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Insolvenzen : Neuer Pleitenrekord zeichnet sich ab

  • Aktualisiert am

Der weltgrößte Kreditversicherer Euler Hermes rechnet 2004 mit einer Zunahme der Firmenpleiten auf einen neuen Rekordstand. Dabei geraten immer mehr größere und ältere Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten.

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          Der weltgrößte Kreditversicherer Euler Hermes rechnet für das kommende Jahr trotz konjunktureller Erholungssignale wegen der Strukturkrise in Deutschland auch im nächsten Jahr mit einer Zunahme der Firmenpleiten auf einen neuen Rekordstand. Dabei geraten den Angaben zufolge immer häufiger auch größere und ältere Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten.

          Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen werde 2004 voraussichtlich um vier Prozent auf 43.000 Fälle auf einen neuen Höchststand zunehmen, teilte Euler Hermes am Dienstag in Hamburg mit. Damit schwächt sich die Zunahme im Vergleich zum auslaufenden Jahr allerdings leicht ab. Für 2003 geht der Kreditversicherer wie der Branchenverband GDV von 41.300 Firmenpleiten aus, was einer Zunahme gegenüber 2002 um zehn Prozent entspricht.

          Nach einem dramatischen Anstieg der Forderungsausfälle im vergangenen Jahr, als sich die Summe wegen zahlreicher Großinsolvenzen auf 58,1 Milliarden Euro verdoppelte, rechnet Euler Hermes für 2003 mit Ausfällen von rund 38 Milliarden Euro. 2004 könnten die Forderungen auf 40 Milliarden Euro steigen, teilte der über die französische Versicherungsgruppe AGF zum Allfinanzkonzern Allianz gehörende Kreditversicherer mit.

          Mehr Insolvenzen bei Dienstleistungen und Handel

          Am stärksten nehmen den Angaben zufolge die Pleiten im Dienstleistungsbereich zu (plus 15 Prozent), gefolgt vom Handel (plus 14 Prozent) und der Industrie (plus elf Prozent). Das krisengeschüttelte Baugewerbe verzeichne dagegen eine geringfügige Abnahme, ausgehend von einem bereits hohen Niveau.

          Anlaß zu Besorgnis gebe, daß immer häufiger ältere und größter Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten gerieten, teilte Euler Hermes mit. So habe die Zuwachsrate bei Firmen, die länger als acht Jahre bestünden, mit 25 Prozent doppelt so hoch gelegen wie bei denen unterhalb dieser Altersgrenze. Um mehr als 40 Prozent legten 2003 die Insolvenzen bei Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten zu.

          Als Grund für das hohe Insolvenzrisiko in Deutschland nannte Euler Hermes neben der schwachen Konjunktur die Strukturkrise. Deutschland fehle es wegen des Reformstaus in den sozialen Sicherungssystemen und struktureller Probleme am Arbeitsmarkt an Wachstumsdynamik. Hinzu kämen auf Ebene der Unternehmen Probleme, die sich aus einer zu geringen Eigenkapitalbasis und einer aufgezehrten Liquidität ergäben, teilte Euler Hermes mit.

          Zwei Drittel aller Pleiten in Deutschland, Großbritannien und Frankreich

          Im internationalen Vergleich gehöre Deutschland zusammen mit Großbritannien und Frankreich zu den Spitzenreitern, was das zahlenmäßige Insolvenzaufkommen betreffe. Auf sie entfielen zwei Drittel aller gewerblichen Pleiten in Europa. Weltweit habe sich dagegen das Insolvenzrisiko wegen einer positiven Entwicklung in den Vereinigten Staaten seit 2001 tendenziell stabilisiert. Euler Hermes sieht sich mit 6.000 Beschäftigten in 36 Ländern und einem Anteil von 37 Prozent am Weltmarkt für Kreditversicherungen als Marktführer.

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