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Verunreinigter Plastikabfall : Indonesien schickt tonnenweise deutschen Müll zurück

Ein Indonesier sammelt Wertstoffe auf einer Mülldeponie in Denpasar, Bali. Bild: AFP

Indonesien will Plastikmüll an mehrere Industrieländer zurückschicken. Auch Deutschland steht auf der Liste. Es ist nicht das erste Mal, dass ein asiatisches Land den Westen wegen seines Abfalls in die Schranken weist.

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          Jetzt also Indonesien: Nach China, Malaysia und den Philippinen zeigt nun auch das südasiatische Land der westlichen Welt, dass es nicht ihre Müllhalde ist. 49 Container vollgepackt mit Abfällen, unter anderem aus Deutschland, warten derzeit vor der Insel Batam südlich von Singapur darauf, an ihre Absender zurückgeschickt zu werden. Die indonesische Zollbehörde hatte die Container herausgefischt, weil sie eine unzulässige Mischung aus Restmüll, Plastikabfällen und gefährlichen Materialien enthielten – und damit gegen Importbestimmungen des Inselstaates verstießen. Auch Frankreich, Amerika, Australien und die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong sollen Müll zurücknehmen, wie die Zollbehörde mitteilte. 

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Es ist schon das zweite Mal innerhalb kurzer Zeit, dass Indonesien die Aufnahme importierten Abfalls verweigert. Erst im Mai hatte die Regierung in Jakarta die Rücksendung von fünf Containern mit Müll in die Vereinigten Staaten veranlasst. In dem aktuellen Fall haben die Zollbeamten 65 Container mit importiertem Abfall überprüft – nur 16 davon hätten den gesetzlichen Anforderungen entsprochen. In 38 Containern befanden sich demnach giftige Stoffe, in elf weiteren seien nutzlose Abfälle und nicht wie angegeben recycelbare Wertstoffe gefunden worden. 

          In jüngster Vergangenheit war es häufiger zu ähnlichen Vorfällen gekommen: So hatte Kanada vergangene Woche nach einem jahrelangen Streit mit den Philippinen 69 Schiffscontainer Abfall zurückgenommen. Der Müll war zwischen 2013 und 2014 von einem kanadischen Unternehmen in das südostasiatische Land geschickt worden. Das Unternehmen hatte ihn fälschlicherweise als komplett recycelbar gekennzeichnet. Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte drohte Kanada im April deshalb gar mit „Krieg“.

          China machte dicht

          Ende Mai weigerte sich wiederum Malaysia, 3000 Tonnen nicht recycelbaren Kunststoffabfall aus dem Westen anzunehmen. „Wir rufen die entwickelten Länder auf, ihre Plastikmüllentsorgung zu überprüfen und nicht mehr in Entwicklungsländer zu transportieren“, sagte die malaysische Umweltministerin Yeo Bee Yin damals. 

          Dass es seit kurzem vor allem südasiatische Länder sind, die mit westlichem Abfall zu kämpfen haben, liegt an einem Beschluss Chinas aus dem Jahr 2018, ein Importverbot für industriellen und gewerblichen Plastikmüll zu verhängen. Der Schritt hatte gewaltige Auswirkungen auf den weltweiten Handel mit Abfall, denn bis zu diesem Zeitpunkt war die Volksrepublik der wichtigste Abnehmer für Plastikmüll gewesen. Fast die Hälfte der weltweiten Handelsmenge wurde dorthin verschifft, knapp 600.000 Tonnen jährlich allein aus Deutschland. 

          Die Müllexporteure der Welt mussten sich also neue Abnehmer suchen – und fanden sie in Südostasien. Malaysia avancierte innerhalb kürzester Zeit zum größten Plastikimporteur der Welt; Indonesien, Thailand, Indien und Vietnam witterten ebenfalls das große Geschäft. Auch Deutschland exportierte fleißig in die Länder, rund 30 Prozent der deutschen Plastikmüllausfuhren gingen im vergangenen Jahr nach Südostasien. Doch der importierte Abfall hielt in vielen Fällen nicht, was er versprach, war verunreinigt, unsortiert und im schlimmsten Fall sogar giftig. Viele Länder schränkten die Einfuhr infolgedessen wieder ein. Umweltverbände schlugen Alarm, weil sich der Müll auf Deponien türmte und in die Umwelt gelangte. 

          Neues Übereinkommen macht Hoffnung

          Gerade auf Deutschland wirft der aktuelle Fall kein gutes Licht, rühmt sich die Bundesrepublik doch gerne damit, vorbildlich mit ihrem Müll umzugehen. Recycling-Weltmeister ist hier ein oft bemühter Begriff, denn mit einer Recyclingquote von 66 Prozent liegt Deutschland im weltweiten Vergleich vorn. Doch die Bilanz ist bei genauerem Hinsehen Augenwischerei: Deutschland verdankt seine Medaille einer kreativen Auslegung des Begriffs Recycling. So zieht man hierzulande zur Berechnung der Recyclingquote die Müllmenge heran, die bei Recycling- oder Kompostieranlagen angeliefert wird – nicht aber den Teil, der tatsächlich wiederverwertet wird. 

          Im Fall von Plastikmüll wird derzeit weniger als 30 Prozent „stofflich“ verwertet, also zur Herstellung neuer Produkte verwendet. Der Rest wandert in die „thermische“ Verwertung – die Müllverbrennungsanlage – oder wird exportiert. Wie sich nun zeigt, handelt es sich dabei offenbar nicht immer um die den Importeuren angepriesene, qualitative Ware. 

          Hoffnung auf Besserung verspricht indes ein Beschluss vom Mai. In dem Baseler Übereinkommen verpflichteten sich mehrere Müllexporteure, darunter auch Deutschland, zu schärferen Regeln für den Handel mit Plastikabfällen. Nur wenn die Ware gereinigt, sortiert und recycelbarer ist, darf sie frei gehandelt werden, andernfalls müssen die Behörden zustimmen. Die EU will sogar noch einen Schritt weiter gehen: Ab 2021 soll der Export schlecht recycelbarer Abfälle in Entwicklungsländer komplett verboten werden.​

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