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Industrietechnik : Verständigung im Maschinenraum

Heutige Fertigungstechniken - hier bei Volkswagen - erweisen sich als nicht ausreichend flexibel. Bild: dpa

Effiziente Massenproduktion - das war das Ziel bisher. Effiziente Einzelfertigung ist das Ziel der Zukunft. Auf dem Weg zur Industrie 4.0 ist Deutschland führend.

          6 Min.

          Auf dem Brett, so lautet die Schachregel, darf der Bauer nach seinem Eröffnungszug nur noch jeweils einen Schritt nach vorn gehen: kann er schlagen, bewegt er sich diagonal auf den gegnerischen Stein zu. Es sind klare Anweisungen und unzweideutige Regeln, die ein Schachcomputer einer Vielzahl durchgespielter Zugvarianten zugrunde legt. Am Ende kennt er zudem nur ein Ziel. Es gilt, den König schachmatt zu setzen.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Carsten Knop
          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          So messerscharf definiert ist die künstliche Intelligenz der Industrie 4.0 ganz und gar nicht. Ablaufpfade in der Produktion können ebenso wenig vorgegeben sein wie die Ziele. Sie können sich - wenn erforderlich - vielmehr sogar laufend ändern, Stunde für Stunde, Tag für Tag, Woche für Woche. Primat hat die höchstmögliche Flexibilität und Effizienz in der Fertigung. Da können lediglich Regeln vorgegeben, Optimierungskriterien festgelegt und so ein Rahmen geschaffen werden. Die Entscheidung darüber, wie die Produktion am besten durchgezogen wird, treffen deshalb fast überall noch Menschen. Deshalb beherrscht der Computer zwar das Schachspiel, aber nicht die Produktionssteuerung. Noch nicht. Denn dieMaschinen holen auf - immer schneller.

          Das „Internet der Dinge“

          “Industrie 4.0“ heißt die vierte Revolution der Industrialisierung, die der Menschheit nun ins Haus steht - nach der Erfindung der Dampfmaschine, der Entwicklung von Massenproduktion und Fließbandarbeit, der Automatisierung der Produktion durch Elektronik und Informationstechnik, die man als Industrien 1.0 bis 3.0 bezeichnen könnte. Die Anspielung der Begrifflichkeit auf das „Web 2.0“ ist Absicht, denn die in den vergangenen Jahren so rasant gewachsenen sozialen Netzwerke im Internet sind ein Vorbild. Man nennt die Industrie 4.0 deshalb auch gern „Internet der Dinge“, denn über allem steht das Motto „Kommunikation der Teile und Maschinen“. In der industriellen Produktion hat die vierte industrielle Revolution mit dem Einzug künstlicher Intelligenz aber gerade erst begonnen.

          Deswegen spricht Siegfried Russwurm derzeit auch noch lieber von Evolution, auch wenn er tatsächlich Revolution meint: „Es gibt keine dramatischen, radikalen Veränderungen“, sagt der Siemens-Vorstand und Chef der Industriesparte, dem zweitgrößten Geschäftsbereich des Münchner Technologiekonzerns. „Eine Maschine wird in absehbarer Zeit keine eigenständige Intelligenz haben, sie wird nach wie vor nur Algorithmen abarbeiten können.“ Erst im Rückspiegel betrachtet, werde sich dann der gewaltige Wandel, der sich in diesen Tagen in der industriellen Produktion Bahn bricht, als eine Revolution entpuppen. „Den Endausbau, in dem ein umfassendes Netzwerk einer Maschinerie eigenständig über den Produktionsablauf entscheidet, werde ich in meiner beruflichen Laufbahn nicht mehr erleben“, sagt der 49 Jahre alte Siemens-Manager.

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