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Konjunktur : Investoren trauen Indien nicht

Arbeiter in Mumbai Bild: Reuters

Die Wirtschaft Indiens wächst mit rund sieben Prozent. Doch die Investitionen in der drittgrößten Volkswirtschaft bleiben weit hinter den Versprechen der Modi-Regierung zurück

          1 Min.

          Das Wirtschaftsklima in Asiens drittgrößter Volkswirtschaft ist belastet. Zwar wächst Indien nach Angaben der Regierung wieder um rund 7 Prozent jährlich. Doch trauen die Unternehmer der Lage, ihrer Regierung und deren Zahlen augenscheinlich nicht: Die Neuinvestitionen liegen auf dem tiefsten Stand seit 14 Jahren. Die indische Wirtschaftszeitung Mint fasst die Lage so zusammen: „Das Ausbleiben der Erholung bei den Investitionen und die hohe Rate der auf Eis gelegten Vorhaben ist ein Armutszeugnis der derzeitigen Regierung, die 2014 mit dem Versprechen an die Macht kam, eine Zeitspanne der politischen Lähmung zu beenden und den Investment-Zyklus neu zu beleben.“

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Das Centre for Monitoring Indian Economy (CMIE), das die Investitionen für das vergangene Quartal ausgewertet hat, erklärt, dass der Wert der neuen Projekte um 55 Prozent unter demjenigen des Vorjahresquartals liege. Zugleich bliebe der Wert zwischen September und Dezember  um 53 Prozent hinter demjenigen des Vorquartals zurück. Besonders belastend wirkt dabei, dass die privaten Investoren ihre Pläne dramatisch zusammengestrichen haben: Die Investitionen der Unternehmer liegen 64 Prozent unter dem Vorjahres-Vergleichswert. Auch die öffentliche Hand spart: Mit einem Rückgang von 41 Prozent fällt deren Investitionsplan auf den tiefsten Stand seit 2004 zurück. Insgesamt belaufen sich die zugesagten Gelder im vergangenen Quartal auf rund eine Trillion Rupien (12,6 Milliarden Euro).

          Die Gründe sind vielfältig: Indien ist Monate vor der Wahl politisch zerrissen, im Parlament wurde gerade tagelang hitzig über die vermutete Bestechung und Ungereimtheiten bei Kauf der französischen Kampfflugzeuge Rafale diskutiert. Bislang war die kommende Wahl als Durchmarsch für die Regierung unter Narendra Modi erschienen – nun wachsen die Zweifel. Die Regierung antwortet, indem sie beginnt, Stimmen über das Verteilen von Geldern und Privilegien zu gewinnen, etwa an Bauern und Angehörige niedrigerer Kasten. Das seit Monaten drückende Problem der faulen Kredite klemmt der Wirtschaft währenddessen den Hahn ab. Schließlich kommt noch die Hürde der Bürokratie hinzu, die Projekte ausbremst.

          Ein knappes Viertel aller privat geführten Vorhaben liegt derzeit auf Eis, wovon 34 Prozent im Bereich der Energie angesiedelt sind. Der Hauptgrund wird mit nicht ausreichenden Finanzmitteln angegeben – die Banken können nicht das benötigte Kapital zur Verfügung stellen.

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