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„Trostlose und grimmige Lage“ : Früherer Ministerpräsident warnt vor „großer Krise“ Indiens

Manmohan Singh im Dezember 2019 Bild: EPA

Manmohan Singh fordert umfassende Reformen, um die hausgemachten Krisen und das Coronavirus in den Griff zu bekommen. Das Land sei in unmittelbarer Gefahr.

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          Der weltweit geachtete frühere Ministerpräsident Indiens hat sich mit einem Brandbrief zu Wort gemeldet. Manmohan Singh, der die drittgrößte Volkswirtschaft Asiens bis 2014 über ein Jahrzehnt geführt hatte, warnt vor einer „trostlosen und grimmigen Lage“. In einer scharfen Kritik in der Zeitung The Hindu schreibt Singh: „Indien ist in unmittelbarer Gefahr aufgrund der Dreifaltigkeit aus sozialer Disharmonie, einer wirtschaftlichen Verlangsamung und der globalen Epidemie. Die sozialen Unruhen und der wirtschaftliche Ruin sind hausgemacht, während das Corona-Virus ein externer Schock ist. Ich bin zutiefst beunruhigt, dass die machtvolle Kombination von Risiken nicht nur die Seele Indiens bricht, sondern auch unseren weltweiten Ruf als wirtschaftliche und demokratische Kraft beschädigt.“

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Mit Blick auf die fast 50 Toten, die die Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Muslimen in Delhi forderten, sagte Singh: „Jede Akt sektiererischer Gewalt ist ein Schandfleck für Mahatma Gandhis Indien.“ In Zeiten einer schwächelnden Wirtschaft würden solche Auseinandersetzungen die Konjunktur nur noch mehr belasten.

          Sofortiges Konjunkturpaket

          Ohne die derzeitige Regierung unter seinem Nachfolger Narendra Modi zu nennen, erklärt Singh: „In nur wenigen Jahren ist Indien von einem weltweit beachteten Beispiel für eine vorbildhafte wirtschaftliche Entwicklung dank liberaler, demokratischer Methoden zu einem unruhigen Mehrheitsstaat tief in ökonomischer Verzweiflung abgestürzt. Investoren, Firmenchefs und Gründer wollen haben ihren Appetit auf Risiko verloren. Soziale Zerrüttung und kommunale Spannungen verstärken ihre Ängste und ihre Risikofurcht nur noch. “

          Singh fordert einen verantwortungsvolleren Umgang mit dem Virus, eine Rücknahme der umkämpften Bürgerrechts-Änderungen und ein sofortiges Konjunkturpaket. Er scheute nicht davor zurück, die derzeitige Krise mit der indischen Zahlungsbilanzkrise 1991 zu vergleichen, als der Golfkrieg den Ölmarkt belastete. „Dank drastischer Reformen gelang es uns, (die Krise) als Chance zu nutzen“, sagte Singh. Er hoffe, dass sein Land die Schwäche Chinas und der Konjunktureinbruch durch das Virus zu neuen Reformen treibe, die langfristig Indiens Position auf dem Weltmarkt stärkten.    

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