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1919 gegründet : Internationale Arbeitsorganisation feiert Jubiläum

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Bundespräsident Steinmeier auf der Veranstaltung zu 100 Jahre ILO. Bild: dpa

Vor 100 Jahren wurde die Internationale Arbeitsorganisation gegründet. Bundespräsident Steinmeier sprach dazu in Berlin auf einem Festakt. Auf der Veranstaltung wird klar: Die Gewerkschaften haben ein Problem.

          Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) feiert in diesem Jahr ihr hundertjähriges Bestehen. Am Dienstag fand anlässlich des Jubiläums ein Festakt statt, auf dem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach. Die anschließende Diskussion offenbarte Probleme der Arbeiterorganisation im 21. Jahrhundert.

          Die ILO wurde am 28. Juni 1919 im Zuge des Friedensvertrags von Versailles gegründet, um internationale Normen für Arbeitnehmerrechte zu schaffen und durchzusetzen. Zentrale Forderungen waren Einführung der 48-Stunden-Woche, der Mutterschutz sowie die Bekämpfung von Kinderarbeit.

          Die internationalen Fortschritte in diesem Bereich sind auch Verdienst der ILO. Die Organisation erhielt schon vor 50 Jahren für ihre Anstrengungen den Friedensnobelpreis. In den 1980ern tat sie sich besonders hervor, indem sie sich entschieden für die polnische Gewerkschaft Solidarność einsetzte. 1981 war in Polen von der sozialistischen Regierung das Kriegsrecht ausgerufen worden, um gegen streikende Arbeiter der Danziger Leninwerften vorzugehen, 1984 wurde der katholische Priester und Unterstützer der Solidarność Jerzy Popiełuszko vom polnischen Geheimdienst ermordet.

          Symbolträchtiger Veranstaltungsort

          Der Veranstaltungsort in Berlin ist ein ehemaliges Umspannwerk. Dies nahm der Bundespräsident zum Anlass, auf das industrielle Zeitalter und Start-up-Gründer in Berlin einzugehen und zu schlussfolgern: „Vor unseren inneren Augen begegnen sich die Arbeitswelten von gestern, heute und morgen.“ Der Anteil von Arbeitern an den Beschäftigten betrug 2017 noch 18,1 Prozent und ist seit Jahren rückläufig.

          Steinmeier wies in seiner Rede außerdem auf Deutschlands Verantwortung für Arbeitnehmerrechte in globalen Wertschöpfungsketten hin, wie etwa in Textilfabriken in Bangladesch oder Steinkohleminen in Kolumbien, sowie auf die Notwendigkeit, Digitalkonzerne zu besteuern.

          Ein weiterer Schwerpunkt der Rede war die Notwendigkeit von Multilateralismus. Der Bundespräsident sagte, in der EU gebe es nur zwei Staaten: „Die kleinen und diejenigen, die noch nicht bemerkt haben, dass wir alle kleine Staaten sind im weltweiten Maßstab.“ Dabei kritisierte er auch den Slogan „take back control“ („Die Kontrolle zurückgewinnen“), der vor allem im Zuge des Brexit-Referendums in Großbritannien verwendet wurde.

          Außer Steinmeier sprachen in Berlin Arbeitsminister Hubertus Heil sowie Vertreter von Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden und der ILO. Im Anschluss an die Festreden folgte eine längere Diskussionsrunde, bei der ein Problem für die Internationale Arbeiterorganisation immer wieder genannt wurde: Die Organisation von Arbeitern. So sind in Deutschland weniger als 20 Prozent der Beschäftigten in Gewerkschaften organisiert. Die Organisation sucht nach Mitteln und Wegen, um junge Arbeitnehmer für Betriebsräte und Gewerkschaften zu gewinnen. Auf das demographische Problem weist eine weitere Statistik hin: Fast ein Drittel der Gewerkschaftsmitglieder sind gar nicht erwerbstätig, sie sind mit 90 Prozent fast alle Rentner.

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