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Reisemesse ITB : Das Hotelzimmer der Zukunft

Zimmer gefällig? Gemütlich allein reicht im Zukunftshotel nicht mehr. Bild: Fraunhofer/IAO

Ein sanft wiegendes Bett, die perfekte Raumtemperatur und keine Wartezeit mehr beim einchecken? Die Zukunft des Hotelzimmers könnte so aussehen. Sie beginnt in wenigen Monaten. In Wien.

          Das Bett wiegt den Gast in den Schlaf. Lautlos gleitet die Matratze hin und her. Das Licht wird schummeriger, leuchtet nicht mehr weiß, sondern in einem Rotton. Gedimmt hat es der Besucher mit seinem Smartphone, mit dem er auch die Raumtemperatur gesenkt hat. Willkommen im Hotel der Zukunft. In der Gegenwart ist es ein Raum am Rande der Stuttgarter Universität. Dort sitzt das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation - und erforscht, wie Urlauber künftig nächtigen werden.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Technischer, aber auch individueller soll das Hotel der Zukunft sein. Der Check-in erfolgt per Smartphone. Beim Betreten des Zimmers läuft die Wunschmusik. Vom Telefondisplay aus steuert der Gast Vorhänge, Fernseher und Befüllung der Minibar. Dem Kunden werde das mannigfaltige Individualisieren nicht zu viel, sagt Vanessa Borkmann, die Leiterin des Fraunhofer-Projekts Future-Hotel. „Der Gast wird das ebenso erwarten, wie er davon ausgeht, dass es auf seinem Zimmer eine Toilette mit fließendem Wasser gibt.“

          Aufholjagd in den Herbergen

          Was Borkmanns Team seit 2008 untersucht, ist der Grundstein für die technische Revolution in den Hotels. Die Herbergen taten sich seit je nicht als technische Innovatoren hervor. 80 Prozent sind Kleinunternehmen, denen die Mittel dafür fehlen. Inzwischen ist für Flüge der Check-in von unterwegs Alltag. Eigentümer transformieren ihre Einfamilienhäuser zu Smart-Homes mit ferngesteuerten Lichtschaltern und Heizungen. Was in der Luftfahrt und im Eigenheim funktioniert, soll im Hotel nicht mehr fehlen.

          Deshalb hat in den Herbergen die Aufholjagd begonnen. Dabei sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gut. Zur Reisemesse ITB, die am Mittwoch in Berlin eröffnet, wartet die Branche mit einem Rekord auf. 2014 zählte sie in Deutschland 424 Millionen Übernachtungen - 3 Prozent mehr als 2013, 25 Prozent mehr als 2004. Obwohl die Zahl der Zimmer stieg, waren sie besser ausgelastet - sogar zu höheren Preisen.

          Wie groß dennoch die Unzufriedenheit während der ersten Minuten in einem Domizil werden kann, haben die Forscher in einer Befragung von fast 3400 Hotelgästen ermittelt. 91 Prozent aller Geschäftsreisenden und 85 Prozent der Privatreisenden wollen nicht mehr warten, um den Zimmerschlüssel zu bekommen. Borkmanns Antwort ist die Anmeldung via Smartphone. In der Befragung hatte kein Gast danach verlangt. „Die Kunden fordern nicht einen vollautomatisierten Check-in. Sie sagen lediglich, dass sie nicht mehr an der Rezeption in der Schlange stehen wollen“, sagt sie.

          „Der Kunde will es so“

          Das hat auch Michael Mücke zu hören bekommen. Er ist Deutschlandchef von Europas größtem Hotelkonzern Accor, zu dem Marken von Ibis über Mercure bis Sofitel gehören. „Verschnaufen, Essen, Schlafen - damit verbringt der Gast die meiste Zeit bei uns, alles andere geht in einem Hotel schnell. Der Kunde will es so“, sagt Mücke. Die Schlange vor der Rezeption muss also weg. Das ist leichter gesagt als getan. „Wir haben in unseren Abläufen Wellenbewegungen“, erklärt er. „Abends kommen die Gäste in einem kurzen Zeitraum an, wollen alle einen Drink nehmen, danach ist Ruhe bis zum Morgen. Dann wollen alle gleichzeitig frühstücken, auschecken und aus dem Parkhaus fahren.“

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