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Industriehafen bei Rio de Janeiro : Eike Batista baut sich seine Welt der Gigantonomie

  • -Aktualisiert am

Der Superhafen: In zwei Jahren sollen hier die größten Schiffe der Welt anlegen und Batistas Industriezentrum versorgen Bild: Thomas Milz

Nichts ist ihm zu groß, nichts zu schwierig. Der Industrielle Eike Batista baut bei Rio de Janeiro einen Superhafen. In zwei Jahren soll der größte, modernste und effizienteste Industrieport Brasiliens fertig sein. Eine Großstadt will Batista gleich dazu bauen.

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          Sanft hebt der Hubschrauber auf dem Stadtflughafen Santos Dumont in Rio de Janeiro ab, in einer kurzen Schleife grüßt er den Zuckerhut und schwenkt dann Richtung Norden ab. Eine Stunde geht es an der Küste entlang. Und dann, fast an der Grenze zum Bundesstaat Espirito Santo, erscheint auf sandigem, mit kleinen Lagunen durchsetztem und karg bewachsenem Gelände mit einem Mal wie eine Fata Morgana eine Riesenbaustelle.

          Lastwagen kriechen wie Würmer über provisorisch angelegte Straßen, am Rand des Terrains sind riesige Steinhaufen aufgetürmt. Inmitten eines Sees entstehen zwei bizarre Rundbauten. Der Hubschrauber nimmt wieder Kurs auf die Küste, fliegt an einer riesigen Brücke entlang hinaus auf das Meer und verharrt an ihrem vorläufigen Ende eine Weile, so dass man den gesamten Komplex vom Wasser her gut überblicken kann.

          Zwei Milliarden für ein riesiges Hafengelände

          Schon 2012 sollen an der fast drei Kilometer langen Brücke die ersten Schiffe anlegen, und in den Jahren danach wird das 9000 Hektar große Gelände an der Küste kontinuierlich zu einem riesigen Hafen- und Industriegelände ausgebaut. Was bei der Stadt São João da Barra im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro praktisch aus dem Nichts entsteht, nennt sich jetzt schon „Superhafen von Açu“.

          Der Großindustrielle Eike Batista
          Der Großindustrielle Eike Batista : Bild: REUTERS

          Erfinder und Erbauer des gigantischen Projekts ist der brasilianische Industrielle Eike Batista, Gründer und Chef der Holding EBX, zu der fünf Firmen gehören, die auf so unterschiedlichen Feldern wie der Erdöl- und Erdgasförderung, der Stahlherstellung oder dem Bau von Fördergeräten bis hin zu kompletten Bohrinseln tätig sind. Die Namen all dieser Firmen tragen drei Buchstaben, der letzte ist immer ein X. Der logistische Komplex der Gruppe, der für den Bau des Superhafens zuständig ist, nennt sich LLX.

          Rund zwei Milliarden Euro will Batista zunächst in den privaten Hafen investieren, der weltweit einer der modernsten und effizientesten werden soll. Insgesamt soll das Projekt Investitionen von knapp 36 Milliarden Dollar anziehen. Mit den Bauarbeiten ist 2007 begonnen worden, bis 2025 reichen einstweilen die Pläne für den Ausbau. Batista wäre nicht der dynamischste und phantasievollste - nebenbei auch reichste - Unternehmer seines Landes, wenn er es bei dem Bau der Hafenanlagen belassen würde.

          Nichts ist nicht geplant

          Der gesamte Komplex ist als Industriehafen geplant. Erdöl soll verarbeitet werden, das küstennah in nicht allzu großer Tiefe schon ausfindig gemacht wurde. Außerdem werden auf dem Gelände ein Elektrokraftwerk, das das gesamte Hafengebiet mit elektrischer Energie versorgen soll, und ein Stahlwerk entstehen. Aus dem dort produzierten Stahl will Batista in einer Werft auch gleich Schiffe bauen lassen, „Superschiffe“ selbstverständlich, mit bis zu 21, später vielleicht auch 24 Meter Tiefgang. Außerdem gehören zu dem Komplex metallverarbeitende Betriebe und eine Zementfabrik. Sie hat schon längst ihren Betrieb aufgenommen und liefert den Zement für den Beton, der in Massen benötigt wird. Die Steine für die Molen kommen aus einem nahegelegenen Steinbruch, den Batista vorsorglich gleich dazugekauft hat.

          Nichts ist dem Unternehmer Eike Batista bei seinem Vorhaben zu groß oder zu schwierig. Vor allem achtet er darauf, dass alles ineinandergreift, um synergetischen Nutzen aus dem gesamten Vorhaben ziehen zu können. Er plant auch gleich einen 400 Meter breiten und rund 45 Kilometer langen „logistischen Korridor“ mit vier Autospuren, zwei Eisenbahnlinien und drei Stromleitungen. Spezialfirmen sollen all jene Dienstleistungen erbringen, die für Produktion, Lagerung und Transport von Waren nötig sind. In dem „Superhafen“ sollen dereinst jährlich 60 Millionen Tonnen Eisenerz verarbeitet werden, 46,4 Millionen Kubikmeter Erdöl, 10,2 Millionen Tonnen Eisen- und Stahlerzeugnisse und 12,6 Millionen Tonnen Kohle.

          Batista sucht deutsche Investoren

          Bis jetzt hat die LLX schon rund 60 Absichtserklärungen mit unterschiedlichen Firmen abgeschlossen, die sich auf dem Gelände niederlassen oder über den „Superhafen“ Waren bewegen wollen. Vor allem deutsche Investoren will Batista für sein Vorhaben noch begeistern. Der drittgrößte chinesische Stahlproduzent Wisco soll beim Aufbau und Betrieb des Stahlwerkes mitwirken und anfänglich fünf Millionen Tonnen Stahl produzieren. Im Schiffsbau will Batista mit der koreanischen Hyundai-Werft zusammenarbeiten. Mit dieser Kooperation ist auch ein Technologietransfer verbunden, der es - so weit reichen Batistas Visionen - Brasilien schon in fünf Jahren erlauben soll, eigenständig Schiffe von imponierender Größe zu bauen.

          Derzeit arbeiten 3000 Personen am Aufbau des Hafens. Wenn alle Fabrikationsanlagen und Transporteinrichtungen funktionieren, sollen auf dem Gelände einmal 50 000 Menschen tätig sein. In dem derzeit nahezu menschenleeren Küstengebiet mit einem flachen, weiten Hinterland wird deshalb auch eine Stadt für 250 000 Bewohner entstehen. Dieses urbanistische Projekt trägt den vorläufigen Namen EBX-City. Für die Planung hat Batista den brasilianischen Urbanisten, Architekten und Politiker Jaime Lerner engagiert, der das südbrasilianische Curitiba städtebaulich und infrastrukturell neu geordnet hat.

          Die Fehler, die beim Bau der Hauptstadt Brasília begangen wurden, sollen in der neuen Hafenstadt nicht wiederholt werden. Versorgungseinrichtungen und Geschäfte sollen für alle Bewohner leicht erreichbar sein. Für den öffentlichen Transport von der Wohnstadt zum Hafen - und damit zu den Arbeitsplätzen - soll vorrangig ein originelles und besonders effizientes Verkehrsmittel genutzt werden: das Vaporetto, ganz wie in Venedig. Denn das von Lagunen und Seen durchsetzte Gelände muss entwässert werden, es wird dann von Kanälen durchzogen sein, die Batista als Verkehrswege nutzen möchte. Eines will er auf jeden Fall vermeiden: das Entstehen von Favelas - von Elendssiedlungen, wie sie sich in Brasília abseits des aseptischen „Plano Piloto“ mit seinen öffentlichen Gebäuden draußen in den Satellitenstädten gebildet haben.

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