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Nach Indiens Exportstopp : Impfstoff-Zugang für Entwicklungsländer gefährdet

Indien trifft die Corona-Pandemie hart. Nun hat der man den Export von Covid-Impfstoffen gestoppt. Bild: AFP

Indien wollte an die Entwicklungsländer liefern, hat nun aber einen Exportstopp verhängt. Die reichen Länder sollen helfen, fordert die Weltgesundheitsorganisation.

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          Entwicklungsländer müssen um den Erfolg ihrer Impfkampagnen fürchten, weil Indien, einer der größten Lieferanten des Coronavirus-Vakzins, sein Exportverbot verschärft hat. Indien ist selbst schwer getroffen von der Pandemie und will deshalb wahrscheinlich bis Oktober keine Impfstoffe mehr ausführen. Ursprünglich sollte deren Export im Juni wieder beginnen. Der Exportstopp wird ganz überwiegend die Menschen in Afrika treffen, wo erst 28 Millionen von 1,2 Milliarden Menschen eine erste Impfung erhalten haben.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Das Kinderhilfswerk Unicef rief unterdessen die G-7-Länder und die EU dazu auf, zusätzlich 150 Millionen Dosen an arme Länder zu spenden. Sie könnten das nach Berechnungen des britischen Analyseunternehmens Airfinity, ohne ihre eigenen Impfziele preiszugeben, wenn sie im Juni, Juli und August jeweils 20 Prozent ihrer gelagerten Impfstoffe freigäben.

          Politischer Druck hat nun offenbar in Washington Wirkung gezeigt, nachdem die Vereinigten Staaten lange als einziges Produzentenland Exporte komplett verweigerten. Vor zwei Wochen hatte Präsident Joe Biden den Export von 60 Millionen Dosen des AstraZeneca-Impfstoffs erlaubt, der in Amerika keine Zulassung hat und in Lagerhallen in Baltimore zu verderben drohte. Nun will er zusätzliche 20 Millionen Dosen der in den USA genehmigten BioNTech-, Johnson-&-Johnson- und Moderna-Impfstoffe stiften. Niemand spende damit mehr als die Vereinigten Staaten, behauptete Biden.

          China exportiert mehr als Amerika

          Während China nach Berechnung von Airfinity rund 40 Prozent seiner Produktionsmenge an Impfstoffen exportiert hat, lieferten die Vereinigten Staaten nicht einmal ein Prozent an andere Länder. Zudem erschwerten sie unter anderem die Ausfuhr von Rohstoffen und verzögerten damit die Produktion in Indien von AstraZeneca- und Novavax-Impfstoffen.

          Dort spitzt sich die Lage zu: Am Dienstag zählte Asiens drittgrößte Volkswirtschaft offiziell mehr als 25 Millionen Infizierte. Die wirkliche Zahl könnte beim Zehnfachen liegen. Auch aufgrund der immer lauter werdenden Kritik an der Regierung unter Ministerpräsident Narendra Modi sollen die Impfungen in Indien möglich schnell hochgefahren werden. Bislang sind 183 Millionen des 1,4-Milliarden-Volkes zumindest einmal geimpft worden.

          Die Analysten der Rabobank bleiben skeptisch: „Im besten Fall werden bis Ende des Jahres nur 35 Prozent der Inder geimpft sein“, erklärten sie am Dienstag. Bislang sind die Vakzine vor allem auf dem Land Mangelware. Aber auch in der schwer getroffenen Hauptstadt Neu-Delhi reiche der Impfstoff für die 18- bis 44-Jährigen allenfalls noch für weitere drei Tage, warnt die Stadtverwaltung.

          Dabei hatte die Regierung im Zuge ihrer an China angelehnten „Impfdiplomatie“ bis April noch 66,4 Millionen Dosen an insgesamt 90 Länder abgegeben oder verkauft – was die Inder Modi heute vorhalten. Das Gesundheitsministerium begründete den Export allerdings auch damit, dass die schwache Infrastruktur Indiens und der Mangel an Personal das Impfen der hergestellten Mengen im eigenen Land gar nicht ermöglichten.

          Exportstopp trifft Covax-Kampagne hart

          Nun die Kehrtwende: Der Exportstopp trifft die multinationale Impfkampagne Covax mit ihren 172 Mitgliedsländern hart. Bis Ende des Jahres will sie 2 Milliarden Impfdosen verteilen. Unter anderem Bangladesch, Nepal, Sri Lanka und weite Teile Südostasiens und Afrikas sind auf die Lieferungen des von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Impfallianz GAVI getragenen Impfbündnisses angewiesen.

          Damit rückt der wichtigste Hersteller der Welt, das private Serum Institute of India, ins Blickfeld. Gerade erst hat die Regierung dem SII verboten, vertraglich vereinbarte 5 Millionen Dosen des Impfstoffes von AstraZeneca und der Universität Oxford nach Großbritannien zu liefern. Vor allem aber hat der Hersteller einen Vertrag mit Covax, 1,1 Milliarden Dosen der Impfstoffe AstraZeneca und Novavax für die Armen zu liefern. Bis Ende Mai hätte das SII davon schon 140 Millionen Einheiten ausliefern sollen – die nun innerhalb Indiens eingesetzt werden sollen. Bis Ende Juni werde der Ausfuhrstopp zu einem Mangel von 190 Millionen Dosen für Covax führen, heißt es von Unicef.

          „Impfstoff-Apartheid“

          Die WHO appellierte vor diesem Hintergrund an die Herstellerländer, ihre Produktion hochzufahren, weil die aus Indien erwarteten Lieferungen ausblieben. Der WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus warnte, die Welt habe eine „Impfstoff-Apartheid“ erreicht, und forderte die reichen Länder auf, mehr ihrer eigenen Impfstoffe für bedürftige Länder freizugeben.

          Am Montag hat sich nach den Vereinigten Staaten auch China hinter Indien und Südafrika gestellt in ihrer Forderung, Patente zur Impfstoffentwicklung aufzuheben. Deutschland, die Schweiz und andere Länder mit einer starken Pharmaindustrie sind dagegen. Sie argumentieren, dass Patente nicht der Engpass seien.

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