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Industriegase : Air Liquide übernimmt Messer Griesheim

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Bild: F.A.Z.

Der weltweit größte Hersteller von Industriegasen Air Liquide will für 2,7 Milliarden Euro das Geschäft von Messer Griesheim in Deutschland, Großbritannien und den Vereinigten Staaten übernehmen.

          Der weltweit größte Hersteller von Industriegasen, Air Liquide, will für 2,68 Milliarden Euro den Industriegasespezialisten Messer Griesheim übernehmen.

          Die Transaktion sei Teil einer geplanten Veränderung der Eigentümerstruktur von Messer Griesheim, teilte das deutsche Unternehmen am Dienstag mit. Die Transaktion müsse noch von den zuständigen Behörden genehmigt werden und soll voraussichtlich Mitte 2004 abgeschlossen sein.

          Familie Messer will Kontrolle behalten

          Die Familie Messer plane die Fortführung des Geschäfts mit Industriegasen und die Übernahme der Kontrolle über die Gesellschaft, hieß es weiter. Die beiden Finanzinvestoren ACP Allianz Capital Partners und Goldman Sachs wollen sich mit der Transaktion aus Messer zurückziehen und geben ihre Anteile an die Holdinggesellschaft der Messer-Familie.

          Linde-Konkurrent Messer Griesheim geht an Air Liquide

          Nach dem Verkauf der Gesellschaften in Deutschland, Großbritannien und den Vereinigten Staaten Ländern werde die Messer-Gruppe neu formiert. Sie werde dann in 26 Ländern in West- und Osteuropa sowie in China und Peru tätig sein. Die neue Gruppe mit Sitz in Frankfurt erzielte 2003 den Angaben zufolge einen Pro-Forma-Umsatz von geschätzt 470 Millionen Euro und beschäftigt mehr als 3.600 Mitarbeiter.

          Sollte die Transaktion mit Air Liquide wegen der Nichterfüllung möglicher Auflagen der Kartellbehörden untersagt werden, wäre das Pariser Unternehmen verpflichtet, einen Schadenersatz von etwa acht Prozent des Kaufpreises zu zahlen.

          Aufteilung der Messer-Gruppe läuft

          Bereits im November hatten die Gesellschafter des Industriegaseherstellers und Linde-Konkurrenten Messer Griesheim entschieden, die Gruppe aufzuteilen. Dabei hatten sich die drei Gesellschafter, die Gründerfamilie Messer, die Investmentbank Goldman Sachs und die ACP Allianz Capital Partners, über den Verkauf einzelner Gruppenteile verständigt.

          Die Aufteilung steht dabei unter einem gewissen Zeitdruck. Die Vorkaufsrechte der Familie Messer, die in der Messer Industrie GmbH (MIG) gebündelt sind, gelten nur bis zum Frühjahr 2004. Neben dem Weltmarktführer Air Liquide soll Branchenkreisen zufolge auch die deutsche Nummer eins Linde Interesse an Messer Griesheim gezeigt haben.

          Die Allianz-Gruppe und von Goldman Sachs beratene Fonds kontrollieren derzeit die Messer-Gruppe und halten jeweils rund 33 Prozent an dem Industriegasespezialisten. Die Messer-Familie hielt zuletzt rund 32 Prozent der Anteile. Die Finanzinvestoren hatten ihre Anteile 2001 von Aventis erworben.

          Air Liquide will Transaktion über Schulden abwickeln

          Air Liquide geht davon aus, daß die von Messer Griesheim übernommenen Gesellschaften bereits im ersten Jahr den Gewinn steigern. Vom dritten Jahr an soll der Synergieeffekt der Transaktion rund 100 Millionen pro Jahr betragen. Der Kauf soll komplett über Schulden finanziert werden.

          Das Unternehmen reduzierte zum ersten Halbjahr 2003 seine Verschuldung deutlich auf 2,1 Milliarden Euro. Dies entspricht 38,3 Prozent des Eigenkapitals. Das Ergebnis der französischen Air Liquide war zuletzt von der Dollarschwäche belatet. Während der Umsatz im ersten Halbjahr 2003 um 6,8 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro zulegte, verbesserte sich das Betriebsergebnis nur um 1,5 Prozent auf 581,4 Milliarden Euro.

          Air Liquide hofft auf geringeren Kaufpreis

          Air Liquide hofft bei der Übernahme auf einen geringeren Kaufpreis für die Messer-Griesheim-Aktivitäten. Die zuständigen Kartellbehörden würden möglicherweise die Veräußerung von 20 Prozent der erworbenen Aktivitäten verlangen, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Dies könnte eine Verringerung des Preises zur Folge haben. In dem Kaufpreis von 2,68 Milliarden Euro sind nach Aussage des Chairman von Air Liquide Schulden der deutschen Gesellschaft von 1,2 Milliarden Euro enthalten.

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