagnieren derzeit oder fallen zurück. Das liegt zum Teil an der fortbestehenden Spaltung zwischen ländlichen und städtischen Gebieten und verschiedenen Einkommensgruppen innerhalb eines Landes, so dass ein Großteil der Bevölkerung von der digitalen Wirtschaft ausgegrenzt wird“, sagt Bruno Lanvin, verantwortlicher Direktor der Europäischen Initiative für Wettbewerbsfähigkeit (IECI).

          „Weniger entwickelte Länder laufen Gefahr, immer stärker zurückzufallen, und es bedarf konkreter Maßnahmen, um dieses Problem anzugehen“, warnt Soumitra Dutta, Anne and Elmer Lindseth- Dekan an der Samuel Curtis Johnson Graduate School of Management der Cornell University und Mitherausgeber des Berichts, dessen Basis insgesamt 53 individuelle Indikatoren sind.

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