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Internationale Energieagentur : Solarstrom auf der Überholspur

Solaranlage im niedersächsischen Stedebergen Bild: dpa

In den kommenden Jahren dürfte die Erzeugung von Ökostrom laut Internationaler Energieagentur kräftig zulegen – vor allem in China. Doch in anderen Bereichen bleibt die Entwicklung hinter den Erwartungen zurück.

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          China dürfte seinen Vorsprung als größter Wachstumsmarkt für Ökostrom in den kommenden fünf Jahren weiter ausbauen. Zu dieser Einschätzung kommt die in Paris ansässige Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem am Montag veröffentlichten Jahresbericht. Demnach ist vor allem im Fall von in der Nähe von Produktionsstätten erzeugtem Solarstrom mit großen Sprüngen zu rechnen; von einem „dezentralen Photovoltaik-Boom“ ist die Rede.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dieser macht mit 300 Gigawatt rund ein Viertel des prognostizierten Ökostromzuwachs von 1200 Gigawatt installierter Leistung aus. Davon entfällt wiederum mehr als die Hälfte auf China. Theoretisch entsprechen 1200 Gigawatt der in den Vereinigten Staaten insgesamt installierten Erzeugung, praktisch laufen die Solaranlagen allerdings nur wenige Wochen im Jahr unter Volllast.

          Kräftiger Zubau

          Fasst man sämtlichen solar erzeugten Strom zusammen, rechnet die IEA mit einem Plus von 700 Gigawatt in allen Ländern der Welt. Windstrom an Land folgt mit 300 Gigawatt. An dritter Stelle steht die Wasserkraft mit etwas mehr als 100 Gigawatt. Einschließlich Windstrom zu See, Bioenergie und anderen Erneuerbaren dürfte die Ökostromerzeugung im Jahr 2024 50 Prozent über dem heutigen Wert liegen. Die einzige Sorgenregion bleibt Afrika südlich der Sahara, was auf die dortige politische Unsicherheit, Investitionsrisiken und eine schwache Netzinfrastruktur zurückzuführen ist.

          Hohe Wachstumsraten erwarten die Fachleute neben China auch für andere asiatische Länder, vor allem für Indien und für das von einem „Installationsboom“ erfasste Vietnam. Aber auch in Europa und Amerika spricht alles für einen kräftigen Zubau. „Jüngste Ergebnisse von Wettbewerbsauktionen weisen darauf hin, dass die Herstellungskosten neuer Photovoltaikanlagen in einer steigenden Zahl an Ländern früher als erwartet vergleichbar oder geringer sind gegenüber den neuer fossiler Kraftwerke“, heißt es in dem IEA-Bericht.

          1500 Gigawatt wären nötig

          Um 15 bis 35 Prozent dürften die Kosten für Solarstrom demnach in den kommenden fünf Jahren sinken. Ähnlich optimistisch ist der Ausblick für Windstrom. Dass die Prognose im Vergleich zum vorigen Jahresbericht deutlich nach oben korrigiert wurde, liegt zur Hälfte am verstärkten Bemühen der Europäer, ihre Ökostromziele zu erreichen, sowie daran, dass Projektentwickler in Amerika derzeit verstärkt noch in den Genuss auslaufender steuerlicher Förderanreize kommen wollen.

          Vor allem in den Vereinigten Staaten weiter zunehmen wird aus IEA-Sicht darüber hinaus der Abschluss von sogenannten Power Purchase Agreements (PPAs), also langfristiger Stromabnahmeverträge zwischen Erzeugern und Unternehmen. Und dennoch: Selbst die erwartete Zunahme von 1200 Gigawatt Ökostrom ist den IEA-Fachleuten zufolge unzureichend, will man die Klimaziele erreichen.

          1500 Gigawatt bis zum Jahr 2024 wären demnach nötig – und möglich. Zwar sind 25 Prozent des weltweit erzeugten Stroms mittlerweile erneuerbaren Ursprungs. Im Wärmesektor beträgt der Anteil regenerativer Energieträger nach letztem Stand aber nach wie vor nur magere 10 Prozent, im Verkehrssektor sogar nur 4 Prozent. 

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