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Ineffiziente Klimapolitik : Extrem viel Geld für wenig Effekt

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Allerdings kommen diese Modelle auch zu dem Ergebnis, dass die gegenwärtige moderate Erwärmung unter dem Strich sogar einen globalen Wohlstandsgewinn bedeutet, wobei dieser ungleich verteilt ist. Einige Länder, die in kalten und gemäßigten Zonen liegen, profitieren; andere in den heißen Zonen haben Einbußen. Weltweit verursacht die Kälte jedoch bei weitem mehr Tote als die Hitze. Steigen die Temperaturen, so wird die Zahl der vermiedenen Kälte-Toten die der Hitze-Toten bei weitem überwiegen. Mitte des 21. Jahrhunderts schätzen Forscher die Zahl der zusätzlichen durch Hitze verursachten Sterbefälle auf 400 000, die Zahl der vermiedenen Kälte-Toten aber auf 1,8 Millionen (F. Bosello, R. Roson, R. Tol: „Economy-wide estimates of the implications of climate change: Human health“, in: „Ecological Economics“, 2006).

Ökonomisch gesehen ist eine moderate Erwärmung ein Vorteil, weil die Getreideernten auf der ganzen Welt insgesamt steigen (CO2 in der Luft hat einen Düngeeffekt) - unter dem Strich zumindest, weil sie in den gemäßigten Klimazonen stärker wachsen als sie in den tropischen Ländern sinken. Zudem gibt es eine große Ersparnis an Heizkosten, die größer ist als die Zusatzausgaben für Kühlung. Laut Schätzungen von Wissenschaftlern in dem demnächst erscheinenden Buch „How Much Have Global Problems Cost the World: A Scorecard from 1900 to 2050“ (Cambridge University Press) hat die globale Erwärmung seit dem Jahr 1900 einen Nettonutzen für die Menschheit gebracht.

Kosten-Effizienz ist notwendig

Ihre Wohlstandsgewinne - etwa 1,5 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts - werden etwa im Jahr 2025 einen Hochpunkt erreichen. Erst gegen Ende des Jahrhunderts wird die Erderwärmung einen Nettoverlust bedeuten. Das bedeutet: Wir dürfen uns nicht zurücklehnen, denn der Klimawandel wird ein zunehmendes Problem, aber die politischen Maßnahmen, die wir ergreifen, müssen kosten-effizient sein. Die Schlussfolgerung vieler Klimaaktivisten, dass wir jetzt sofort eine strenge Politik zur CO2-Minderung auflegen müssen, sieht vor dem Hintergrund der bisherigen Politiken und dem bisher Erreichten fragwürdig aus. Das Kyoto-Protokoll ist gescheitert. Für manche andere politische Maßnahmen haben einige Länder zwar phänomenale Summen ausgegeben, doch dafür sehr wenig erreicht.

Nehmen wir zum Beispiel die weltweit bedeutendste Klimapolitik, die 2020-Strategie der EU mit ihrem Herzstück, der Reduzierung der CO2-Emissionen gegenüber 1990 um 20 Prozent bis zum Jahr 2020 und der Erhöhung des Anteils der Erneuerbaren Energien auf 20 Prozent. Diese Politik bringt enorm hohe Kosten mit sich, zum einen direkt, aber noch mehr indirekt durch ein Zurückhalten des Wachstums in Europa. Laut durchschnittlicher Schätzung der führenden energiewirtschaftlichen Modelle, die erstmals Richard Tol ausgewertet hat, kostet die 2020-Strategie jährlich etwa 185 Milliarden Euro. Über das gesamte 21. Jahrhundert würde eine Fortsetzung der Politik rund 15 Billionen Euro kosten. („A cost-benefit analysis oft he EU 20/20/2020 package“, in: „Energy Policy“, Oktober 2012)

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