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Entwicklung der Inflation : Wenn sich Fakten ändern

Amerika: Menschen gehen an der New Yorker Börse vorbei, nachdem die Aktienkurse gefallen sind. Bild: AFP

„Wenn sich die Fakten ändern, ändere ich meine Meinung“, sagte einst John Maynard Keynes. Doch wieder einmal sind gerade seine Jünger mit den Lehren des Meisters überfordert.

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          Die Pandemie und die Politik zur Bekämpfung des Klimawandels sind zwei Großereignisse innerhalb kurzer Zeit, die nicht nur einzelne Länder, sondern das Leben sehr vieler Menschen auf diesem Globus schon heute beeinflussen und weiter stark beeinflussen werden. Diese Großereignisse werden begleitet von einer digitalen Revolution, die nicht nur das Wirtschaftsleben erheblich transformiert. Glauben wir allen Ernstes, dieses Zusammentreffen von Großereignissen und einer digitalen Revolution sollte uns dazu einladen, Trends aus der Vergangenheit einfach fortzuschreiben, als geschehe gerade nichts Außergewöhnliches?

          Das Risiko berücksichtigen

          Zwei Beispiele aus diesen Tagen geben Anlass zum Nachdenken. In den Vereinigten Staaten hat die Inflationsrate im April mit 4,2 Prozent ihren höchsten Stand seit dem Jahre 2008 erreicht; in Deutschland dürfte die Inflationsrate im Jahresverlauf die Marke von 3 Prozent übertreffen. Unbestreitbar wirken auf die Inflation derzeit auch vorübergehende Effekte ein. Und es wäre unseriös, auf längere Sicht deutlich höhere Inflationsraten als sicher anzunehmen.

          Aber ausschließen lassen sie sich nicht. Die deutlich gestiegenen Staatsverschuldungen und Notenbankbilanzen müssen die Inflationsrate nicht treiben, aber wenn die Geldpolitik nicht rechtzeitig gegensteuert, ist nicht unmöglich, dass sie es tun werden. Die Kapitalmärkte beginnen jedenfalls, das Risiko höherer Inflationsraten allmählich in ihren Entscheidungen zu berücksichtigen. Vielleicht merken dies ja auch die Geldpolitiker.

          Der Umbau ganzer Volkswirtschaften im Zeichen der Klimapolitik wird in einem überschaubaren Zeitraum sehr viel Geld kosten und erhebliche Veränderungen mit sich bringen, wie wir wirtschaften und wie wir leben. Auf Unternehmen, die diesen Wandel gestalten wollen, wartet ein riesiger Investitionsbedarf. Was soll man davon halten, wenn auf die Idee der FDP, die Unternehmensteuern zu senken, ausgerechnet in einer solchen Situation von Ökonomen die Antwort kommt, in Zeiten einer säkularen Stagnation hätten Unternehmen kaum Investitionsbedarf? Von John Maynard Keynes stammt der berühmte Satz: „Wenn sich die Fakten ändern, ändere ich meine Meinung.“ Wieder einmal sind gerade seine Jünger mit den Lehren des Meisters überfordert.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

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