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ASIEN IN ZAHLEN – TEIL III

Made in China 2025

Von BASTIAN BENRATH, BERNHARD BARTSCH, JENS GIESEL, BERND HELFERT, INFOGRAPHICS GROUP

12.12.2018 · China will zu den stärksten Wirtschaftsmächten der Welt aufschließen. Die Regierung hat deshalb einen ambitionierten Plan aufgelegt, der das Land auch technologisch an die Spitze bringen soll.

Im Jahr 2049 wird die Volksrepublik China hundert Jahre alt. Das ist zwar noch ein bisschen hin, aber die Führung in Peking plant langfristig: Bis zu diesem Jubiläum soll China den Zustand als Schwellenland hinter sich gelassen und ein vollentwickeltes Industrieland sein. Deshalb hat sie das Programm „Made in China 2025“ ins Leben gerufen. Wo im Moment händische Arbeit den Großteil der Wertschöpfung liefert, soll künftig automatisierte Produktion dominieren – und das Land zu einer „Industriesupermacht“ machen.

China 2015: Die Fabrik der Welt

Schon heute gehört China zu den industriellen Maschinenräumen der Welt. Der Industriesektor trägt mehr als 40 Prozent zum Wirtschaftswachstum bei, zugleich sind 90 Prozent aller exportierten Güter Industrieprodukte. Bei Zukunftsgütern wie Computern und Handys werden zwischen 80 und 90 Prozent der weltweit produzierten Güter in China gefertigt. Doch nach wie vor wird in China vor allem mit der Hand gearbeitet. Die Automatisierungsquote in der Produktion liegt weit unter den Werten von europäischen Industrieländern oder auch Chinas ostasiatischen Konkurrenten wie Südkorea.

China 2025: Die smarte Fabrik der Welt

Die Kehrseite der derzeitigen chinesischen Industrie sind übermäßiger Energieverbrauch und ausufernde Umweltverschmutzung. Da die Energie zumeist aus Kohle gewonnen wird, hat China die Vereinigten Staaten als größter CO2-Emittent der Welt überholt. Ebenso zeigt sich ein Mangel an eigenen Innovationen und eine Schwäche bei Schlüsseltechnologien: Denn obwohl viele Technologiegüter im Ausland entwickelt und in China hergestellt werden, hinken originär chinesische Entwicklungen noch oftmals der Konkurrenz aus Japan und Deutschland hinterher. In der „Made in China 2025“-Strategie hat die Regierung zehn Branchen ausgemacht, in denen sie führende chinesische Weltunternehmen formen will. Die Auswahl dieser Branchen dürfte insbesondere deutschen Industriekonzernen nicht gefallen.

Schon in den vergangenen Jahren sind die Einkommen von chinesischen Arbeitern gestiegen, obwohl sie nach wie vor weit unter denen liegen, die in Deutschland, Japan oder Südkorea gezahlt werden. Mit fortschreitender Technisierung in China dürfte sich das weiter annähern. Wuchtig sind auch die CO2-Ziele, die Peking ausgerufen hat: In den 10 Jahren von 2015 bis 2025 will China seine CO2-Emissionen um 40 Prozent reduzieren. Zum Vergleich: Deutschlands Ziel ist es, seine Emissionen in den 30 Jahren von 1990 bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren – und es wird dieses Ziel aller Voraussicht nach verfehlen. Allerdings ist China auch keine Demokratie, sodass die Regierung weit umfassendere Möglichkeiten hat, ihre Ziele durchzusetzen.

Was China bis 2020 und 2025 erreichen will

Die Methoden, mit denen Peking seine Industrie an die Weltspitze führen will, sind umstritten. Denn die Regierung hält chinesische Firmen dazu an, innovative Firmen aus anderen Ländern samt ihrer patentierten Technologien zu kaufen. So erwarb der chinesische Computerhersteller Lenovo schon im Jahr 2004 die Heimcomputersparte des einstigen amerikanischen Branchenprimus IBM. Lenovo ist inzwischen Weltmarktführer bei Desktop- und Mobilrechnern. Gerade in den vergangenen Jahren verboten die amerikanische und europäische Regierungen mehrfach chinesische Übernahmen, um den Know-how-Abfluss zu verhindern.


Quellen: PWC, South China Morning Post, International Federation of Robotics (IFR), Center for Strategic and International Studies (CSIS), Europäische Handelskammer in China

Redaktion: Bastian Benrath, Bernhard Bartsch
Infografik: Infographics Group
F.A.Z.-Grafik: Bernd Helfert, Jens Giesel

Die Grafiken und die verwendeten Recherchen stammen aus dem Projekt

Asia in Infographics
Bernhard Bartsch
Infographics Group

Mit freundlicher Genehmigung der
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Quelle: FAZ.NET

Veröffentlicht: 12.12.2018 17:44 Uhr