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Datenüberwachung : Indien verordnet seinen Arbeitern eine Überwachungs-App

Frauen in Chennai, Indien. Bild: AFP

Hunderte Millionen Inder müssen eine Kontakt-App herunterladen. Firmenchefs werden für den Erfolg verantwortlich gemacht.

          2 Min.

          Indien sucht nach Wegen, die Corona-Krise unter seinen hunderten Millionen von Arbeitern einzudämmen. Nun hat die Regierung angeordnet, dass alle Arbeiter und Angestellte eine „Tracing App“ herunterladen müssen, um ihre Kontakte nachvollziehen zu können. Erst vergangene Woche hatte Australien eine freiwillige App eingeführt, die auf derjenigen Singapurs basiert, noch aber nicht von den mindestens 5 Millionen Australiern genutzt wird. Selbst im strengen Stadtstaat Singapur, dem vor Überwachung nicht bange ist, ist das Anwenden der App „Trace Together“ freiwillig. Gleichzeitig hat Indien ihre Ausgehsperre um zwei weitere Wochen bis zum 18. Mai verlängert, öffnet aber derweil allmählich Regionen, die als „weniger betroffen“ eingestuft werden. Allein die leidende Automobilbranche wies darauf hin, dass sie täglich umgerechnet rund 300 Millionen Euro verliere.  

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die App „Aaragya Setu“ (Brücke zur Gesundheit) basiert, wie auch in den anderen Ländern, auf dem Ortungssystem über GPS und Bluetooth. Sie warnt Nutzer, wenn sie in Kontakt mit anderen gekommen sind, die positiv auf Corona getestet wurden, liefert aber auch Hinweise etwa zur Eigendiagnose und Warnungen. Lieferdienste für Essen haben sie schon genutzt. Indische Medien berichten, die Regierung plane, die App auf allen neuen Smartphones automatisch installieren zu lassen. Auch in der größten Demokratie der Welt gibt es aber Bedenken: So warnte der Internetbrowser Modzilla davor, dass die Daten geschützt werden müssten, es vor der Anwendung ein Gesetz zu den Verfahren bräuchte und ein unabhängiges Gremium das Nutzen überwachen müsse.

          Firmenchefs stehen in der Verantwortung

          Neu Delhi hält dagegen, dass die App anonym genutzt werden könne. Das stimmt so nicht: Denn sie fragt nach Name, Alter, Beruf und weiteren persönlichen Angaben, aber auch den zuletzt besuchten Ländern. Dann forscht sie nach Symptomen aus den vergangenen Tagen. Die Stiftung Internet Freedom Foundation nannte die indische App ein „Minenfeld für die Privatsphäre“. Die Regierung wies darauf hin, dass die Daten so lange verschlüsselt auf dem Mobiltelefon blieben, bis es zu einem Corona-Kontakt käme.  

          Das Gesundheitsministerium in Neu Delhi hat angeordnet, dass Firmenchefs in der Verantwortung stünden, eine „hundertprozentige Deckung“ unter ihrer Belegschaft herzustellen. Wichtig ist eine gewisse Grundmenge an Nutzern: In Indien mit seinen fast 1,4 Milliarden Menschen müssten mindestens 200 Millionen Menschen die App nutzen und den Verbindungsdienst Bluetooth angeschaltet lassen, soll sie funktionieren. Mehr als eine halbe Milliarde Inder besitzen ein modernes Mobiltelefon. Von ihnen wurde „Aaragya Setu“ bislang gut 83 Millionen Mal heruntergeladen. Offen ist, ob Firmen ihren Arbeitern nun Mobiltelefone zur Verfügung stellen müssen, um das Nutzen der App zu gewährleisten. Rund 400 Millionen erwachsene Inder besitzen kein Mobiltelefon. Die allermeisten von ihnen zählen zu den Ärmsten, die insbesondere in Corona-Zeiten weitgehend schutzlos sind. 

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