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Innovationsmanagement : Früh die Weichen für neue Produkte stellen

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Der dominierende Einflußfaktor auf die Effizienz von Produktentwicklungsprojekten ist der Innovationsgrad, welcher sich sowohl direkt als auch indirekt stark effizienzmindernd auswirkt. Nichtsdestotrotz müssen Unternehmen natürlich neuartige Produkte entwickeln, um konkurrenzfähig zu bleiben. Durch einen möglichst frühen Abbau von Unsicherheiten kann der effizienzmindernden Wirkung des Innovationsgrades entgegengewirkt werden. Auch eine frühe Zusammenarbeit verschiedener Funktionsbereiche, unterstützt durch eine intensive Planung, trägt zur Steigerung der Projekteffizienz bei. Die Zufriedenheit der FuE-Leiter, die Auskunft zu den untersuchten Projekten gegeben haben, ist vor allem durch den direkten Einfluß der Projekteffizienz und der Kommunikation während der Projektdurchführung zu erklären. Aber auch die frühen Phasen wirken sich deutlich positiv auf die Zufriedenheit der FuE-Leiter mit dem Projektverlauf und -ergebnis aus. Der Innovationsgrad der Projekte wirkt sich dagegen negativ auf die Zufriedenheit aus. Dieser Effekt ist vor allem auf die effizienzmindernde Wirkung des Innovationsgrades zurückzuführen, der zu Unzufriedenheit mit dem Projektverlauf und dem -ergebnis führt.

Für das Management von Innovationsprojekten folgt daraus, die Aufmerksamkeit stärker auf die frühen Phasen zu lenken. Auch sollten hier genügend Ressourcen bereitgestellt werden, um frühzeitig benötigte Informationen bezüglich der Technik und des Marktes zu generieren und somit spätere unnötige Iterationsschleifen und Kommunikationsschwierigkeiten zu vermeiden. Der Abbau von technischer Unsicherheit ist in der Meß-, Steuer- und Regelungstechnik und eventuell auch anderen technikgetriebenen Branchen der entscheidende Stellhebel während der frühen Phasen von Produktentwicklungsprojekten. Der Abbau von Unsicherheit kann - insoweit benötigte Informationen bereits während der frühen Phasen zur Verfügung stehen oder generiert werden können - auf vielfältige Art erfolgen. Entscheidende Aktivitäten sind die klare Definition technischer Anforderungen an die zu entwickelnden Produkte und die Entwicklung erster Grobkonzepte. Des weiteren sollte die technische Umsetzbarkeit des Konzeptes soweit möglich abgeschätzt werden. Hierzu kann es - falls die Kosten dafür nicht zu hoch sind und es technisch möglich ist - sinnvoll sein, bereits während der frühen Phasen grobe Prototypen oder virtuelle Prototypen zu erstellen. Diese Prototypen können die technische Machbarkeit demonstrieren und zur Kommunikation mit potentiellen Kunden oder dem Top-Management genutzt werden, um eine frühe Einschätzung der Kundenbedürfnisse und des Marktes zu erhalten beziehungsweise die Unterstützung des Top-Managements insbesondere bei der Freigabe von Ressourcen zu sichern. Des weiteren kann aus den vorliegenden Befunden gefolgert werden, daß die Einbindung aller relevanten Funktionen während der frühen Phasen - also die Einbeziehung möglichst vieler Informationen und Sichtweisen und das Ausbilden eines gemeinsamen Verständnisses - ein wirkungsvoller Stellhebel ist, um spätere Änderungen und Widerstände zu reduzieren und somit letztendlich den Erfolg von Innovationsprojekten sicherzustellen.

Die Autoren sind: Prof. Dr. Cornelius Herstatt ist Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Technologie- und Innovationsmanagement, an der Technischen Hochschule Hamburg-Harburg, sowie Dipl.-Ing. Birgit Verworn. Sie ist Assistentin am Institut für Innovationsmanagement der Universität Bern.

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