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Insolvente Drogeriekette : Wo ist das Schlecker-Vermögen?

  • -Aktualisiert am

Bei der insolventen Drogeriekette Schlecker sind noch viele Fragen offen Bild: dapd

Viel wurde gemunkelt, ob und wie Anton Schlecker vorgebaut haben könnte für die Pleite. Hat der gewiefte Rechner Frau und Kindern rechtzeitig ein paar Millionen zugeschoben? Das herauszufinden ist nun Aufgabe des Insolvenzverwalters.

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          Tausende Filialen hat er aufgebaut, jedes Jahr Milliarden Umsatz gemacht, einen Stammplatz auf der Liste der reichsten Deutschen ergattert - und doch soll der Kaufmann Anton Schlecker völlig abgebrannt sein. „Ich will mich nicht beschweren“, sagte seine Tochter Meike auf der jüngsten Pressekonferenz. „Und wir werden auch zurechtkommen. Aber es ist kein signifikantes Vermögen mehr da.“

          Nun liegt die Frage, wie viel Geld wie signifikant ist, im Auge des Betrachters. Viel wurde gemunkelt, ob und wie Anton Schlecker vorgebaut haben könnte für die Pleite. Seit mindestens vier Jahren macht sein Imperium Verlust, das hat Sohn Lars bestätigt. Vorher dümpelte die Kette schon jahrelang vor sich hin. Als „eingetragener Kaufmann“ steht Schlecker senior voll in der Haftung - hat der gewiefte Rechner also Frau und Kindern rechtzeitig ein paar Millionen zugeschoben? „Anton Schlecker ist nicht der Typ Mensch, der für den Fall seines Scheiterns vorsorgt“, sagt Thomas Roeb, Professor an der Hochschule Rhein-Sieg, der Schlecker bis zuletzt beraten hat (und um sein Honorar bangt). „Im Gegenteil: Er dürfte in den letzten Jahren Vermögen verwertet haben, um das Unternehmen zu sanieren.“

          Meike Schlecker und Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz
          Meike Schlecker und Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz : Bild: dpa

          Sollte Schlecker es dennoch versucht haben, wird sich Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz schwertun, an das Geld heranzukommen. Gewiss: Er kann eine Liste aller Transaktionen der letzten zehn Jahre verlangen. Gelingt ihm der Beweis, dass etwa eine Schenkung die Gläubiger prellen sollte, könnte er Grundstück, Auto oder Boot zurückfordern. „Insolvenzverwalter müssen auch detektivisch vorgehen“, sagt Christoph Niering, Vorsitzender des Insolvenzverwalterverbands VID. Sie durchstöbern private Post („Danke für die schöne Zeit bei Euch auf Mauritius“), Reisekostenabrechnungen (Wer fuhr wann in die Schweiz?) oder Briefe des Kfz-Bundesamts. „Aber wenn die Vermögensübertragung länger als vier Jahre zurückliegt, wird es sehr schwierig“, sagt Niering. Selten sind Insolvenzen so früh absehbar und damit böser Wille beweisbar. „Der Insolvenzverwalter muss auch beweisen, dass der Empfänger die drohende Zahlungsunfähigkeit kannte und den Schaden der Gläubiger akzeptierte“, sagt Niering. Ist die Transaktion weniger als vier Jahre her, genügen Indizien für die böse Absicht. Dann müssten Schleckers beweisen, dass sie sich nicht arm schenken wollten.

          Das könnte schwierig sein: Ehefrau Christa Schlecker war stets in die Geschäftsführung eingebunden, wusste also um die Lage. Für die Kinder galt dies seit einigen Jahren. „Lars und Meike waren in die Reorganisation eingebunden, die Führungskräfte haben an sie berichtet“, sagt Roeb. „Aber es würde mich sehr wundern, wenn sie oft operative Entscheidungen getroffen oder die Liquiditätsrechnung geprüft hätten.“ Dennoch dürfte diese Funktion dem Insolvenzverwalter für Rückforderungen reichen.

          Aber vielleicht war Anton Schlecker nie Milliardär, Ranglisten hin oder her? „Ich halte es für ausgeschlossen, dass er Millionen beiseite schaffen konnte“, sagt Ulrich Eggert, Handelsexperte und Unternehmensberater. Schleckers Vermögen ergab sich aus dem Wert seines Imperiums. „Der dürfte zwar in der stärksten Zeit, Mitte der neunziger Jahre, mehrere Milliarden erreicht haben“, sagt Eggert. Verfügbar dürften für Schlecker aber höchstens eine halbe Milliarde Euro gewesen sein. Und das ist lange her. „Schleckers System war schneeballähnlich“, sagt Eggert: „Es funktionierte, solange immer mehr Filialen hinzukamen und einen Mindestumsatz schafften.“ Doch immer mehr Kunden gingen fremd - Schlecker musste immer mehr eigenes Geld in das Netz stecken.

          Die Sanierung der vergangenen fünf Jahre hat nach Schlecker-Angaben einen dreistelligen Millionenbetrag verschlungen. Zwar sparte man Hunderte Filialen ein. Aber es wurden dafür keine neuen Umsatzbringer eröffnet. Es kam nicht mehr Geld in die Kasse. Und mit immer weniger Läden verging die Macht gegenüber Lieferanten. Die Rabatte schrumpften, der Umsatz auch - und letztlich Schleckers Vermögen.

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