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Insolvenzen : Mehr Firmenpleiten in Europa

  • Aktualisiert am

Für das laufende Jahr erwartet Creditreform einen europaweiten Anstieg der Unternehmenszusammenbrüche um rund 5 Prozent. Die Lage im deutschen Mittelstand war selten schlechter.

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          Trotz anspringender Konjunktur prognostiziert der Verband der Vereine Creditreform weiter steigende Insolvenzzahlen - sowohl für Deutschland als auch für Europa. “Von einer Trendwende zu sprechen, wäre zu früh“, betonte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Helmut Rödl, am Dienstag in Düsseldorf. Für das laufende Jahr erwartet Creditreform einen europaweiten Anstieg der Unternehmenszusammenbrüche auf 165.000 und damit um rund 5 Prozent. Für Deutschland wird eine ähnliche Steigerungsquote auf 40.000 bis 42.000 Insolvenzen prognostiziert.

          2003 meldeten in Westeuropa insgesamt 157.138 Unternehmen Insolvenz an - 3,9 Prozent mehr als im Vorjahr. In Deutschland betrug die Steigerungsrate im vergangenen Jahr sogar 5,5 Prozent auf 39.700. Nur in Frankreich wurden mit knapp 40.500 mehr Unternehmenspleiten registriert. Die höchsten Zuwachsraten verbuchten 2003 allerdings Portugal mit 42 Prozent, Norwegen mit 18 Prozent und die Schweiz mit 13 Prozent. Positiv konnte sich dagegen weiterhin Irland entwickeln, wo lediglich 316 Firmenzusammenbrüche gezählt wurden - knapp 17 Prozent weniger als noch im Vorjahr.

          Die Lage des deutschen Mittelstandes war selten schlechter

          In Deutschland mußten auch im vergangenen Jahr einige traditionsreiche Unternehmen wie Grundig, Wienerwald, Kettner oder auch Aero Lloyd Insolvenz anmelden. An die Dimensionen einzelner Unternehmenszusammenbrüche des Vorjahres - wie Babcock Borsig oder Kirch - komme man 2003 allerdings nicht heran, erklärte Rödl. In Deutschland sei das Kern der Probleme die Eigenkapitalschwäche des Mittelstandes, betonte der Hauptgeschäftsführer. Selten sei die Lage des deutschen Mittelstandes schlechter gewesen als heute.

          Einschließlich der Verbraucherinsolvenzen wurden in Deutschland 2003 rund 99.800 Insolvenzen angemeldet. Die Schäden hieraus beliefen sich nach Angaben von Creditreform auf 40,5 (Vorjahr: 38,4) Milliarden Euro. Auf dem Arbeitsmarkt seien wegen der Pleiten 613.000 (590.000) Stellen verloren gegangen, hieß es. Europaweit betrugen die insolvenzbedingten Arbeitsplatzverluste sogar 1,7 Millionen. Im laufenden Jahr erwartet Creditreform insgesamt 110.000 Unternehmens- und Privat-Insolvenzen in Deutschland. Vor allem die Verbraucherinsolvenzen würden mit rund 15 Prozent noch einmal deutlich ansteigen.

          Häufige Zusammenbrüche auch in den Beitrittsländern

          In den acht osteuropäischen Beitrittsländern zur Europäischen Union (außer Estland) kletterten die Unternehmenszusammenbrüche nach Angaben von Creditreform 2003 um drei Prozent auf knapp 21.500. Während jedoch Ungarn mit 24 Prozent, Slowenien mit zehn Prozent und Lettland mit neun Prozent deutliche Zuwächse der Pleiten verbuchten, sanken die Insolvenzen in Litauen um 26 Prozent, in Polen um 13 Prozent oder in der Slowakei um elf Prozent kräftig.

          Rödl verwies allerdings darauf, daß in den meisten Staaten in Osteuropa noch kein funktionierendes Insolvenzrecht existiert. Die Zahlen seien daher eher als “Spitze des Eisbergs“ zu verstehen. Es gebe in den Ländern zahlreiche, eigentlich insolvente Unternehmen, die aber weiter am Markt tätig seien.

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