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Scholz’ Wahlversprechen : Das Ende des Neubaus

Kein finanzielles Fiasko: Laufende Projekte werden noch fertiggebaut, neue Projekte von vielen Wohnungsbauunternehmen jedoch nicht mehr angestoßen. Bild: dpa

Wegen der stark steigenden Kosten für Material und Kredite rechnen sich Bauvorhaben kaum noch. Die von Bundeskanzler Scholz versprochenen 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr rücken so in weite Ferne.

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          Es ist eine Zahl aus einer anderen Zeit. Als Olaf Scholz im Mai vergangenen Jahres als SPD-Kanzlerkandidat 400.000 neue Wohnungen jährlich versprach, lag der Zinssatz für Hypothekendarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung unterhalb von einem Prozent und die Inflationsrate in Deutschland betrug 2,5 Prozent. Ende November, als sich das Neubauziel im ausgehandelten Koalitionsvertrag wiederfand, war die Inflation zwar schon deutlich gestiegen, Kredite aber waren immer noch günstig. Wohl dem, der damals schon baubereit war. Seitdem sind die Preise derart in die Höhe geschossen, dass es ein hohes Maß an Leidensfähigkeit erfordert, heute noch zu bauen.

          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Die Hypothekenzinsen liegen inzwischen deutlich über 3 Prozent. Für private Bauherren bedeutet das eine monatliche Mehrbelastung von mehreren hundert Euro, Immobilienunternehmen mit Mehrfamilienhaus-Projekten sehen sich mit entsprechend höheren Summen konfrontiert. Zum steigenden Zinsdienst kommen die Mehrkosten, die aus gestörten Lieferketten und steigenden Energiepreisen resultieren. Konstruktionsvollholz plus 77 Prozent, Dachlatten plus 65 Prozent, Betonstahlmatten plus 53 Prozent: Schon im vergangenen Jahr ging es steil nach oben. Seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine haben sich die Engpässe noch verschärft.

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