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Wirtschaftskrise : Inflation in der Türkei fällt unter 20 Prozent

  • Aktualisiert am

Recep Tayyip Erdogan Anfang dieses Monats bei einer Kundgebung in der türkischen Provinz Ordu. Bild: EPA

Erstmals nach Erdogans Verbalattacken gegen die türkische Notenbank ist die Inflationsrate wieder unter die 20-Prozent-Marke gesunken. Die Regierung hat in der Zwischenzeit dem „Lebensmittel-Terror“ den Kampf angesagt.

          Die Inflationsrate in der Türkei ist im Februar erstmals seit einem halben Jahr unter die Marke von 20 Prozent gefallen. Die Verbraucherpreise lagen um durchschnittlich 19,67 Prozent höher als ein Jahr zuvor, wie aus den am Montag veröffentlichten amtlichen Daten hervorgeht.

          Der Verfall der Lira – die rund 30 Prozent zum Dollar abwertete – hatte die Teuerung im vergangenen Oktober noch auf das Fünfzehnjahreshoch von gut 25 Prozent gehievt. Durch die schwache Währung werden Importe deutlich teurer, auf die das rohstoffarme Land stark angewiesen ist.

          „Trotz eines negativen saisonalen Einflusses blieb die Inflation der Nahrungsmittel unter den Erwartungen“, sagte Finanzminister Berat Albayrak. „Wir sind fest davon überzeugt, dass wir das Jahr 2019 mit einer besseren Leistung abschließen werden als angestrebt und unsere einstelligen Inflationsziele schneller erreichen werden als erwartet.“

          Strafen gegen künstlich hohe Preise

          Präsident Recep Tayyip Erdogan will die Teuerungsrate auf sechs bis sieben Prozent drücken. Wie dies gelingen soll, ließ Erdogan am Wochenende in einer Wahlkampfrede in Rize im Nordosten der Türkei offen. Auch einen genauen Zeitraum nannte er nicht. Er bezog sich aber offenbar auf die Zeit nach der Kommunalwahl am 31. März.

          Im Kampf gegen die starke Teuerung hat die Regierung die Steuern für Konsumgüter gesenkt. Sie ließ im Februar zudem Marktstände mit preiswertem Gemüse im Angebot in den größten Städten Istanbul und Ankara eröffnen, um gegen – wie sie es nannte – „Lebensmittel-Terror“ vorzugehen. Angekündigt wurden zudem Strafen gegen jene, die Preise künstlich hoch zu halten versuchten.

          Die Lira war 2018 unter Druck geraten, da Investoren nach Verbalattacken Erdogans an der Unabhängigkeit der Zentralbank zweifelten. Zudem verstärkten politische Spannungen zwischen der Türkei und den Vereinigten Staaten die Konjunktursorgen. Die Zentralbank hatte wegen der schwächelnden Währung ihre Zinsen deutlich erhöht, um die Lira wieder attraktiver zu machen. Fachleute gehen zum Teil davon aus, dass die Notenbank im Juni mit Zinssenkungen beginnen wird.

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