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Ineffiziente Klimapolitik : Extrem viel Geld für wenig Effekt

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Aber wenn man nun den Klimaeffekt berechnet, der sich aus der CO2-Emissionsminderung der Europäer aufgrund dieser Strategie ergibt, kommt man zu einer erschreckend belanglosen Zahl: Laut den Standard-Klimamodellen des IPCC wird die 20-20-Strategie den globalen Temperaturanstieg nur um 0,05 Grad Celsius reduzieren. Die deutsche Energiewende, die ja noch viel höhere Zielwerte für die Erneuerbaren setzt, hat auch keine bessere Bilanz. Die rund 100 Milliarden Euro, die schon jetzt den Solarstromproduzenten an Subventionen versprochen worden sind, haben einen minimalen Effekt auf das Klima. Setzt man die hierdurch erreichten CO2-Einsparungen in die üblichen Klimamodelle ein, ergibt sich eine Verzögerung der Erderwärmung um bloß 37 Stunden bis Ende des Jahrhunderts. Für jeden Euro, den die EU und Deutschland mit ihrer gegenwärtigen Politik ausgeben, vermeiden sie etwa 3 Cent Schäden durch den Klimawandel. Das ist keine rationale Politik!

Es überrascht nicht, dass der IPCC-Bericht mehr Aufmerksamkeit im besorgten Europa erregt hat als in anderen Teilen der Welt. Ein Großteil der Schwellen- und Entwicklungsländer hat aktuell andere Prioritäten. Sie plagen sich damit, dass etwa 3,5 Millionen Menschen jährlich an Luftverschmutzung sterben, weil sie keinen modernen Brennstoff zur Verfügung haben und deshalb mit Holzkohle und Abfällen heizen und kochen, oder dass 10 Millionen Menschen an leicht heilbaren Krankheiten sterben. Länder wie China sorgen sich darum, die nächsten 100 Millionen Menschen aus der Armut zu befreien. Wenn die Maßnahmen gegen Klimawandel nicht ökonomisch effizient sind, dann werden sie nicht nachhaltig sein, weil um ihren Aufstieg kämpfende Länder wie China oder Indien sich ihnen nicht anschließen werden.

Für das Copenhagen Consensus Center hat eine Gruppe von Ökonomen, darunter drei Wirtschaftsnobelpreisträger, die verschiedenen Strategien gemäß ihres Kosten-Nutzen-Verhältnisses evaluiert und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die klügste langfristige Strategie nicht darin liegt, die heutigen, sehr ineffizienten „grünen“ Technologien (wie die derzeitigen Solarpanele) zu subventionieren. Stattdessen müsste der Schwerpunkt darauf gelegt werden, durch Forschung und Innovationen die Kosten zu senken von künftigen Generationen von Windkraft- und Solaranlagen sowie vieler anderer, erstaunlicher Möglichkeiten. Wenn solche erneuerbaren Energiequellen einmal wirklich billiger sind als fossile Brennstoffe, dann wird jeder auf der Welt sofort dorthin wechseln, nicht nur die subventionierten, wohlmeinenden Westler.

Die globalen Ausgaben dieses Ansatzes mit Forschung und Entwicklung würden weniger als die Hälfte der derzeitigen EU-Klimapolitik betragen. Und der Nutzen wäre hoch. Damit könnte man bis zu 11 Euro künftiger Klimawandelschäden mit nur 1 Euro Ausgaben vermeiden. Das ist eine rationale, hocheffiziente Politik. Der moderate neue IPCC-Bericht sollte jetzt die Debatte in konstruktive Bahnen lenken. Statt sich in Angstszenarien zu ergehen, müssen wir den Klimawandel als eine der vielen Herausforderungen begreifen, die dieses Jahrhundert stellt. Realistische, kosteneffiziente Investitionen sind das Gebot der Stunde.

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