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Die Opec als Vorbild : Indonesien prüft Aufbau eines Nickel-Kartells

Lastwagen verladen Rohnickel in der Nähe von Sorowako auf der indonesischen Insel Sulawesi. Bild: REUTERS

Die Welt braucht Nickel für Stahl und Batterien. Das wichtigste Lieferland will aus seiner Stärke nun Kapital schlagen. China hat sich schon in Position gebracht.

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          Ausgerechnet eine der großen Demokratien Asiens, auf die Deutschland und Europa als Partnerland setzen, prüft den Aufbau eines Kartells für die wichtigsten Bestandteile für den Bau von Elektroautomobilen und die Stahlherstellung: Indonesiens Regierung denkt an den Aufbau eines Kartells der Lieferländer für Nickel und weitere Batterierohstoffe. Es könnte ähnlich wie der Zusammenschluss der Öllieferländer in der Organization of the Petroleum Exporting Countries (Opec) strukturiert sein.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          „Indonesien wird ein führender Produzent von Nickelprodukten werden, einschließlich der Batterien für Elektrofahrzeuge“, gibt Präsident Joko Widodo die Richtung vor. Mitte nächsten Monats wird sein Land den Gipfel der G-20-Länder ausrichten, der wichtigsten Industrienationen der Erde. Dort soll es auch um Lieferketten, Diversifikation und den wachsenden Protektionismus gehen.

          „Ich sehe die Vorteile der Gründung der Opec, um den Ölhandel zu steuern, und um Berechenbarkeit für potenzielle Investoren und Verbraucher zu gewährleisten“, sagte Bahlil Lahadalia, der Investitionsminister der größten Volkswirtschaft Südostasiens gerade. „Indonesien prüft die Möglichkeit, eine ähnliche Struktur für die Mineralien zu schaffen, die wir haben, einschließlich Nickel, Kobalt und Mangan“, zitiert die Financial Times den Minister.

          Allerdings wird es Lahadalia schwer haben: Zwar ist Indonesien der größte Nickellieferant der Welt. Doch ist der zweitgrößte Russland, dann folgen Australien und Kanada, die dem Kartellvorschlag kaum zustimmen werden. Seit 2020 hat Jakarta schon einen Ausfuhrbann über Nickel-Erz verhängt. Ziel ist es, mehr verarbeitende Industrie ins Land zu holen und damit mehr Arbeitsstellen zu schaffen.

          Allerdings ist über diese Abschottung ein Streit mit der Welthandelsorganisation (WTO) anhängig. Auch geriet Indonesien nicht nur aus Europa unter Druck, als es über Nacht einen Bann über die Ausfuhr von Palmöl verhängte, um die Preise auf seinem Heimatmarkt zu drücken. Lahadalia allerdings ballt die Faust: „Wir werden nicht nachgeben, wir werden unsere Politik nicht ändern“, kündigte er an.

          China investiert kräftig in den Bau von Batterien

          Eine Absprache wie bei der Opec wäre ein extrem harter Schlag auch für die deutsche Automobilwirtschaft auf dem Weg zur Elektromobilität. Das Land der mehr als 280 Millionen Menschen produziert knapp 40 Prozent des weltweiten Nickelverbrauchs. Der wird stark steigen: Australische Bodenschatzkonzerne wie BHP, die in die Nickelförderung zurückgekehrt sind, schätzen, dass sich der Nickelverbrauch der Welt bis 2030 verzwanzigfachen werde. Die Nickel-Reserven Indonesiens werden auf rund ein Viertel der Weltvorkommen geschätzt.

          Schon jetzt kommt es aber zu immer lauteren Klagen über Umweltprobleme. Die Nachrichtenagentur Nikkei berichtete gerade von Überhitzungen des Flusswassers und Fischsterben vor einer Reihe neuer Nickelfabriken im Indonesia Morowali Industrial Park (IMIP) auf Sulawesi, der für chinesische Konglomerate arbeitetet. Sie wiederum lieferten Batterien an „Tesla, Volkswagen und BMW“.

          Aufgrund der Arbeitsplätze in der Industrie hat sich die Zahl der Menschen rund um den IMIP in nur acht Jahren auf nun mehr als hunderttausend verzehnfacht. Insgesamt würden in Indonesien Projekte im Gesamtwert von 29 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit dem Bau von Automobilbatterien geplant, sagte Indonesiens Koordinierender Minister für Maritime Angelegenheiten und Investitionen, Luhut Pandjaitan. Deren ganz überwiegende Zahl liege in Händen von Chinesen.

          Indonesien hat Erfahrung mit dem Ölkartell: Bis es selbst ab 2004 Nettoimporteur wurde, war das Bodenschatzland Teil der Opec. Allerdings verfügt es, anders als die meisten Ölförder-Länder, über keinen Staatskonzern, der die Bodenschätze abbauen könnte. Das tun derzeit Ausländer vor allem für den Einsatz in der Stahlfertigung, wie die chinesische Tsingshan, der brasilianische Erzkonzern Vale oder die koreanischen Elektronikkonzerne LG und Hyundai. China hat seine Investitionen in den Wachstumsmarkt im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreswert verdreifacht.

          Auch Tesla-Gründer Elon Musk hatte sich lange bemüht, in großem Maße Nickel aus Indonesien für seinen Fahrzeugbau zu nutzen oder dort sogar eine Fertigung aufzusetzen. Noch im Sommer 2020 tweetete Musk: „Nickel ist die größte Herausforderung für starke Batterie mit hoher Reichweite. Australien und Kanada sind ganz gut aufgestellt. Die Nickelproduktion in den Vereinigten Staaten lahmt. Indonesien ist großartig!“

          Am Ende aber kamen die Regierung und der Firmenchef nicht überein. Umweltprobleme und die Ausbeutung von Arbeitskräften sprachen gegen eine Ansiedlung. Allerdings kaufe Tesla inzwischen Nickel im Wert von rund 5 Milliarden Dollar aus Sulawesi, erklärte Pandjaitan.

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