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Was braut sich da zusammen? : Institute kappen Konjunkturprognosen

  • Aktualisiert am

Transporter der Marke Volkswagen Nutzfahrzeuge stehen zur Auslieferung auf einem Zug im Rangierbahnhof Seelze in der Region Hannover. Bild: dpa

Das ifo-Institut sieht „kräftige Gewitterwolken“ über der deutschen Wirtschaft aufziehen – und steht damit nicht allein. Gerät der Aufschwung ins stocken?

          Das Münchner Ifo-Institut erwartet im laufenden Jahr ein deutlich schwächeres Wirtschaftswachstum in Deutschland als bisher. „Die Wirtschaft hat sich in den ersten Monaten des Jahres deutlich schlechter entwickelt als gedacht“, teilte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser am Dienstag in Berlin mit.

          Für 2018 erwarte man nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,8 Prozent. Im Frühjahr hatte das Institut noch einen Anstieg von 2,6 Prozent prognostiziert. Für das kommende Jahr wurde die Prognose von 2,1 Prozent auf 1,8 Prozent gesenkt.

          Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft um 2,2 Prozent gewachsen. „Am deutschen Konjunkturhimmel brauen sich derzeit kräftige Gewitterwolken zusammen“, sagte Wollmershäuser. Er verweist zum Beispiel auf außenwirtschaftliche Risiken – etwa die Ungewissheit über weitere Handelseinschränkungen wie Zölle. Die wirtschaftlichen Risiken hätten deutlich zugenommen, so der Konjunkturexperte weiter.

          Brexit, Zölle – Verunsicherung

          Das zeigt sich auch an den Börsen. Der sich zuspitzende Handelskonflikt zwischen Amerika und China hat die Aktienmärkte am Dienstag stark belastet. Der deutsche Aktienindex Dax rutschte um fast 2 Prozent ab. Zwischenzeitlich fiel der Dax erstmals seit drei Wochen unter 12.600 Punkte. Investoren sorgten sich, dass der Welthandel zunehmend unter den gegenseitig verhängten Strafzöllen leiden könnte. Dies könnte möglicherweise in einer Rezession münden.

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          Auch andere Institute hatten ihre Wachstumsprognosen zuletzt gesenkt. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) etwa erwartet für das laufende Jahr noch 1,9 Prozent. Die Ökonomen begründeten das unter anderem mit „hohen Risiken“. So könnte der Handelskonflikt mit Amerika weiter eskalieren und sich die Schuldenkrise in Italien noch verschärfen. Das Essener RWI-Institut senkte seine
          Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft ebenfalls deutlich. Die Konjunktur werde 2018 wohl nur um 1,8 Prozent anziehen und nicht wie bisher erwartet um 2,4 Prozent, wie die Forscher und Regierungsberater am Dienstag mitteilten. Für 2019 rechnen sie mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von nur 1,5 statt 1,9 Prozent.

          „Das außenwirtschaftliche Klima ist rauer geworden", sagte RWI-Chefökonom Roland Döhrn.  „Selbst wenn nur kleine Teile des deutschen Exports von den durch Amerika verhängten Zöllen betroffen sind, dürfte das Aufkeimen des Protektionismus negativ auf das Exportklima wirken und Unternehmen vorsichtiger agieren lassen.“ Zudem seien die Firmen verunsichert durch die unklare Zukunft der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU vor dem Hintergrund des geplanten Brexit.

          Zahl der Erwerbstätigen auf Rekordkurs

          Auch die Bundesregierung hat ihre Prognose zuletzt heruntergeschraubt. Sie ist aber etwas optimistischer und rechnet für 2018 mit einem Wachstum von 2,3 Prozent. 2019 soll es dann noch ein Plus von 2,1 Prozent werden.

          Ein Ende der wirtschaftlichen Erholung sei trotz der deutlichen Prognosesenkung aber nicht in Sicht, erklärten die Ifo-Experten. „Wir glauben, dass sich der deutsche Aufschwung fortsetzt, wenn auch nicht in demselben Tempo wie 2017“, sagte Wollmershäuser. Der Aufschwung der Binnenwirtschaft bleibt auch dem RWI zufolge intakt. Die Bauinvestitionen steigen demnach weiter kräftig und die privaten Konsumausgaben profitieren von der Job-Sicherheit und höheren Löhnen. Der staatliche Haushaltsüberschuss dürfte 2018 um rund drei Milliarden Euro auf gut 41 Milliarden Euro steigen. Grund dafür seien höhere Einnahmen dank der anhaltend guten Lage am Arbeitsmarkt.

          Die Zahl der Arbeitslosen werde in diesem wie auch im kommenden Jahr weiter sinken, prognostiziert das Ifo-Institut – von 2,5 Millionen 2017 auf 2,3 Millionen im laufenden Jahr und auf 2,2 Millionen 2019. „Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte neue Rekorde erzielen und auf über 44,8 Millionen in diesem und 45,2 Millionen im kommenden Jahr steigen“, erklärte Wollmershäuser.

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