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Personalwechsel : Commerzbank zieht holländischen „Sunnyboy“ an Land

Roland Boekhout als Vorstandsvorsitzender der ING Diba Bild: dpa

Mit Roland Boekhout hat die Commerzbank einen überraschend hochkarätigen Fang gemacht. Pikant daran ist, dass der Manager von der Konkurrentin ING kommt, die beim Bund Interesse an der Commerzbank angemeldet hatte.

          Die Commerzbank hat einen überraschend hochkarätigen Fang gemacht. Der frühere Deutschland-Chef der hierzulande führenden Direktbank ING- Diba, Roland Boekhout, wird zum 1. Januar 2020 neuer Firmenkundenvorstand und damit Nachfolger von Michael Reuther. Intern hatte sich auch Roland Böhm, Bereichsvorstand für das Auslandsgeschäft der Firmenkundensparte, Aufstiegshoffnungen gemacht und „sich warm gelaufen“, wie es aus der Bank hieß. Böhm sei aber nicht unumstritten.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dem 56 Jahre alten Boekhout dagegen trauen Beobachter perspektivisch sogar den Vorstandsvorsitz in der Commerzbank zu. Für die Aufgabe des Firmenkundenvorstandes scheint er gut geeignet: Als Boekhout 2017 die ING-Diba verließ und in den ING-Konzernvorstand nach Amsterdam wechselte, galt als seine größte Managementleistung: die Erweiterung der stark digital getriebenen Privatkundenbank um das Firmenkreditgeschäft. Tatsächlich trug die erst 2011 in der ING Deutschland gestartete Firmenkundensparte 2018 ein Drittel zum Jahresgewinn von 1280 Millionen Euro vor Steuern bei.

          Dagegen steckt das Firmenkundengeschäft der Commerzbank in einer schwierigen Phase. Lange war es der größte Ertragsbringer, dann litt es als Marktführer wie keine andere Sparte unter den Niedrigzinsen und den geringen Kreditmargen in Deutschland. 2018 warf es nur noch 614 Millionen Euro vor Steuern ab. Das lag wohl auch an internen Umstrukturierungen. Für Beobachter schwer erklärlich, hat die Commerzbank den gut eingeführten Namen „Mittelstandsbank“ für die Firmenkundensparte aufgegeben und sie mit ihrem kleinen Investmentbanking zusammengeführt. Das haben noch nicht alle Mitarbeiter verwunden.

          In einer solchen Phase kann gerade ein lässiger, Erfolg ausstrahlender Typ wie Boekhout guttun. Wegbegleiter nennen ihn einen „Sunnyboy“, der integriere und ein gutes Gespür für seine Mitarbeiter habe. Als er in der ING-Diba anfing, bot er allen das Du an und erschien als erster Bankvorstand in Frankfurt auf Pressekonferenzen ohne Krawatte. Inzwischen hat sich auch die Commerzbank-Kultur gelockert, auch dort wird sich viel geduzt und die Krawatte häufiger weggelassen.

          Boekhout hat eine deutsche Mutter, spricht gut Deutsch und ist insofern in Frankfurt nie ein Fremder gewesen. Zu seinem Abschied nach Amsterdam hatte es dann geheißen, der Niederländer wolle hier ein Standbein behalten. Tatsächlich wohnt er nach Informationen der F.A.Z. mit seiner Partnerin auch in der Stadt am Main. Er habe auch aus persönlichen Gründen beruflich nach Deutschland zurückkehren wollen, sagte Boekhout am Donnerstag. „Als sich diese Gelegenheit ergab, musste ich sie in Erwägung ziehen.“ Nach fast 30 Jahren in der ING sei es für ihn gleichwohl eine schwierige Entscheidung gewesen. ING-Chef Ralph Hamers sagte: „Wir bedauern Rolands Schritt, aber wir verstehen ihn.“

          Boekhout tritt sofort aus dem Führungsgremium von ING zurück, bleibt aber noch bis Mitte September für die Bank tätig. Pikant ist auch: ING wurde nach dem Scheitern der Fusionsgespräche der Commerzbank mit der Deutschen Bank als Interessent für die Commerzbank gehandelt. ING-Chef Hamers hatte nach der F.A.Z. inzwischen in Finanzkreisen bestätigten Informationen Finanzminister Olaf Scholz sogar angeboten, die Konzernzentrale nach Frankfurt zu verlegen, wenn der Bund der ING seinen Staatsanteil an der Commerzbank verkauft hätte. Dann hätte Boekhout die ING nicht verlassen müssen, um in Frankfurt arbeiten zu können. Nun ist es ganz anders gekommen.

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