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Wohnungsmarkt : Innenministerium hält Mietendeckel für verfassungswidrig

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Miethäuser im Berliner Stadtteil Moabit. Bild: dpa

Der Widerstand gegen die Pläne der Berliner Landesregierung wächst. Nun äußert auch das Bundesinnenministerium seine Zweifel an der Vereinbarkeit des Mietendeckels mit dem Grundgesetz – weil ein Bundesland ein solches Gesetz nicht erlassen darf.

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          Die Idee des Senats klingt verlockend, zumindest für Mieter: Viele Mieten in der Hauptstadt sollen nicht weiter erhöht werden dürfen, obwohl es eine große Nachfrage nach Wohnungen gibt. Ganz so einfach ist es aber offenbar nicht.

          Der geplante Mietendeckel des Berliner Senats verstößt nach Einschätzung des Bundesinnenministeriums gegen das Grundgesetz. Das Land Berlin sei „kompetenzrechtlich gehindert“ Gesetze zur Mietenbegrenzung zu erlassen, schreibt das Innenministerium in einer Mail an den Berliner CDU-Bundestagsabgeordneten Kai Wegner, die die Berliner CDU am Samstag veröffentlichte. Der Grund: Die Mietpreisbegrenzung sei bereits durch den Bund „umfassend und abschließend geregelt“ worden.

          Weiter heißt es demnach aus Horst Seehofers (CSU) Ministerium: Solche Entscheidungen des zuständigen Bundesgesetzgebers dürften nicht durch Einzelentscheidungen eines Landes „verfälscht werden“. Die „Gesetzgebungskompetenz der Länder“ sei daher „gesperrt“. Die „Berliner Morgenpost“ hatte zuerst darüber berichtet.

          Eingriff in das Eigentumsrecht

          Die Juristen im Bundesinnenministerium halten aber auch einzelne Punkte des geplanten Berliner Mietendeckel-Gesetzes für problematisch. Der Gesetzentwurf greife in die Eigentumsfreiheit der Wohnungseigentümer ein, heißt es in der Mail, die bereits am 31. Oktober verschickt wurde. Vom geplanten Mietenstopp würden zudem alle Vermieter ohne Unterschied erfasst. Auch würden steigende Preise der Instandhaltung nicht berücksichtigt.

          Wegner kritisierte jetzt: „Rot-Rot-Grün produziert ein verfassungswidriges Gesetz mit Ansage.“ Wenn erst später ein Gericht den Mietendeckel kippen würde, drohe „Chaos“. Auf die Mieter kämen hohe Nachzahlungen zu. Berlin wäre über Jahre ohne einen rechtssicheren Mietspiegel. Schon jetzt richte das geplante Gesetz Schaden an, weil Mieten erhöht und Sanierungen zurückgestellt würden.

          Protest aus der Immobilienwirtschaft

          Schon der Wissenschaftliche Dienst des Berliner Abgeordnetenhauses war zu dem Schluss gekommen, dass das rückwirkende Einfrieren der Mieten auf dem Niveau vom 18. Juni 2019 aus rechtsstaatlichen Gründen bedenklich sei. Auch der Spitzenverband Zentraler Immobilien Ausschuss (ZIA) hatte sich frühzeitig gegen den Entwurf ausgesprochen. Dessen Präsident Andreas Mattner nannte die Pläne einen „Angriff“ auf die Branche und alle Eigentümer. Er forderte seinerzeit den Bund zum Handeln auf. Nach derzeitigem Kenntnisstand sei der Mietendeckel verfassungswidrig - für solche Fälle gebe es die Normenkontrollklage.

          Die rot-rot-grüne Berliner Koalition will bis Anfang kommenden Jahres ein bundesweit bisher einmaliges Mietendeckel-Gesetz beschließen. Geplant ist, die Mieten für fünf Jahre einzufrieren und für Neuvermietungen Obergrenzen je nach Alter und Ausstattung der Wohnung festzulegen. In bestimmten Fällen sollen auch Mietsenkungen möglich sein.

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