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Industrieansiedlung : Die Autos von morgen kommen aus Osteuropa

Bild: F.A.Z.

In Ungarn, Tschechien, und der Slowakei haben sich die Autobauer schon breit gemacht. Und schrauben rund um die Uhr. Der Schrecken der IG Metall ist die Slowakei. Die Automobilindustrie kehrt Deutschland den Rücken.

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          Der Schrecken der IG Metall ist die Slowakei. Wer will, kann hier sieben Tage in der Woche rund um die Uhr produzieren. Und produzieren heißt hier häufig: Autos bauen.Die Karpartenrepublik hat Automobilkonzerne aus aller Welt auf sich aufmerksam gemacht. Die ersten Früchte erntet Bratislava. Die Altstadt des früheren Preßburg ist hübsch herausgeputzt, bunte Geschäfte und Straßencafes verdrängen das Grau des Sozialismus. Volkswagen & Co. haben Wohlstand in die Hauptstadt gebracht.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Ganz Osteuropa schickt sich an, dank niedriger Arbeitskosten und Steuern sowie qualifizierter Fachkräfte zur Autoregion zu werden. Überall macht sich die Automobilindustrie breit: Toyota und Skoda setzen auf Tschechien, Audi präferiert Ungarn, Renault schmiedet große Pläne für Rumänien. Und in der Slowakei investieren vier Hersteller: VW, Hyundai, Toyota und PSA Peugeot-Citroen.

          Anziehend: niedrige Steuern, Investitionszuschüsse, günstige Arbeit

          "Die Automobilindustrie ist sehr, sehr bedeutend für die Slowakei", sagt Jozsef Berenyi, Staatssekretär im Außenministerium. Daß das kleine Land elf Jahre nach der Teilung der Tschechoslowakei in große Abhängigkeit von nur einem Industriezweig gerät, stört den Politiker nicht. "Sollen wir Investoren ablehnen?" fragt Berenyi. Er schätzt die, die schon da sind. Und freut sich über diejenigen, die noch kommen. Wie zum Beispiel Hyundai. Der koreanische Automobilkonzern wird für seine Marke Kia mit dem Bau eines Werkes in der ostslowakischen Stadt Zilina beginnen. Auch PSA Peugeot-Citroen gibt 700 Millionen Euro für einen neuen Standort in der Slowakei aus.

          Angezogen von niedrigen Steuern, öffentlichen Investitionszuschüssen und günstiger Arbeit. Kein anderes der zehn EU-Beitrittsländer hat eine derart liberale Arbeitsverfassung und ein so revolutionäres Steuersystem. Mit der kühnen "Super-19-Formel" hat die liberal-konservative Regierung entschlossen Reformen vorangetrieben: Einkommen-, Körperschaft- und Mehrwertsteuer betragen einheitlich 19 Prozent. Berenyi sieht damit sein Land im Wettbewerb um Auslandsinvestitionen bestens vorbereitet.

          Viel erreicht im Zusammenspiel von Politik und Industrie

          Die Westslowakei ist durch Volkswagen zu einem europäischen Autozentrum gereift. Europas größter Autokonzern hat vor den Toren Bratislavas ein hochmodernes Werk mit 9200 Arbeitsplätzen errichtet, die Produktion des Luxus-Geländewagens Touareg ist an der Kapazitätsgrenze. Gut 1,2 Milliarden Euro wurden seit 1993 investiert, von 1998 gab es obendrein eine auf zehn Jahre angelegte Steuerbefreiung. "Das allein", sagt Jozef Uhrik, Vorstandsvorsitzender von VW Slovakia, "war nicht ausschlaggebend für die weiteren Investitionen."

          Industrie und Politik hätten im Zusammenspiel viel erreicht, meint Uhrik, der seit Jahren Berater des Ministerpräsidenten ist und vor seiner Zeit bei VW einmal stellvertretender Wirtschaftsminister der Slowakei war. Er ist stolz: In Bratislava liegt die Wirtschaftsleistung pro Kopf inzwischen über dem Durchschnittswert der fünfzehn EU-Mitglieder, der Arbeitsmarkt ist fast leergefegt. Vom EU-Beitritt am 1. Mai versprechen sich auch die armen östlichen Landesteile den Aufschwung. Kein Wunder, daß der Volksentscheid über den Beitritt vor einem Jahr mit einer Zustimmung von 92 Prozent so hoch ausfiel wie in keinem anderen der zehn Länder. Die Slowakei holt auf. Und in der Autoindustrie wird sie mit den neuen Werken von Kia und Peugeot-Citroen zum Nachbarn Tschechien aufschließen.

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